Pflichtunterricht über den Holocaust – ein notwendiger Weckruf für Großbritannien

Pflichtunterricht über den Holocaust – ein notwendiger Weckruf für Großbritannien


Nach dem 7. Oktober schwappt eine antisemitische Welle durch britische Schulen. Die Bildungsministerin schlägt Alarm – und fordert, was längst selbstverständlich sein sollte.

Pflichtunterricht über den Holocaust – ein notwendiger Weckruf für Großbritannien

Großbritanniens Bildungsministerin Bridget Phillipson bringt auf den Punkt, was viele lange ignoriert haben: Der dramatische Anstieg antisemitischer Vorfälle an britischen Schulen ist kein Randphänomen mehr – es ist ein „nationaler Notstand“. In einem Interview mit der Times kündigte sie an, den HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Unterricht an allen Schulen Englands verpflichtend zu machen. Eine längst überfällige Maßnahme, denn die erschreckenden Zahlen der Community Security Trust (CST) sprechen für sich: Seit dem Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen an israelischen Zivilisten am 7. Oktober hat sich die Zahl antisemitischer Vorfälle an Schulen verfünffacht. Allein 2023 wurden 335 Fälle gemeldet – mehr als dreimal so viele wie noch 2022.

Phillipson ist nicht die Erste, die vor dieser Entwicklung warnt. Doch sie spricht endlich Klartext: „Die Lektionen der Geschichte werden von einer wachsenden Zahl junger Menschen vergessen.“ Es reicht eben nicht, einmal im Geschichtsunterricht Auschwitz zu erwähnen, wenn gleichzeitig TikTok-Videos mit antisemitischer PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen millionenfach geklickt werden und auf Schulhöfen „From the river to the seaFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen“ skandiert wird – ein Aufruf zur Auslöschung Israels.

Zwar ist der Holocaust bereits seit 1991 offizieller Bestandteil des britischen Lehrplans für 11- bis 14-Jährige. Doch der Haken: Fast 80 Prozent der weiterführenden Schulen in England sind sogenannte „Academies“ – und diese sind nicht verpflichtet, dem nationalen Curriculum zu folgen. Noch gravierender ist die Situation in Wales, Schottland und Nordirland, wo Holocaust-Erziehung überhaupt nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Eine Lücke, die nun durch neue Gesetzesinitiativen geschlossen werden soll. Phillipson fordert, dass künftig jede Schule – unabhängig von ihrer Trägerschaft – zur Vermittlung dieser zentralen historischen Verantwortung verpflichtet wird.

Die Notwendigkeit zeigt sich nicht nur in den Vorfällen, sondern auch in der beunruhigenden Unwissenheit junger Menschen. Eine aktuelle Studie der Claims Conference ergab, dass ein Drittel der Briten im Alter zwischen 18 und 29 Jahren keinen einzigen Namen eines nationalsozialistischen Konzentrations- oder Vernichtungslagers kennt. Es ist ein katastrophaler Befund – nicht nur für das kollektive Gedächtnis Europas, sondern auch für die Zukunft unserer Demokratien. Denn wo das Wissen über die Vergangenheit schwindet, kehren ihre dunkelsten Kapitel oft schneller zurück, als wir glauben.

Dabei geht es nicht nur um historische Fakten, sondern um das Fundament unserer Werte. Wer nicht weiß, wohin Hass und Entmenschlichung führen, wird auch im Heute anfälliger für AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen – sei es in Form von „Israelkritik“, HolocaustrelativierungHolocaust-Relativierung: Die Verharmlosung der ShoahHolocaust-Relativierung bezeichnet die Verharmlosung, Verzerrung oder Entwertung der Shoah. Sie leugnet den Holocaust nicht zwingend offen, stellt ihn aber durch falsche Vergleiche, Verkleinerung, Umdeutung oder Täter-Opfer-Umkehr in ein verzerrtes Licht.Mehr lesen oder offener HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen. Der Kampf gegen Antisemitismus beginnt nicht an den Universitäten oder auf der Straße – er beginnt im Klassenzimmer.

Phillipsons Initiative verdient breite Unterstützung. Sie ist ein klares Signal: Bildung ist die stärkste Waffe gegen das Vergessen, gegen Gleichgültigkeit, gegen Hass. Der Holocaust darf keine Fußnote des Geschichtsunterrichts sein – er ist der Prüfstein unserer Zivilisation. Wer die Namen der Lager nicht kennt, wird auch die Zeichen der Wiederholung nicht erkennen.




Autor: Redaktion
Sonntag, 11 Mai 2025

haOlam via paypal unterstützen


Hinweis: Sie benötigen kein PayPal-Konto. Klicken Sie im nächsten Schritt einfach auf „Mit Debit- oder Kreditkarte zahlen“, um per Lastschrift oder Kreditkarte zu unterstützen.
empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage