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Sprengstoffdrohne bei Antonov: Leipzig entging offenbar einer Katastrophe

Sprengstoffdrohne bei Antonov: Leipzig entging offenbar einer Katastrophe


An einer Drohne im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle wurden nach Behördenunterlagen PETN und Semtex nachgewiesen. Der Zünder war offenbar abgerissen, während nur wenige Meter entfernt ukrainische Transportflugzeuge standen.

Sprengstoffdrohne bei Antonov: Leipzig entging offenbar einer Katastrophe
Bildnachweis: Pixabay / Symbolbild

Der nächtliche Sicherheitsvorfall am Flughafen Leipzig/Halle ist offenbar erheblich gefährlicher gewesen, als zunächst bekannt war. Bei dem Gegenstand, den ein Flughafenmitarbeiter im Sicherheitsbereich an der südlichen Startbahn entdeckte, handelte es sich nach Angaben der Ermittler um eine Drohne mit einer daran befestigten Sprengvorrichtung. Kriminaltechnische Untersuchungen sollen in dem Paket die hochexplosiven Stoffe PETN und Semtex nachgewiesen haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen haben die Ermittlungen übernommen. Eine politische Tatmotivation wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Damit geht es nicht länger lediglich um einen verdächtigen Gegenstand, eine unerlaubt eingeflogene Drohne oder einen möglicherweise harmlosen Zwischenfall. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung verliefen mehrere Tests zunächst unterschiedlich. Ein erster Test reagierte positiv auf Nitrate, zwei weitere Untersuchungen blieben negativ. Ein vierter Test durch Spezialisten der sächsischen Landespolizei soll schließlich PETN und Semtex angezeigt haben. Beide Stoffe besitzen eine erhebliche Sprengwirkung und werden unter anderem im militärischen Bereich verwendet. Die Behörden selbst sprechen bislang vorsichtiger von einer noch unbekannten Sprengvorrichtung. Der Zünder wurde von Spezialisten entfernt.

Besonders beunruhigend ist der Zustand des Zünders. Nach den vertraulichen Unterlagen war er offenbar von dem Sprengsatz abgerissen. Gerade dies könnte verhindert haben, dass die Vorrichtung explodierte. Ob der Zünder bereits beim Flug, bei einer Landung oder durch eine Kollision beschädigt wurde, ist bislang ebenso ungeklärt wie die Frage, wann und auf welche Weise die Explosion ausgelöst werden sollte. Dennoch steht nun fest, dass die Drohne nicht nur irgendeine undefinierte Masse trug. Sie war nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen mit leistungsfähigem Sprengstoff präpariert.

Vier ukrainische Transportflugzeuge in unmittelbarer Nähe

Die Drohne wurde innerhalb des besonders geschützten Flughafenbereichs an der Südpiste gefunden. Nach Informationen aus Behördenunterlagen befanden sich in unmittelbarer Nähe vier Transportflugzeuge der ukrainischen Staatsfluggesellschaft Antonov Airlines. Ein Sprecher der NATO bestätigte zumindest, dass das Fluggerät in der Nähe einer ukrainischen Maschine entdeckt wurde. Ob eine der Antonov Maschinen das konkrete Ziel war, ist weiterhin nicht bewiesen. Der Fundort macht diese Möglichkeit jedoch zu einer zentralen Frage der Ermittlungen.

Antonov Airlines nutzt Leipzig/Halle seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine als bedeutenden Standort. Die großen Transportflugzeuge vom Typ An 124 können besonders schwere und sperrige Fracht befördern. Der Flughafen gehört zugleich zu den wichtigsten europäischen Luftfrachtzentren, ist das zentrale DHL Drehkreuz auf dem Kontinent und spielt eine Rolle beim Transport von Gütern für die Ukraine. Ein Angriff auf eine dort stationierte Antonov könnte deshalb weit über die Beschädigung eines einzelnen Flugzeugs hinausreichen.

Bislang gibt es allerdings weder einen identifizierten Täter noch einen bekannten Auftraggeber. Auch eine russische Beteiligung ist nicht nachgewiesen. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das beim Landeskriminalamt angesiedelte Polizeiliche Terrorismus und Extremismus Abwehrzentrum prüfen einen möglichen politischen Hintergrund. Zusätzlich sind das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei beteiligt. Sachsens Innenminister Armin Schuster bezeichnete das Geschehen als sehr ernsten Sicherheitsvorfall.

Die Einbindung dieser Stellen zeigt, welche Bedeutung die Behörden dem Fund beimessen. Sie beweist jedoch noch nicht, dass ein ausländischer Geheimdienst, eine extremistische Organisation oder eine andere staatlich gelenkte Struktur verantwortlich ist. Genau diese Trennung ist entscheidend. Der Sprengstofffund ist nach den bisherigen Untersuchungen konkret. Die Urheberschaft und das Motiv sind dagegen vollständig offen.

Unklar ist auch, wie die Drohne in den Sicherheitsbereich gelangte. Die sächsische Polizei geht nach bisherigen Angaben nicht davon aus, dass eine Person unbemerkt das Rollfeld betreten und das Fluggerät dort abgelegt hat. Dies spricht dafür, dass die Drohne eingeflogen wurde. Von welchem Ort sie startete, welche Strecke sie zurücklegte und ob sie ferngesteuert oder mit einer programmierten Flugroute eingesetzt wurde, gehört nun zu den wichtigsten Untersuchungsfragen.

