Tucker Carlson reist nach Israel ein und verlässt das Land nach wenigen Stunden wieder, ohne es zu betretenTucker Carlson reist nach Israel ein und verlässt das Land nach wenigen Stunden wieder, ohne es zu betreten
Er erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel, doch bleibt ausschließlich im Flughafen. Offizielle Zahlen und neue Aufnahmen widersprechen seiner Darstellung und werfen grundlegende Fragen auf.
Der Besuch des amerikanischen Medienkommentators Tucker Carlson in Israel dauerte nur wenige Stunden und hinterließ dennoch erheblichen politischen Schaden. Am Mittwoch landete er am Flughafen Ben Gurion, führte dort ein Gespräch mit dem amerikanischen Botschafter Mike Huckabee und verließ das Land noch am selben Nachmittag wieder. Er blieb während seines gesamten Aufenthalts innerhalb des Flughafenkomplexes und reiste ab, ohne auch nur einen einzigen Ort in Israel außerhalb des Terminals gesehen zu haben.
Dieser ungewöhnlich kurze Aufenthalt steht in deutlichem Widerspruch zu den weitreichenden Vorwürfen, die Carlson zuvor öffentlich erhoben hatte. In einer viel beachteten Sendung hatte er behauptet, Christen würden in Israel unterdrückt und ihre Zahl sei seit der Staatsgründung zurückgegangen. Diese Darstellung hält einer sachlichen Überprüfung nicht stand.
Nach offiziellen Angaben des israelischen Zentralamts für Statistik lebten im Jahr 1949 etwa 34.000 Christen im Land. Ende des Jahres 2025 waren es rund 185.000. Die christliche Bevölkerung hat sich damit mehr als verfünffacht. Israel ist heute eines der wenigen Länder im Nahen Osten, in denen christliches Leben nicht verschwindet, sondern wächst und sich frei entfalten kann.
Zwar ist der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung von etwa zehn Prozent auf weniger als zwei Prozent gesunken, doch dieser Rückgang ist ausschließlich auf das starke Wachstum der jüdischen und muslimischen Bevölkerung zurückzuführen. In absoluten Zahlen leben heute mehr Christen in Israel als jemals zuvor.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Carlsons Verhalten besondere Bedeutung. Wer ein Land öffentlich kritisiert, ohne es überhaupt zu betreten, verzichtet bewusst auf die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen. Stattdessen entsteht der Eindruck einer vorgefassten Erzählung, die durch persönliche Eindrücke nicht mehr überprüft werden soll.
Zusätzliche Brisanz erhielt der Vorfall durch Carlsons eigene Darstellung seiner Einreise. Er behauptete, israelische Sicherheitskräfte hätten ihn und sein Team festgehalten, ihre Pässe einbehalten und seinen Produzenten in einen Nebenraum gebracht. Diese Schilderung verbreitete sich rasch und wurde von Kritikern Israels als Beleg für angebliche Repressionen aufgegriffen.
Kurz darauf veröffentlichte Videoaufnahmen zeichnen jedoch ein völlig anderes Bild. Sie zeigen Carlson ruhig und ohne sichtbare Einschränkungen im Gespräch mit Mitarbeitern des Flughafens. Er unterschreibt Dokumente, lächelt und posiert sogar für ein Foto mit einem Mitarbeiter. Hinweise auf eine Festnahme oder Zwangsmaßnahmen sind nicht erkennbar.
Auch die amerikanische Botschaft in Israel widersprach seiner Darstellung ausdrücklich. Carlson habe die gleichen Routinefragen beantwortet wie andere Besucher, darunter auch Diplomaten und Journalisten. Die israelische Flughafenbehörde erklärte ebenfalls, dass weder eine Festnahme noch eine Festhaltung stattgefunden habe. Das Gespräch habe in einem separaten Raum stattgefunden, um seine Privatsphäre zu wahren, nicht um ihn zu verhören.
Diese Widersprüche berühren den Kern der Angelegenheit. Carlson erreicht mit seinen Sendungen ein Millionenpublikum, insbesondere junge Menschen in den Vereinigten Staaten. Seine Aussagen prägen das Bild Israels bei Menschen, die das Land nie selbst gesehen haben. Gerade deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, ob seine Darstellungen auf eigenen Erfahrungen beruhen oder nicht.
Israel ist ein Land, in dem Christen, Juden und Muslime ihre Religion frei ausüben. Kirchen stehen offen, Gemeinden wachsen, und christliche Einrichtungen sind ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Diese Realität lässt sich nicht aus einem Flughafen heraus erfassen.
Carlsons Besuch dauerte nur wenige Stunden. Die Folgen seiner Aussagen könnten jedoch deutlich länger bestehen bleiben.
Autor: Samuel Benning
Bild Quelle: By Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America - Tucker Carlson, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=134985243
Freitag, 20 Februar 2026