Großdemonstration in Berlin setzt Zeichen gegen das Mullah-Regime im IranGroßdemonstration in Berlin setzt Zeichen gegen das Mullah-Regime im Iran
Zehntausend Menschen füllen die Straßen der deutschen Hauptstadt, um ihre Stimme für ein freies Iran zu erheben. Der Protest ist laut, entschlossen und friedlich.
Mitten im Herzen Berlins, zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz, spielte sich am Samstag ein eindrucksvolles Bild ab. Fahnen in Grün, Weiß und Rot wehten im kalten Winterwind, Sprechchöre hallten durch die Straßen, und Tausende Menschen machten unmissverständlich klar, wofür sie auf die Straße gegangen waren. Freiheit für Iran. Ende der Diktatur. Gerechtigkeit für die Opfer.
Nach Angaben der Berliner Polizei beteiligten sich rund zehntausend Menschen an der Demonstration gegen das iranische Mullah-Regime. Für eine Kundgebung dieser Art ist das eine bemerkenswerte Zahl. Noch bemerkenswerter war jedoch die Stimmung. Trotz der emotionalen Wucht des Themas verlief der Protest nach Angaben der Einsatzkräfte absolut friedlich. Rund 380 Polizisten begleiteten den Marsch, der ohne Zwischenfälle vom Brandenburger Tor zum Potsdamer Platz und zurück führte.
Organisiert wurde die Demonstration vom Nationalen Widerstandsrat Iran, einem Zusammenschluss verschiedener oppositioneller Gruppen im Exil. Doch das Gesicht der Kundgebung waren vor allem die vielen einfachen Menschen, die aus ganz Deutschland angereist waren. Unter ihnen Angehörige von Iranern, die in den vergangenen Monaten bei den brutalen Niederschlagungen der Proteste getötet oder verhaftet wurden. Für sie war dieser Tag mehr als nur ein politisches Signal. Er war ein Akt der Trauer, des Widerstands und der Hoffnung zugleich.
Überall in der Menge waren Fotos von jungen Männern und Frauen zu sehen, die im Iran ihr Leben verloren haben. Namen, Gesichter, Schicksale. Menschen, die nicht mehr sprechen können und deren Stimmen nun in Berlin weitergetragen wurden. Diese Bilder verliehen der Demonstration eine eindringliche moralische Kraft.
Die Präsidentin des Nationalen Widerstandsrats, Maryam Rajavi, wandte sich in einer Videobotschaft direkt an die Teilnehmer. Sie forderte den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, sofort einzugreifen, um Hinrichtungen von Demonstranten und politischen Gefangenen zu stoppen. Vor allem aber verlangte sie, dass Ali Khamenei, der Oberste Führer des iranischen Regimes, wegen der Massentötungen vor ein internationales Gericht gestellt wird. Ihre Worte wurden mit Applaus und Sprechchören beantwortet.
Der Protest in Berlin war jedoch nicht nur eine klare Absage an die islamistische Herrschaft in Teheran. Er war zugleich ein deutliches Nein zu jeder Form der Rückkehr alter Machtstrukturen. Auf Transparenten und in Redebeiträgen wurde ausdrücklich betont, dass eine Wiederherstellung der Monarchie, wie sie vor 1979 existierte, keine Alternative darstellt. Viele Demonstranten wandten sich entschieden gegen Reza Pahlavi, den Sohn des gestürzten Schahs, der sich in den letzten Monaten immer wieder als möglicher politischer Anführer einer neuen iranischen Ordnung präsentiert hatte.
Für die Organisatoren ist diese Haltung zentral. Sahar Sanaie, Mitorganisatorin der Kundgebung, brachte es klar auf den Punkt. Pahlavi sei ein Opportunist, der versuche, aus der aktuellen Lage politischen Nutzen zu ziehen. Die Zukunft des Iran dürfe nicht in die Hände alter Eliten zurückfallen, sondern müsse vom Volk selbst gestaltet werden. Die Menschen im Iran wollten echte Volkssouveränität, keine neue Form von Fremdherrschaft oder eine restaurierte Diktatur.
Diese Haltung spiegelt einen wichtigen Wandel innerhalb der iranischen Diaspora wider. Die Protestbewegung von heute ist nicht nostalgisch. Sie ist modern, pluralistisch und zutiefst demokratisch. Sie richtet sich nicht nur gegen das bestehende Regime, sondern gegen jede Form autoritärer Herrschaft. Genau deshalb hat sie auch in Deutschland so viel Zuspruch gefunden.
Die Ereignisse in Berlin stehen in engem Zusammenhang mit den dramatischen Entwicklungen im Iran selbst. Seit Ende Dezember wird das Land von einer gewaltigen Protestwelle erschüttert. Ausgelöst durch eine schwere Wirtschaftskrise und explodierende Lebenshaltungskosten, entwickelten sich die Demonstrationen schnell zu einem landesweiten Aufstand gegen das gesamte politische System. Die Antwort des Regimes war erschütternd brutal.
Menschenrechtsorganisationen sprechen von mehr als dreitausendvierhundert Toten. Tausende weitere wurden verhaftet, gefoltert oder sind spurlos verschwunden. Unabhängige Berichterstattung ist kaum möglich, weil das Regime Journalisten einschüchtert, Internetzugänge sperrt und jede kritische Stimme unterdrückt. Genau deshalb haben die Proteste im Ausland eine so große Bedeutung. Sie geben den Menschen im Iran das Gefühl, nicht allein zu sein.
In Berlin wurde dies besonders deutlich. Viele Redner erinnerten daran, dass die Demonstranten im Iran unter Lebensgefahr auf die Straße gehen, während in Deutschland das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gilt. Diese Freiheit zu nutzen, sei eine moralische Verpflichtung. Die Menschen hier könnten sagen, was den Menschen dort verboten werde.
Neben der großen Kundgebung am Brandenburger Tor war für den Nachmittag ein weiterer Protestzug am Potsdamer Platz geplant. Die iranische Gemeinschaft in Berlin und Brandenburg hat in den vergangenen Wochen immer wieder Demonstrationen organisiert. Sie will den Druck aufrechterhalten, damit die internationale Gemeinschaft nicht wegschaut.
Denn genau darum geht es letztlich. Der Kampf um die Zukunft des Iran wird zwar auf den Straßen von Teheran, Isfahan und Schiras entschieden. Doch er braucht auch die Unterstützung der freien Welt. Jede Demonstration, jede Kundgebung, jede Stimme zählt. Sie sendet ein Signal an das Regime, dass seine Verbrechen nicht vergessen werden.
Die Bilder aus Berlin zeigen, dass dieser Wille lebendig ist. Zehntausend Menschen, friedlich vereint in ihrem Wunsch nach Freiheit, sind ein starkes Zeichen. Für Deutschland, für Europa und vor allem für die mutigen Menschen im Iran, die weiterhin gegen Unterdrückung kämpfen.
Der Samstag in Berlin war deshalb mehr als nur ein Protesttag. Er war ein Versprechen. Ein Versprechen, dass die Welt nicht schweigen wird, solange im Iran Menschen wegen ihrer Überzeugungen sterben müssen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild: By Ilias Bartolini from Spain, UK, Italy - Free Iran - Former Iranian state flags, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129235814
Sonntag, 08 Februar 2026