Charlotte Knobloch warnt vor schiefer Israelberichterstattung und stellt den öffentlich rechtlichen Rundfunk vor eine ernste Verantwortung

Charlotte Knobloch warnt vor schiefer Israelberichterstattung und stellt den öffentlich rechtlichen Rundfunk vor eine ernste Verantwortung


Charlotte Knobloch spricht selten so scharf – doch diesmal wählt sie Worte, die wie ein seismografisches Warnsignal klingen. Ihre Kritik an der Auszeichnung der ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann trifft einen Nerv, der in Deutschland seit dem 7. Oktober offenliegt: Wie Medien über Israel berichten, entscheidet längst auch über die Sicherheit jüdischen Lebens.

Charlotte Knobloch warnt vor schiefer Israelberichterstattung und stellt den öffentlich rechtlichen Rundfunk vor eine ernste Verantwortung
By Henning Schlottmann (User:H-stt) - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=139108094

Es ist ein selten klarer und zugleich ernüchternder Moment in der deutschen Debatte über IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, erhebt ihre Stimme gegen eine Entwicklung, die seit Monaten bei vielen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern wachsende Sorge auslöst. Die geplante Verleihung des Hanns Joachim Friedrichs Preises an die ARD Israelkorrespondentin Sophie von der Tann ist für sie ein Alarmzeichen. Nicht wegen einer abweichenden Meinung, sondern wegen einer Berichterstattung, die aus Sicht weiter Teile der jüdischen Gemeinschaft Maßstäbe verschiebt und Bilder verstärkt, die gefährliche Folgen haben.

Knobloch betont, dass Demokratie ohne Widerspruch nicht denkbar ist. Ihr Anliegen ist nicht die Gleichschaltung der Presse. Ihre Kritik richtet sich an etwas anderes. An eine Auszeichnung, die aus ihrer Sicht eine problematische Form der Berichterstattung nicht hinterfragt, sondern ehrt. Das verschlägt ihr die Sprache, wie sie sagt. Die Aussage kommt nicht aus einer politischen Ecke. Sie kommt von einer Frau, die als HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesenüberlebende über Jahrzehnte hinweg für Vertrauen, Dialog und ein demokratisches Miteinander eingetreten ist.

Ihr Kernpunkt ist deutlich. Wenn in deutschen Medien die Maßstäbe zuungunsten Israels verrutschen, wenn Gewalt gegen JudenPogrom: Wenn Hass zur Jagd auf Juden wirdEin Pogrom ist eine kollektive Gewalttat gegen eine Minderheit, besonders gegen Juden. Der Begriff wurde durch antijüdische Gewalt im Russischen Reich bekannt, die Form der Gewalt ist jedoch viel älter.Mehr lesen anders bewertet wird als Gewalt gegen andere Gruppen und wenn Sprache verwendet wird, die ausgerechnet in Deutschland allzu vertraute Muster reaktiviert, dann spürt es die jüdische Gemeinschaft unmittelbar. Nicht erst langfristig. Nicht abstrakt. Sondern sofort. Knobloch erinnert daran, dass JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen keine Passkontrolle kennt. Wer Israel delegitimiert, trifft auch Juden weltweit. Und in Deutschland trifft es Menschen, die nach der Schoa glaubten, hier eine sichere Heimat gefunden zu haben.

Dabei verweist Knobloch ausdrücklich auf die Verantwortung des öffentlich rechtlichen Rundfunks. Sie betont, dass sie dessen Rolle für die Gesellschaft schätzt. Doch gleichzeitig äußert sie Zweifel daran, ob diese Rolle im KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen Israel derzeit angemessen ausgefüllt wird. Es geht ihr nicht um einzelne Formulierungen. Es geht um Strukturen. Um Narrative. Um die Frage, wie oft ausgerechnet israelische Perspektiven verkürzt werden, während Organisationen wie die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen trotz internationaler Einstufung als Terrororganisation in Teilen der Berichterstattung wie ein legitimer politischer Akteur behandelt werden.

Ihr Appell wirkt wie eine nüchterne Erinnerung an eine Lektion, die in Deutschland nie an Gültigkeit verloren hat. Sprache ist nie neutral. Die Bilder, die Medien erzeugen, formen das Klima, in dem Jüdinnen und Juden leben. Wenn eine Berichterstattung prämiert wird, die aus Sicht vieler jüdischer Stimmen eine gefährliche Schlagseite besitzt, dann verliert nicht nur Israel. Dann verliert das Vertrauen, das eine demokratische Öffentlichkeit zusammenhält.

Knoblochs Warnung ist deshalb kein persönlicher Angriff. Es ist ein Weckruf. Demokratische Medienfreiheit ist keine Einbahnstraße. Sie lebt von Verantwortung und dem Bewusstsein für historische Sensibilitäten. Wer sie ignoriert, öffnet Räume, in denen antisemitische Muster neuen Halt finden können. Die Frage, die im Raum steht, ist grösser als eine Preisvergabe. Es geht darum, ob der öffentlich rechtliche Rundfunk den Anspruch erfüllt, der ihn legitimiert. Es geht darum, ob er sensibel genug ist, um Israelberichterstattung nicht in alte Muster absacken zu lassen. Und es geht darum, ob Deutschland verstanden hat, dass Präzision im Umgang mit Israel nicht lästige Pflicht, sondern Ausdruck historischer Reife ist.

Knoblochs Worte wirken wie ein Spiegel. In ihm zeigt sich, wie sehr sich die Debatte verschoben hat und wie dringend eine Rückkehr zu genauerer, verantwortungsvoller Berichterstattung wäre. Nicht zur Schonung Israels, sondern zur Stärkung der demokratischen Kultur, die dieses Land trägt.




Autor: Redaktion
Freitag, 05 Dezember 2025

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