„Yalla Intifada“ in Berliner U-Bahn: Preisler, Ben Salomo und Güvercin bedrängt„Yalla Intifada“ in Berliner U-Bahn: Preisler, Ben Salomo und Güvercin bedrängt
Sie wollten über Antisemitismus, Islamismus und Sicherheit sprechen. Stattdessen wurden Ben Salomo, Eren Güvercin und Karoline Preisler in der Berliner U-Bahn mit Intifada-Rufen konfrontiert.

Bildnachweis: Pixabay / Symbolbild
Eine gemeinsame Fahrt mit der Berliner U7 sollte ein Zeichen gegen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen und Islamismus setzen. Doch während der israelische Musiker und Antisemitismus-Aktivist Ben Salomo, der muslimische Publizist Eren Güvercin und die FDP-Politikerin Karoline Preisler durch Berlin fuhren, wurden sie nach den von Preisler veröffentlichten Aufnahmen von zwei Personen lautstark mit IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen-Rufen, Pfiffen und politischen Vorwürfen konfrontiert.
Die Fahrt war zuvor öffentlich angekündigt worden. Berlins FDP-Landeschef Christoph Meyer hatte erklärt, nach „Yalla Intifada“, Gewaltparolen und der Relativierung von Islamismus brauche es eine klare Haltung. Ben Salomo, Güvercin und Preisler sollten deshalb gemeinsam mit der U7 von der Yorckstraße in Richtung Rudow fahren und über die Sicherheit von Frauen, Juden und allen Berlinern sprechen.
Was anschließend geschah, hielt Preisler in mehreren Aufnahmen fest. In einem ersten Video aus der U-Bahn sind zwei Personen zu hören, die immer wieder „Intifada“ rufen. Deutlich verständlich ist unter anderem „Yalla, Intifada“. Auch eine Parole in der Form „Von Berlin bis GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, Intifada“ ist zu hören. Gleichzeitig wird immer wieder gepfiffen. Preisler wird direkt angesprochen und unter anderem damit konfrontiert, sie unterstütze einen „Genozid“. Sie hält den beiden während der Auseinandersetzung ein Schild mit der Aufschrift „Intifada is a call for Violence“ entgegen.
Ein zweites Video vom U-Bahnhof dokumentiert die Auseinandersetzung noch deutlicher. Auch dort werden die Intifada-Rufe fortgesetzt. Zusätzlich ist klar „Freiheit für Palästina“ zu verstehen. Damit beschränkt sich der Vorfall nicht auf eine einzelne, möglicherweise missverstandene Äußerung in einer lauten U-Bahn. Die Rufe werden mehrfach und auch nach Verlassen des Zuges wiederholt.
Preisler schrieb anschließend auf X: „Ein Jude, Ben Salomo, ein Muslim, Eren Güvercin, und ich fuhren U-Bahn in Berlin. Wir wollten über Sicherheit sprechen.“ Zwei Personen hätten zur Intifada aufgerufen. Wenig später kommentierte sie den Vorgang mit bitterem Sarkasmus: Offenbar sei „Palästina befreit“ worden, indem in Berlin eine Gruppe von Juden, Christen, Muslimen und Religionsfreien aus Deutschland, der Türkei und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen belästigt worden sei.
Gerade die Zusammensetzung der Gruppe macht den Vorfall bemerkenswert. Ben Salomo ist Jude und Israeli und warnt seit Jahren vor Antisemitismus. Eren Güvercin ist Muslim und einer der bekannten Kritiker des politischen Islam in Deutschland. Preisler sucht seit Jahren bewusst die Konfrontation mit antisemitischen und israelfeindlichen Parolen und tritt bei entsprechenden Demonstrationen mit Gegenrede und eigenen Plakaten auf.
Ausgerechnet diese drei Menschen wollten gemeinsam zeigen, dass der Kampf gegen Antisemitismus und Islamismus keine Frage von Religion oder Herkunft sein muss. Die Antwort zweier Personen in der Berliner U-Bahn bestand ausgerechnet in wiederholten Intifada-Rufen.
Der Begriff ist dabei historisch keineswegs unbelastet. Besonders die Zweite IntifadaZweite Intifada: Terrorwelle gegen Israel 2000 bis 2005Die Zweite Intifada, auch Al-Aqsa-Intifada genannt, war eine Gewalt- und Terrorwelle von 2000 bis etwa 2005. Palästinensische Gruppen verübten Selbstmordanschläge, Schusswaffenangriffe und Bombenanschläge gegen israelische Zivilisten.Mehr lesen von 2000 bis 2005 war von einer Welle palästinensischer Terroranschläge geprägt. Selbstmordattentäter sprengten sich in Bussen, Restaurants und anderen öffentlichen Orten in die Luft; mehr als tausend Israelis wurden während dieser Jahre getötet. Dass „Yalla, Yalla, Intifada“ heute als bloßer Ruf nach politischer Veränderung dargestellt wird, blendet diesen Zusammenhang aus.
Auch deutsche Gerichte haben sich mit der Parole bereits beschäftigt. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf stellte 2025 in einem Verfahren zu einer propalästinensischen Versammlung fest, dass „Yalla, Yalla, Intifada“ aufgrund des historischen Zusammenhangs als Glorifizierung gewalttätiger und terroristischer Anschläge verstanden werden könne. Ob der Ruf in einem konkreten Fall strafbar ist, hängt dennoch vom jeweiligen Zusammenhang ab.
In Berlin ist die Parole ohnehin nicht neu. Erst am vergangenen Wochenende sorgte ein Auftritt des Rappers Dahabflex bei einer Veranstaltung der Linken in Neukölln für heftige Kritik. Dort waren „Yalla Yalla Intifada – Westbank, Palästina, Gaza“ und „Death to the IDF“ zu hören. Selbst die Berliner Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, distanzierte sich anschließend von den Gewaltparolen.
Nun wurde „Intifada“ nicht auf einer politischen Bühne oder innerhalb einer Demonstration gerufen, sondern gegenüber einer kleinen Gruppe in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Zumindest einer der unmittelbar Angesprochenen ist israelischer Jude. Die ebenfalls gerufene Forderung „Freiheit für Palästina“ ist für sich genommen selbstverständlich eine politische Aussage. In Verbindung mit den wiederholten Intifada-Rufen und den direkten Vorwürfen gegen die Gruppe erhält die Situation jedoch einen deutlich konfrontativen Charakter.
Preisler bezeichnete die beiden Personen anschließend als „Terrorunterstützer“. Das ist ihre Bewertung des Geschehens. Über Identität, Herkunft oder eine mögliche Zugehörigkeit der beiden zu einer Organisation liegen bislang keine belastbaren Informationen vor. Ebenso war bis zur Veröffentlichung keine öffentliche Mitteilung der Berliner Polizei speziell zu diesem Vorfall bekannt.
Die Aufnahmen selbst zeigen jedoch, wie schnell eine geplante Fahrt gegen Antisemitismus zu einer unmittelbaren Begegnung mit genau jenen Parolen werden kann, vor denen die Beteiligten warnen wollten.
Ben Salomo, Eren Güvercin und Karoline Preisler wollten in Berlin über Sicherheit sprechen.
Die Antwort kam noch während der Fahrt: „Yalla Intifada.“
Autor: Redaktion
Dienstag, 01 September 2026