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Die Rückkehr der Freiheit: Holland maskenfrei

Die Rückkehr der Freiheit: Holland maskenfrei


Seit 10 Jahren verbringe ich meine Sommer statt im heißen Paris auf meinem alten Boot in den Niederlanden.

Die Rückkehr der Freiheit: Holland maskenfrei

Von Manfred Haferburg

Holland war für mich auch eine Hallig im sturmtosenden Meer des weltweiten Corona-Irrsinns. Nicht, dass die Niederländer frei von der Panik geblieben wären. Aber hier werden eben die Bitterballen nicht so heiß gegessen, wie sie frittiert werden. Ich bin nicht gerade der Bitterballentyp, mag eher die Kibbelinge. „Lekker“, sagen die Holländer, wenn sie gerade „smakelig eten“. Smakelig eten und feiern ist etwas sehr Holländisches, es ist echt Oranje. Dann hüpfen sie gerne unter Hochwerfen der Ellenbogen umher und singen etwas für mich Moffen Unverständliches. 

Auf meinem alten Boot bin ich Selbstversorger. Ich habe kochen gelernt und die Freude daran entdeckt. Doch die auch in Holland grassierende Corona-Panik hat mir das Einkaufen vergällt. „1 ½ m Afstand“ und das „Mondkappje“ – die Maske wurden zum Quell meines ständigen Unbills, und Einkaufen ging ich nur noch, wenn der Kühlschrank leer war. Ansonsten merkte ich auf meinem Liegeplatz am Rande eines Naturschutzgebietes in Sneek kaum was von Corona. Zumal mein Liegeplatzvermieter, der ein kleines  „Hotel an het Water“ in der Nähe betreibt, stets sehr Corona-relaxt und freundlich war. In Holland gibt es eben keine Masken-Blockwarte.

Auf dem Boot lebe ich ein wenig außerhalb dieser Welt. Das will sagen, ich bekomme nicht alles mit, was außerhalb meiner Wasserwelt passiert. Hier wissen eher die Enten, Taucher und Reiher Bescheid. Doch heute war der Kühlschrank leer, und ich musste mich auf mein Fahrrad schwingen, um Nachschub zu beschaffen. Mit dem Rucksack rückte ich beim lokalen Discounter ein, die obligatorische Maske missmutig unter dem Zinken, eher der Unterwerfung halber aufgesetzt. Vielen macht das Maskentragen nichts aus, aber mir fehlt das freundliche Lächeln der schönen Holländerinnen, das sie sogar einem alten Zausel wie mir manchmal schenken. 

Doch irgendwas war anders heute. In den letzten Wochen sah ich wohl manchmal Leute ohne Maske im Supermarkt, doch eher als die tolerierten Ausnahmen. Heute war ich mit meiner Maske die Ausnahme. Ein Mann grinst mich an und sagt etwas von „sonder mondkapje“. Schnell nahm ich die wochenalte Gesichtswindel ab – ahh, was für ein Gefühl. Neben mir kauft eine Familie ein, der Mann trägt noch sein „Mondkapje“, die Frau nicht. Auch nicht die Kassiererin, die mir freundlich erklärt, dass ab heute die Maßnahmen – bis auf den 1 ½ Meter-Abstand – aufgehoben sind. 

Auf in die Fußgängerzone, wo heute Markt ist. „Keiken“, wie der freundliche Holländer sagt.

Das Leben ist mit Lichtgeschwindigkeit nach Sneek zurückgekehrt. Die Gaststätten haben ihre Innen- und Außenbereiche wieder geöffnet und sind gerammelt voll. Die Kunden haben die Läden gestürmt und kaufen ohne Maske ein, als wäre es zum letzten Mal. An der Ecke spielt ein Orchestrion und einige holländische Mädchen tanzten fröhlich zur Musik. Wenn ich mit Ihnen tanzen würde, wäre das lächerlich – die Mädels sind meist übermannshoch groß. Auf den hunderten Booten in der Gracht tönten freudige Gesänge der Holländer. 

Mir wurde langsam klar – die Holländer feiern die Freiheit. Mit einem breiten Grinsen suchte ich mir einen Stuhl an der nächsten Gracht und bestellte ein Bierchen zum Mitfeiern. 

Die landesweite Inzidenz in Holland liegt aktuell bei ca. 30 Infizierten je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen (Stand: 25. Juni, Quelle: Johns Hopkins University). In Deutschland ist die Inzidenz seit Tagen einstellig. Doch die Corona-Kanzlerin warnt vor der Delta- bis Omega-Variante und möchte den Deutschen die Maskenpflicht bis zum Sankt Nimmerleinstag verordnen. Ihr oberster Panikpriester, der Tierarzt Wieler, bringt die Kindermaskenpflicht bis 2022 ins Spiel. Wenn die Irren sich da mal nicht irren. 

Wenn sich das ganze deutsche Corona-Panikorchester da mal nicht irrt. Die gemeinen Deutschen werden nämlich mit den Füßen abstimmen. Dafür sind sie berühmt. Holland ist ja nicht allzu fern. Und niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Dann feiern am Ende die Moffen in Holland die Freiheit mit den Holländern zusammen. Was könnte schöner sein?

 

Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten


Autor: AchGut
Bild Quelle: GillyBerlin, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons


Sonntag, 27 Juni 2021

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