Das Landeskriminalamt bittet deshalb Zeugen um Hinweise. Gesucht werden Beobachtungen zu verdächtigen Personen, Fahrzeugen und Fahrzeugbewegungen im Umfeld des Flughafens zwischen Dienstagnachmittag und Mittwochmorgen. Diese zeitlich weit gefasste Suche deutet darauf hin, dass die Ermittler nicht nur nach einem unmittelbar am Flughafen stehenden Drohnenpiloten suchen, sondern auch die Vorbereitung, den Transport und mögliche Unterstützer untersuchen.

DHL Maschine kollidierte beim Durchstarten mit unbekanntem Objekt

Während des Einsatzes wurde der Flugbetrieb vorübergehend vollständig eingestellt. Eine DHL Frachtmaschine, die Leipzig/Halle nicht wie vorgesehen anfliegen konnte, musste ihren Landeanflug abbrechen und durchstarten. Dabei kollidierte das Flugzeug in einigen Hundert Metern Höhe mit einem unbekannten Objekt. Die Maschine konnte sicher nach Hannover weiterfliegen. Dort wurden leichte Beschädigungen an ihrer Vorderseite festgestellt.

Das Landeskriminalamt spricht in diesem Zusammenhang von einem mutmaßlich zweiten unbekannten Flugobjekt. Damit wird inzwischen auch von offizieller Seite die Möglichkeit geprüft, dass sich neben der gefundenen Sprengstoffdrohne ein weiteres Objekt in der Luft befand. Gesichert ist jedoch lediglich die Kollision. Es ist weiterhin nicht nachgewiesen, dass die DHL Maschine eine zweite Drohne traf oder dass beide Geschehnisse Teil derselben Aktion waren.

Diese Unsicherheit darf nicht mit einer verharmlosenden Darstellung verwechselt werden. Ein mit PETN und Semtex präpariertes Fluggerät im Sicherheitsbereich eines Flughafens ist bereits für sich genommen ein außergewöhnlicher Vorgang. Die gleichzeitige Kollision einer Frachtmaschine mit einem unbekannten Objekt verstärkt den Verdacht, dass es sich nicht um die Panne eines Freizeitpiloten handelte. Für eine abschließende Behauptung über zwei eingesetzte Drohnen oder einen koordinierten Anschlag reichen die bisherigen Erkenntnisse dennoch nicht aus.

In der Nacht mussten nach Angaben des MDR ein Passagierflug und 19 Frachtmaschinen umgeleitet werden. Der Verkehr über die nördliche Startbahn wurde nach etwa zwei Stunden wieder aufgenommen. Die südliche Bahn blieb zunächst geschlossen, sollte am Mittwoch allerdings ohnehin wegen geplanter Wartungsarbeiten nicht genutzt werden. Eine unmittelbare Gefahr für Passagiere und Flughafenmitarbeiter bestand nach Angaben der Ermittler nach der Sicherung des Sprengsatzes nicht.

Der Flughafen Leipzig/Halle war bereits im Juli 2024 Schauplatz eines mutmaßlich russisch gelenkten Sabotageversuchs. Damals entzündete sich in einem DHL Logistikzentrum ein Paket mit einer Brandvorrichtung. Der Sprengsatz sollte nach späteren Ermittlungen per Luftfracht weitertransportiert werden und geriet nur deshalb am Boden in Brand, weil sich der Flug verspätete. Sicherheitsbehörden führen den damaligen Vorgang auf eine Operation mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst zurück.

Das Bundesinnenministerium betont jedoch, dass bislang keine Verbindung zwischen den damaligen Paketbränden und der jetzt gefundenen Drohne festgestellt wurde. Eine solche Verbindung darf daher nicht behauptet werden. Sie gehört zur Vorgeschichte des Flughafens und erklärt die hohe Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden, ist aber noch kein Beleg für denselben Täterkreis.

Deutschland ist in Leipzig offenbar nur durch einen beschädigten oder abgerissenen Zünder vor einer möglichen Explosion bewahrt worden. Welches Ausmaß sie gehabt hätte, welches Flugzeug getroffen werden sollte und ob der Sprengsatz bereits am Fundort oder erst zu einem späteren Zeitpunkt detonieren sollte, ist noch unbekannt. Die neuen Untersuchungsergebnisse lassen aber keinen Raum mehr für eine beruhigende Erklärung als gewöhnlicher Drohnenverstoß.

Eine mit militärisch nutzbaren Sprengstoffen beladene Drohne gelangte in den Sicherheitsbereich eines der wichtigsten europäischen Frachtflughäfen und bis in die Nähe ukrainischer Transportmaschinen. Das ist kein technisches Ärgernis und keine bloße Störung des Flugverkehrs. Es ist ein möglicher Anschlagsversuch auf kritische Infrastruktur, dessen Ziel und Urheber nun mit höchster Dringlichkeit ermittelt werden müssen.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 05 August 2026

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