Israels LORA für Deutschland: Neue Reichweite gegen Russlands Bedrohung

Israels LORA für Deutschland: Neue Reichweite gegen Russlands Bedrohung


Die Deutsche Marine hat erstmals das israelische Raketensystem LORA im Nordatlantik erprobt. Nach dem erfolgreichen Test soll nun die Beschaffung vorangetrieben werden zur Abschreckung Russlands.

Israels LORA für Deutschland: Neue Reichweite gegen Russlands Bedrohung
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die Deutsche Marine hat einen bemerkenswerten Schritt bei der eigenen Aufrüstung vollzogen: Im Nordatlantik wurde das in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen entwickelte ballistische Präzisionsraketensystem LORA erfolgreich von einem deutschen Kriegsschiff aus getestet. Die bis zuletzt weitgehend geheim gehaltene Erprobung verlief nach Angaben der Marine erfolgreich. Nun sollen die Planungen für eine Beschaffung des israelischen Systems vorangetrieben werden. Für Deutschland wäre dies ein erheblicher Sprung bei weitreichenden Präzisionswaffen – und für die israelische Rüstungsindustrie nach dem Milliardenauftrag für Arrow 3 ein weiterer großer Erfolg auf dem deutschen Markt.

Marineinspekteur Vizeadmiral Jan Christian Kaack ließ keinen Zweifel daran, welche Bedeutung die Marine dem Test beimisst. Mit dem erfolgreichen Abschuss einer ballistischen Rakete im Nordatlantik habe man „Marinegeschichte geschrieben“. Das System könne von deutschen Einheiten eingesetzt werden, und seine mögliche Reichweite übersteige alles, was die Marine bislang gekannt habe. Für die Verteidigung Deutschlands und seiner Verbündeten eröffne der Test ein neues Kapitel bei Abschreckung und Verteidigungsbereitschaft auf See.

Für die Erprobung waren zwei deutsche Fregatten in das Seegebiet zwischen Irland und Island verlegt worden. Nach Informationen des Fachportals Hartpunkt erfolgten die Abschüsse von der Fregatte „Sachsen-Anhalt“ der Klasse F125. Das israelische System wurde dafür nicht fest in das Schiff eingebaut, sondern mit einem Startsystem an Bord gebracht. Gerade diese vergleichsweise flexible Einsatzmöglichkeit gehört zu den Stärken von LORA. Die Raketen befinden sich in geschlossenen Startbehältern und können von mobilen Landplattformen ebenso wie von Schiffen eingesetzt werden.

Die Vorbereitungen wurden weitgehend geheim gehalten. Vollständig verbergen ließ sich ein solcher Test auf hoher See allerdings nicht: Für den betroffenen Bereich des Nordatlantiks mussten Schiffs- und Luftverkehr bereits rund 45 Tage zuvor gewarnt werden. Erst nach Abschluss der Erprobung machte die Marine öffentlich, welches Waffensystem tatsächlich getestet worden war.

Israel schließt eine deutsche Fähigkeitslücke

LORA steht für „Long Range Attack“ und wurde von Israel Aerospace Industries entwickelt. Der Hersteller beschreibt das System als weitreichende Präzisionswaffe, die strategisch wichtige Ziele tief im gegnerischen Gebiet von mobilen oder maritimen Plattformen aus bekämpfen kann. IAI gibt eine Treffergenauigkeit von etwa zehn Metern an. Ein bereits lokalisiertes Ziel innerhalb der Reichweite könne nach der Entscheidung zum Angriff innerhalb weniger Minuten bekämpft werden.

Deutsche Berichte sprechen nach der jüngsten Erprobung von einer möglichen Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Damit würde die Marine erstmals über eine eigene Fähigkeit verfügen, weit entfernte Landziele von See aus mit einer ballistischen Präzisionswaffe anzugreifen. Nach der üblichen militärischen Einteilung gehört LORA trotz seines Namens nicht zu strategischen Langstreckenraketen, sondern in den Bereich ballistischer Kurzstreckenraketen. Die Bundeswehr selbst ordnet ballistische Raketen mit Reichweiten zwischen 100 und 1.000 Kilometern dieser Kategorie zu.

Für die Bundeswehr ist das von erheblicher Bedeutung. Zwar besitzt Deutschland mit Taurus bereits einen weitreichenden Marschflugkörper. Dieser muss jedoch von Kampfflugzeugen wie Tornado oder Eurofighter eingesetzt werden und nähert sich seinem Ziel in niedriger Flughöhe. LORA funktioniert grundsätzlich anders: Die Rakete steigt nach dem Start steil auf und trifft ihr Ziel anschließend mit hoher Geschwindigkeit auf einer ballistischen Flugbahn. Deutschland würde damit nicht lediglich mehr Reichweite erhalten, sondern eine zusätzliche Art weitreichender Präzisionswirkung.

Das Ziel der Aufrüstung wird in Berlin inzwischen offen ausgesprochen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und angesichts wachsender Sorgen vor weiteren russischen Angriffen will Deutschland nicht nur seine Verteidigung stärken, sondern auch glaubwürdige Fähigkeiten zur Abschreckung aufbauen. Ein Gegner soll wissen, dass Angriffe auf Deutschland oder NATO-Verbündete nicht nur abgewehrt werden können, sondern auch militärisch relevante Ziele weit hinter der Front verwundbar sind.

Genau in dieses Konzept passt LORA.

N12 berichtet, dass ein möglicher Auftrag ein Volumen von rund einer Milliarde Euro erreichen könnte. Eine entsprechende Vertragsunterzeichnung oder eine offiziell bestätigte Auftragssumme gibt es bislang jedoch nicht. Bestätigt ist der deutlich wichtigere Zwischenschritt: Die Marine hat das System erfolgreich erprobt und will die Beschaffungsplanung nun vorantreiben. Deutsche Medien berichten übereinstimmend darüber.

Nach Arrow 3 könnte der nächste Großauftrag folgen

Für Israel ist der Vorgang auch wirtschaftlich und strategisch bedeutsam. Deutschland hat sich bereits für das israelisch-amerikanische Raketenabwehrsystem Arrow 3 entschieden. Die Bundeswehr erklärte im Dezember 2025 die erste Einsatzbefähigung des Systems in Deutschland. Arrow soll hochfliegende ballistische Raketen bereits außerhalb der Atmosphäre bekämpfen und eine zentrale Lücke in der deutschen Luftverteidigung schließen.

LORA würde nun gewissermaßen die andere Seite der militärischen Gleichung ergänzen: Arrow dient der Abwehr ballistischer Raketen, LORA dem präzisen Angriff auf weit entfernte gegnerische Ziele. Israel könnte Deutschland damit sowohl bei der Verteidigung gegen Raketen als auch beim Aufbau eigener weitreichender Abschreckungsfähigkeiten Schlüsseltechnologie liefern.

Die historische Dimension ist bemerkenswert, sollte aber präzise beschrieben werden. Auf deutschem Boden wurde während des Zweiten Weltkriegs mit der V2 die erste operationell eingesetzte ballistische Langstreckenrakete entwickelt. Acht Jahrzehnte später sucht die demokratische Bundesrepublik ausgerechnet bei Israel nach moderner Raketentechnologie, um sich gegen eine mögliche Bedrohung aus Russland zu schützen. Aus einer deutschen Waffentechnologie, die einst von einem verbrecherischen Regime entwickelt und gegen europäische Städte eingesetzt wurde, ist eine israelisch-deutsche Verteidigungskooperation geworden.

Entscheidend für die Gegenwart ist jedoch weniger diese Symbolik als die Geschwindigkeit, mit der sich Europas Sicherheitslage verändert. Deutschland will zusätzlich amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper beschaffen, arbeitet mit europäischen Partnern an eigenen weitreichenden Waffen und baut gleichzeitig seine Raketenabwehr aus. LORA könnte eine weitere Säule dieser Strategie werden.

Noch ist kein Kaufvertrag unterschrieben. Aber die Deutsche Marine hat bereits getan, was einer Beschaffung normalerweise vorausgeht: Sie hat das israelische System unter realistischen Bedingungen auf See erprobt – und ihr Inspekteur spricht anschließend von „Marinegeschichte“.

Für Israel ist das ein starkes Signal. Für Russland soll es eines werden.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 03 September 2026

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