Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge: Verdächtiger kurz nach der Tat festgenommen

Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge: Verdächtiger kurz nach der Tat festgenommen


Am helllichten Tag wird Feuer am Hintereingang der Bergischen Synagoge gelegt. Mitarbeiter löschen die Flammen, niemand wird verletzt. Wenige Minuten später nimmt die Polizei einen Tatverdächtigen fest.

Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge: Verdächtiger kurz nach der Tat festgenommen
Bildnachweis: Pixabay / Symbolbild

Am Donnerstagnachmittag ist auf die Bergische Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal ein Brandanschlag verübt worden. Nach bisherigen Angaben näherte sich ein Mann gegen 13.58 Uhr dem Hintereingang des Gebäudes, schüttete dort eine brennbare Flüssigkeit aus und entzündete sie. Mitarbeiter der Synagoge reagierten schnell und konnten das Feuer innerhalb weniger Minuten löschen. Verletzt wurde niemand. Tür und Treppenbereich wurden verrußt, der Sachschaden blieb nach ersten Angaben gering.

Die Polizei nahm bereits wenige Minuten später einen Tatverdächtigen fest. Zu seiner Identität, Herkunft und einem möglichen Motiv lagen am frühen Donnerstagabend noch keine belastbaren öffentlichen Angaben vor. Genau deshalb verbietet sich derzeit jede Spekulation darüber, was den Mann zu der Tat veranlasst haben könnte. Die Kriminalpolizei ermittelt, der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

BILD berichtet unter Berufung auf eigene Informationen außerdem, der Festgenommene habe einen weiteren Beutel mit Flüssigkeit bei sich gehabt. Dabei könnte es sich dem Bericht zufolge um Urin gehandelt haben. Eine amtliche Bestätigung dieser Einzelheit lag zunächst nicht vor.

Der Angriff trifft eine jüdische Gemeinde, deren Gotteshaus ohnehin dauerhaft geschützt werden muss. Bereits seit 2025 befindet sich gegenüber der Synagoge ein fester Polizeiposten. Nach Angaben von Radio Wuppertal waren zuvor regelmäßig Polizeifahrzeuge zur Bewachung eingesetzt worden. Die verstärkten Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen gehen auf eine Serie von Angriffen und Bedrohungen zurück.

Kurz vor Jom Kippur

Besonders bedrückend ist der Zeitpunkt. Nur wenige Tage nach Rosch Haschana und kurz vor Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, wurde erneut versucht, an einer deutschen Synagoge Feuer zu legen.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, reagierte scharf. Ihn verstöre besonders die Ruhe, mit der der Täter den Anschlag am helllichten Tag ausgeführt habe. Schuster sieht darin ein Zeichen dafür, wie sehr sich JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen in Teilen der Gesellschaft normalisiert habe. Mit Blick auf die bevorstehenden Gottesdienste forderte er die Sicherheitsbehörden auf, den Schutz der Synagogen sicherzustellen.

Die Sorge kommt nicht aus dem Nichts. Jüdische Feiertage waren in den vergangenen Jahren wiederholt bewusst gewählte Zeitpunkte für antisemitische Gewalt. Der rechtsextreme Terrorist von Halle versuchte am Jom Kippur 2019, in die voll besetzte Synagoge einzudringen und die dort betenden Juden zu ermorden. Auch Schuster verwies nun auf dieses Muster.

In Wuppertal ist die Geschichte besonders bitter, denn die Bergische Synagoge wurde schon einmal Ziel eines Brandanschlags.

Am 29. Juli 2014 warfen drei junge Männer palästinensischer Herkunft fünf selbst gebaute Molotowcocktails in Richtung des Eingangs. Die Brandsätze setzten das Gotteshaus nicht vollständig in Brand, verursachten aber Schäden. Die Täter wurden wegen versuchter schwerer Brandstiftung verurteilt. Das Landgericht Wuppertal bestätigte später Freiheitsstrafen auf Bewährung; die Verurteilungen wurden rechtskräftig.

Die juristische Aufarbeitung löste damals erheblichen Streit aus. Das Amtsgericht sah zwar als möglich an, dass Antisemitismus ein Motiv gewesen sein könnte, hielt diesen Beweggrund aber nicht für hinreichend sicher nachgewiesen. Die Angeklagten hatten erklärt, sie hätten mit der Tat auf den damaligen GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Krieg aufmerksam machen wollen. Das Gericht stellte ausdrücklich fest, dass die jüdische Bevölkerung in Deutschland nichts mit der Politik der israelischen Regierung zu tun habe, konnte nach seiner Beweiswürdigung aber ein ausschließlich politisches Motiv nicht sicher ausschließen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, Leonid Goldberg, widersprach dieser Einordnung damals vehement. Für ihn war die Wahl einer Synagoge als Ziel untrennbar mit Judenhass verbunden. Die damalige Debatte wirkt zwölf Jahre später erschreckend aktuell: Wieder brennt es an genau diesem jüdischen Gotteshaus.

Erst ermitteln, dann einordnen

Beim neuen Angriff muss dennoch sauber zwischen dem Geschehen und dem noch unbekannten Motiv unterschieden werden.

Fest steht nach den bisher veröffentlichten Angaben: Ein Mann soll brennbare Flüssigkeit am Hintereingang einer Synagoge ausgeschüttet und angezündet haben. Er wurde kurz danach als Tatverdächtiger festgenommen. Niemand wurde verletzt, weil Mitarbeiter das Feuer schnell löschen konnten. Staatsschutz und Kriminalpolizei befassen sich mit dem Fall.

Nicht fest steht bislang, warum der Mann die Synagoge angegriffen haben soll. Solange Ermittler keine gesicherten Erkenntnisse zum Motiv veröffentlichen, darf ihm weder eine politische noch eine religiöse oder antisemitische Motivation als erwiesene Tatsache zugeschrieben werden.

Der Tatort selbst macht den Vorgang dennoch zu mehr als einer gewöhnlichen Brandstiftung. Eine Synagoge ist ein erkennbar jüdischer Ort, und Angriffe auf jüdische Einrichtungen treffen eine Gemeinschaft, die in Deutschland ihren Alltag seit Jahren unter Polizeischutz organisieren muss. Die Jüdische Kultusgemeinde Wuppertal zählt mehr als 2.000 Mitglieder und unterhält neben der Synagoge unter anderem eine Religionsschule, eine Mikwe, ein Jugendzentrum und weitere Gemeindeeinrichtungen.

Erst wenige Tage vor dem Anschlag hatte in Wuppertal die Kampagne „Shalom Wuppertal“ begonnen. Sie soll jüdische Feiertage und jüdisches Leben bewusst im öffentlichen Raum sichtbar machen. Getragen wird sie unter anderem von der Jüdischen Kultusgemeinde, der Stadt und einem lokalen Bündnis gegen Antisemitismus.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Während eine Stadt versucht, jüdisches Leben sichtbar zu machen, legt jemand Feuer an ihrer Synagoge.

Dass der Schaden diesmal gering blieb und niemand verletzt wurde, ist dem schnellen Eingreifen der Mitarbeiter zu verdanken. Die entscheidenden Fragen beginnen deshalb erst jetzt: Wer ist der Festgenommene, was war sein Motiv und weshalb wurde ausgerechnet die Bergische Synagoge zum Ziel?

Diese Antworten müssen die Ermittlungen liefern.

Bis dahin bleibt eine Tatsache bestehen, für die keine Spekulation nötig ist: In Deutschland musste eine jüdische Gemeinde erneut erleben, dass jemand Feuer an ihrem Gotteshaus legte.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 17 September 2026

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