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Drohbrief mit Projektil gegen israelische Familien in Varallo: Bürgermeister erhält Morddrohung

Drohbrief mit Projektil gegen israelische Familien in Varallo: Bürgermeister erhält Morddrohung


In Varallo im norditalienischen Piemont wurde dem Bürgermeister ein Drohbrief mit Projektil geschickt. Im Visier stehen israelische Familien, die in der Region verlassene Häuser renovieren und ein neues Leben begonnen haben.

Drohbrief mit Projektil gegen israelische Familien in Varallo: Bürgermeister erhält Morddrohung
Bildnachweis: Mattana / Quelle

Im Rathaus der kleinen Stadt im Valsesia Tal geht ein gelber Umschlag ein. Darin liegt nicht nur ein Drohbrief mit der Überschrift „Fuck IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“, sondern auch ein Projektil vom Kaliber 40 Smith & Wesson. Der Brief richtet sich an Bürgermeister Pietro Bondetti und an Ugo Luzzatti, den Initiator des Projekts Baita, durch das in den vergangenen Jahren mehrere Dutzend israelische Familien in die Region gekommen sind. Der Satz, der aus der Drohung eine offene Einschüchterung macht, lautet sinngemäß: Dies sei die einzige Warnung, bevor geschossen werde.

Die Nachricht hat Italien aufgeschreckt, weil sie nicht in einer aufgeheizten Großstadt, nicht vor einer Botschaft und nicht am Rand einer Demonstration auftauchte, sondern in einer Bergregion am Fuß der Alpen. Varallo ist kein Symbolort des Nahostkonflikts. Es ist eine Stadt, in der leerstehende Häuser, abgelegene Täler und schrumpfende Gemeinden seit Jahren nach neuer Lebenskraft suchen. Genau dort haben israelische Familien Wohnungen und Häuser gekauft, renoviert, Kinder in Schulen geschickt und sich in den Alltag eingefügt. Nach Angaben italienischer Medien leben inzwischen rund 70 israelische Familien in und um Varallo.

Der Drohbrief stellt diese Menschen nicht als Nachbarn, Familien oder Zugezogene dar, sondern als Feindbild. Er spricht von „Nazi-Zionisten“ und verlangt, dass keine weiteren israelischen Familien in das Tal kommen. Unterzeichnet ist das Schreiben von einem angeblichen „Movimento Antisionista“. Ob dahinter eine echte Gruppe, einzelne Täter oder ein bewusst gewählter Name zur Einschüchterung steht, müssen die Ermittler klären. Die Staatsanwaltschaft und die zuständigen Sicherheitsbehörden haben Ermittlungen aufgenommen, italienische Medien berichten auch von der Einschaltung spezialisierter Ermittlungsstrukturen.

Bürgermeister Bondetti reagierte klar. Die Ankunft israelischer Familien sei für die Region eine sehr positive Entwicklung. Sie hätten verlassene Häuser gekauft, renoviert und Gegenden wiederbelebt, die zunehmend entleert gewesen seien. Ihre Kinder gingen in die Schulen, Spannungen habe er persönlich nicht wahrgenommen. Gerade deshalb trifft der Brief einen Ort, der bisher offenbar nicht durch offene Konflikte geprägt war, sondern durch Integration im Stillen.

Auch Ugo Luzzatti, der das Projekt Baita mit aufgebaut hat, bezeichnete die Drohung als verstörend und zugleich absurd. Viele der Familien suchten in Varallo gerade Ruhe, Natur und Distanz zu Krieg, Terror und politischem Druck. Sie seien keine militanten politischen Akteure, sondern Menschen, die ein normales Leben führen wollten. Dass genau diese Menschen nun wegen ihrer Herkunft zur Zielscheibe werden, zeigt, wie weit antiisraelischer Hass inzwischen reichen kann.

Italiens Präsident Sergio Mattarella ließ Bondetti Unterstützung übermitteln. Das ist mehr als eine höfliche Geste. Wenn ein Bürgermeister wegen israelischer Bewohner seiner Gemeinde einen Brief mit Projektil erhält, betrifft das den Staat selbst. Dann geht es nicht nur um Israel, nicht nur um Juden, nicht nur um eine lokale Ansiedlung. Dann geht es um die Frage, ob eine Demokratie duldet, dass Menschen durch Drohungen aus einer Gemeinde gedrängt werden sollen.

Der Fall fällt in eine Zeit, in der jüdische und israelische Bürger in Europa stärker unter Druck geraten. Seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen hat sich der Ton in vielen Ländern verschärft. Aus Israelkritik wird immer häufiger ein umfassender Verdacht gegen Israelis, Zionisten oder Juden. Genau diese Verschiebung ist gefährlich. Wer Familien, die Häuser kaufen und Kinder zur Schule schicken, als Ziel markiert, betreibt keine politische Kritik. Er bedroht Menschen.

Varallo zeigt deshalb etwas, das Europa nicht länger als Randproblem behandeln darf. Antizionistische Sprache kann sehr schnell in konkrete Einschüchterung kippen. Der Brief mit der Kugel ist keine Debatte, keine Meinung und kein Protest. Er ist eine Drohung gegen das Zusammenleben. Und er trifft nicht nur israelische Familien, sondern auch jene Italiener, die ihnen eine neue Heimat auf Zeit oder Dauer geben.

Die Antwort darauf muss eindeutig sein: Ermittlungen, Schutz, Solidarität und klare Sprache. Wer in Europa leben will, darf nicht wegen seiner israelischen Herkunft zum Sicherheitsrisiko erklärt werden. Wenn verlassene Häuser wieder bewohnt werden, Kinder Schulen füllen und eine Region neue Bürger gewinnt, sollte das als Gewinn gelten. Dass jemand darauf mit einer Kugel antwortet, zeigt nicht die Gefahr dieser Familien. Es zeigt die Gefahr des Hasses gegen sie.




Autor: Redaktion
Dienstag, 23 Juni 2026

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