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Sabotage-Verdacht in Südfrankreich: Wer wollte Cannes den Stecker ziehen?

Sabotage-Verdacht in Südfrankreich: Wer wollte Cannes den Stecker ziehen?


Ein massiver Stromausfall trifft Hunderttausende im Süden Frankreichs – während in Cannes die glamouröse Abschlussgala des Filmfestivals trotzdem stattfinden soll. Die Ursache ist brisant: Ein mutmaßlich gelegtes Feuer an einem Elektrizitätswerk.

Sabotage-Verdacht in Südfrankreich: Wer wollte Cannes den Stecker ziehen?
Symbolbild Pixabay

Ein Filmfestival lebt vom Glanz, von Licht, von der Inszenierung. Doch an diesem Samstagmorgen wurde es still in Cannes. Nicht wegen fehlender Zuschauer, sondern wegen fehlender Elektrizität. Plötzlich und ohne Vorwarnung brach in der südfranzösischen Stadt die Stromversorgung zusammen. 160.000 Haushalte waren betroffen – nicht nur in Cannes selbst, sondern auch in umliegenden Gemeinden.

Was zunächst wie ein technischer Zwischenfall wirkte, entwickelte sich schnell zur Sicherheitsfrage: In der kleinen Gemeinde Tanneron, rund 20 Kilometer nordwestlich von Cannes, war offenbar ein Feuer in einem Elektrizitätswerk ausgebrochen. Die Gendarmerie schließt Brandstiftung nicht nur nicht aus – sie hält sie für wahrscheinlich. Eine Sprecherin sprach offen davon, dass der Brand „vorsätzlich gelegt“ worden sein könnte.

Besonders brisant: Das Filmfestival in Cannes erreicht mit der heutigen Verleihung der Goldenen Palme seinen Höhepunkt. Internationale Stars, Regisseurinnen, Produzenten und Journalisten aus aller Welt hatten sich auf den Abend vorbereitet. Doch schon am Morgen fielen Scheinwerfer aus, Projektoren verstummten. Im Multiplex-Kino „Cineum“, etwas außerhalb des Stadtzentrums, mussten Filmvorführungen abrupt unterbrochen werden. Gäste wurden gebeten, die Kinosäle zu verlassen.

Der Festivalpalast im Zentrum war weniger betroffen – er verfügt über eine eigene, unabhängige Stromversorgung. Eine Krise konnte dort vorerst abgewendet werden. Doch der Rest der Stadt liegt im Dunkeln. Auf den Straßen herrscht Chaos, Ampeln sind ausgefallen, Klimaanlagen in Hotels stehen still, Supermärkte mussten schließen, Aufzüge bleiben stecken. Die Stimmung schwankt zwischen Frust und Verunsicherung – denn bisher ist unklar, wann der Strom zurückkehrt.

Gleichzeitig wächst die Sorge, ob es sich bei dem Vorfall um eine gezielte Aktion handelt. Wurde das weltberühmte Festival zum Ziel? Oder war es Zufall, dass sich der Brand just an jenem Wochenende ereignete, an dem Cannes weltweit im Fokus steht? Der gleichzeitige Absturz eines Strommasts auf eine Hochspannungsleitung könnte ein zweiter Hinweis auf Sabotage sein – oder eben ein tragischer Zufall. Noch gibt es keine Bestätigung, keine Spur, keine Täter.

Die Einsatzkräfte des Stromnetzbetreibers RTE arbeiten fieberhaft daran, das Netz zu stabilisieren. Derweil hält man am Zeitplan fest: Um 19 Uhr soll der wichtigste Preis des Festivals verliehen werden – die Goldene Palme. In diesem Jahr gelten Werke des iranischen Regisseurs Jafar Panahi, des Brasilianers Kleber Mendonça Filho sowie der deutschen Filmemacherin Mascha Schilinski als Favoriten. Die Jury, unter Leitung von Juliette Binoche, hat 22 Filme zu sichten und zu bewerten – ein Kraftakt, der nun unter erschwerten Bedingungen zu Ende gebracht werden muss.

Manche sehen im Stromausfall ein Symbol. Cannes steht nicht nur für Glitzer, sondern auch für die Kraft des Kinos, Licht in dunkle Zeiten zu bringen. Doch das heutige Dunkel ist real – und es bringt eine andere Wahrheit zum Vorschein: Wie fragil unser Alltag ist, wie verletzlich selbst eine weltberühmte Festung der Kultur sein kann, wenn nur ein Funke zu viel fällt.

Die Abschlussgala soll wie geplant stattfinden.




Autor: Redaktion
Samstag, 24 Mai 2025

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