Sieben mutmaßliche Hamas-Waffenbeschaffer angeklagt: Terrornetz reichte durch Europa

Sieben mutmaßliche Hamas-Waffenbeschaffer angeklagt: Terrornetz reichte durch Europa


Waffen, Munition, Transporte über mehrere Staaten und mögliche Anschläge auf jüdische oder israelische Einrichtungen: Die Bundesanwaltschaft hat sieben mutmaßliche Mitglieder der Hamas angeklagt. Besonders brisant ist die Rolle eines Mannes, der zugleich als Vertrauensperson des Verfassungsschutzes geführt wurde.

Sieben mutmaßliche Hamas-Waffenbeschaffer angeklagt: Terrornetz reichte durch Europa
Bildnachweis: Pixabay

Die Ermittlungen gegen ein mutmaßliches HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Netzwerk in Europa erreichen die nächste Stufe. Die Bundesanwaltschaft hat gegen sieben Männer Anklage erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, an der Beschaffung und Verteilung von Waffen beteiligt gewesen zu sein, die nach Einschätzung der Ermittler für Mordanschläge der Hamas auf israelische oder jüdische Einrichtungen in Deutschland oder Österreich bestimmt waren.

Wie die Jüdische Allgemeine am Freitag berichtet, bestätigte die Bundesanwaltschaft die Anklage. Die Hamas ist in Deutschland, der Europäischen Union, den USA und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als Terrororganisation eingestuft.

Der Fall ist längst größer als eine einzelne Waffenübergabe. Die Ermittlungen führen nach Berlin, Hessen, Wien, Dänemark, Zypern, London und in den Libanon. In mehreren Zugriffen seit Herbst 2025 zeichneten deutsche und ausländische Sicherheitsbehörden nach und nach das Bild eines mutmaßlichen Beschaffungsnetzes, in dem Pistolen, ein vollautomatisches Gewehr und hunderte Schuss Munition zwischen verschiedenen Beteiligten weitergegeben worden sein sollen.

Der Generalbundesanwalt formulierte den Zweck bereits bei früheren Festnahmen ungewöhnlich deutlich. Die Waffenbeschaffung habe der Vorbereitung von Mordanschlägen der Hamas auf israelische oder jüdische Einrichtungen in Deutschland und Europa gedient.

Damit geht es nicht um abstrakte Sympathien für die Terrororganisation, PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen oder Spendensammlungen.

Es geht um scharfe Waffen.

Fünf Pistolen, Kalaschnikow und hunderte Patronen

Ein zentraler Teil des mutmaßlichen Netzwerks wurde am 1. Oktober 2025 sichtbar. Damals nahm die Bundesanwaltschaft in Berlin drei Männer fest. Nach Angaben der Behörde handelte es sich um Abed Al G., Wael F. M. und Ahmad I. Sie standen unter dem Verdacht, Mitglieder der Hamas zu sein.

Die Ermittlungen weiteten sich danach immer weiter aus.

Im November 2025 wurde Mahmoud Z. bei seiner Einreise aus Dänemark im Zug nach Flensburg festgenommen. Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft hatte er zuvor in Hessen ein vollautomatisches Gewehr, acht Pistolen und mehr als 600 Schuss Munition übernommen und anschließend nach Berlin transportiert. Dort seien Waffen und Munition später bei einem anderen Beschuldigten sichergestellt worden.

Im Mai 2026 wurde in Dänemark Yousif C. festgenommen. Ihm wirft die Bundesanwaltschaft vor, bereits im Juli 2025 fünf Pistolen und Munition übergeben zu haben. Diese Waffen seien anschließend an einen weiteren Beschuldigten weitergereicht worden, der sie nach Wien transportieren sollte.

Österreichische Ermittler fanden dort später in einem angemieteten Lagerraum fünf Pistolen und Magazine.

Auch Zypern wurde Teil des Falls. Im März nahmen dort Grenzbeamte den im Libanon geborenen Kamel M. fest. Ihm wird vorgeworfen, an der Beschaffung von 300 Schuss Munition beteiligt gewesen zu sein.

Aus einzelnen Festnahmen entstand so ein Netzwerk, das sich über mehrere Staaten erstreckte.

Die Hamas war damit nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen nicht nur ideologisch oder finanziell in Europa präsent. Ihre mutmaßlichen Unterstützer sollen Waffen beschafft, transportiert, zwischengelagert und für spätere Anschläge verfügbar gehalten haben.

Das bedeutet: Nach Einschätzung der Ermittler ging es nicht mehr nur darum, Waffen für eine unbestimmte Zukunft bereitzuhalten.

Es gab offenbar bereits Vorstellungen darüber, was nach einem möglichen Anschlag veröffentlicht werden sollte.

Der Verfassungsschutz hatte einen Mann mitten im Netzwerk

Der politisch brisanteste Teil des Verfahrens betrifft Mohammad S.

Der im Libanon geborene Mann wurde im Januar 2026 am Flughafen Berlin Brandenburg festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, 300 Schuss Munition beschafft zu haben. Diese Munition sei für Mordanschläge der Hamas bestimmt gewesen.

Was damals zunächst nicht öffentlich bekannt war: Mohammad S. war zugleich Vertrauensperson des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Die Zeit berichtete im April ausführlich über den Vorgang. Das Bundesamt bestätigte gegenüber der Bundesanwaltschaft demnach, dass S. tatsächlich als Quelle geführt worden war. Er soll enge Kontakte in islamistische Milieus gehabt haben und für den Nachrichtendienst Informationen geliefert haben.

Nach den Ermittlungen soll er gleichzeitig einem mutmaßlichen Hamas-Beschaffer Munition besorgt haben.

Der Vorgang begann beinahe grotesk.

Ein anderer Beschuldigter soll zunächst 80 Schuss Munition erhalten haben. Nachdem ein Kurier von der Polizei kontrolliert worden war, geriet der Mann laut rekonstruierten Telefongesprächen in Panik und warf die Patronen in die Spree. Polizeitaucher fanden sie später.

Danach wurde Ersatz gesucht.

Mohammad S. soll schließlich 300 Patronen besorgt haben. Nach den Recherchen der Zeit betrug der Preis 1.050 Euro. Die Übergabe soll in Berlin stattgefunden haben.

Der Verfassungsschutz erklärte, seine Quelle sei zu keinem Zeitpunkt im Zusammenhang mit dem geplanten Anschlag gesteuert worden.

Das beantwortet jedoch nicht die entscheidende Frage, wie ein Informant einer deutschen Sicherheitsbehörde gleichzeitig in eine Waffenbeschaffung für mutmaßliche Hamas-Terroristen geraten konnte.

Gerade dieser Punkt dürfte im kommenden Verfahren eine wichtige Rolle spielen.

Denn Vertrauenspersonen dürfen nicht als Freibrief für schwere Straftaten verstanden werden. Ein Informant ist kein verdeckter Ermittler mit unbegrenzten Befugnissen. Wenn die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft zutreffen, beschaffte ein Mann Munition für ein Terrornetzwerk, während er gleichzeitig für den deutschen Inlandsnachrichtendienst arbeitete.

Das ist sicherheitspolitisch explosiv.

Deutschland hatte die Gefahr bereits vor diesem Fall erkannt

Der neue Prozess beginnt zudem nicht im luftleeren Raum.

Im März 2026 verurteilte das Kammergericht Berlin vier andere Männer wegen Mitgliedschaft in der Hamas zu Haftstrafen zwischen viereinhalb und sechs Jahren. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie als Auslandsoperateure der Terrororganisation für Waffendepots in mehreren europäischen Ländern zuständig waren.

Das Urteil war historisch. Erstmals stellte ein deutsches Oberlandesgericht ausdrücklich fest, dass die Hamas nach deutschem Strafrecht eine terroristische Vereinigung ist.

Die Vorsitzende Richterin bezeichnete sie als hochgefährliche terroristische Organisation, deren Ziel die Vernichtung Israels sei.

Das damalige Verfahren betraf unter anderem Depots in Bulgarien, Polen und Dänemark.

Der jetzige Fall zeigt, dass die Frage nach Hamas-Strukturen in Europa damit keineswegs erledigt war.

haOlam berichtete bereits im vergangenen Herbst über die ersten Festnahmen und die sichergestellten Waffen. Später folgten weitere Zugriffe am BER, in Flensburg, auf Zypern und in Dänemark.

Was damals wie mehrere Einzelverfahren wirkte, ergibt inzwischen ein deutlich dichteres Bild.

Waffen wurden in verschiedenen Ländern beschafft.

Beschuldigte bewegten sich grenzüberschreitend.

Munition wurde ersetzt, nachdem eine erste Lieferung verloren gegangen war.

Pistolen sollten nach Wien gelangen.

Ein vollautomatisches Gewehr und hunderte Patronen wurden nach Berlin gebracht.

Und nach Darstellung der Bundesanwaltschaft dienten diese Schritte der Vorbereitung von Mordanschlägen auf jüdische oder israelische Einrichtungen.

Für jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen in Deutschland ist das keine abstrakte Sicherheitsdebatte.

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Noch sind die sieben Männer nicht verurteilt.

Über Schuld entscheidet das Gericht.

Doch schon die Anklage zeigt, wie ernst die Bundesanwaltschaft den Fall bewertet.

Die Hamas war nach den bisherigen Ermittlungen nicht weit weg.

Ihre mutmaßlichen Waffenbeschaffer waren mitten in Europa.

Und einer von ihnen arbeitete gleichzeitig als Quelle für den deutschen Verfassungsschutz.




Autor: Redaktion
Freitag, 11 September 2026

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