Schande aus Warschau: Polnischer EU-Abgeordneter leugnet Gaskammern – Auschwitz-Museum zieht Konsequenzen

Schande aus Warschau: Polnischer EU-Abgeordneter leugnet Gaskammern – Auschwitz-Museum zieht Konsequenzen


Grzegorz Braun provoziert mit Holocaustleugnung und antisemitischer Hetze – jetzt droht ihm ein Strafverfahren. Doch wie konnte dieser Mann überhaupt ins Europaparlament einziehen?

Schande aus Warschau: Polnischer EU-Abgeordneter leugnet Gaskammern – Auschwitz-Museum zieht Konsequenzen
By Sejm RP from Polska - 13. posiedzenie Sejmu, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=91699339

Er behauptet, die Gaskammern in AuschwitzShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen seien „gefälscht“, die ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen ein „konstruiertes Narrativ“, und das jüdische Volk habe „rituellen Mord“ begangen – Aussagen, die nicht in einem Telegram-Chat von Neonazis gefallen sind, sondern live im polnischen Radio, von einem Abgeordneten des Europäischen Parlaments: Grzegorz Braun, rechtsextremer Politiker aus Polen und Wiederholungstäter in Sachen antisemitischer Provokationen. Seine jüngste Verharmlosung der ShoahHolocaust-Relativierung: Die Verharmlosung der ShoahHolocaust-Relativierung bezeichnet die Verharmlosung, Verzerrung oder Entwertung der Shoah. Sie leugnet den Holocaust nicht zwingend offen, stellt ihn aber durch falsche Vergleiche, Verkleinerung, Umdeutung oder Täter-Opfer-Umkehr in ein verzerrtes Licht.Mehr lesen hat nicht nur das Auschwitz-Museum und die amerikanische Botschaft empört – nun wird gegen ihn strafrechtlich ermittelt.

Der Brandstifter im Parlament

Wer ist dieser Mann, der mit Flammenwerfer und Hetzparolen die Öffentlichkeit wiederholt schockiert? Grzegorz Braun, Mitglied der rechtsextremen Konfederacja-Partei, ist seit Jahren für Auftritte bekannt, die an die dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte erinnern – oder diese schlicht leugnen. Bereits 2023 löschte er während einer offiziellen Chanukka-Feier in Polen eine Menora mit einem Feuerlöscher. In diesem Jahr blockierte er Rabbi Michael Schudrich während einer Gedenkzeremonie für das PogromPogrom: Wenn Hass zur Jagd auf Juden wirdEin Pogrom ist eine kollektive Gewalttat gegen eine Minderheit, besonders gegen Juden. Der Begriff wurde durch antijüdische Gewalt im Russischen Reich bekannt, die Form der Gewalt ist jedoch viel älter.Mehr lesen von Jedwabne und missbrauchte eine Schweigeminute im Europäischen Parlament, um das Gedenken an die Shoah mit der „Genozidlüge von GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ zu beschmutzen.

Braun gibt sich dabei bewusst als Provokateur, der die Grenzen des Sagbaren permanent austestet – und zunehmend überschreitet. In einem Interview behauptete er nun, die Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz seien „nicht echt“, und das Museum verbreite „Pseudogeschichte“. Was wie eine Parodie auf alte Nazi-Parolen klingt, ist sein voller Ernst – und eine neue Eskalationsstufe in der Normalisierung des Holocaust-Revisionismus in Teilen Europas.

Auschwitz wehrt sich – und klagt

Die Reaktion aus Oswiecim ließ nicht lange auf sich warten: Das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau kündigte an, rechtliche Schritte gegen Braun einzuleiten. In Polen steht HolocaustleugnungHolocaustleugnung: Antisemitische GeschichtsfälschungHolocaustleugnung bezeichnet die vollständige oder teilweise Leugnung der Shoah. Sie bestreitet, verharmlost oder verfälscht die nationalsozialistische Ermordung von rund sechs Millionen Juden und gilt als zentrale Form antisemitischer Geschichtsfälschung.Mehr lesen unter Strafe – bis zu drei Jahre Gefängnis sind möglich. Ein linksliberaler Abgeordneter hat bereits Strafanzeige gestellt, die Staatsanwaltschaft sicherte Beweise und übergab den Fall an das Institut für Nationales Gedenken (IPN), das für Verfolgung von NS-Verbrechen zuständig ist.

Die Institution, die jährlich Millionen Menschen über die Vernichtung der europäischen Juden aufklärt, sieht sich nun gezwungen, sich gegen einen Mann zu verteidigen, der aus der Mitte der demokratischen Institutionen kommt. Es ist eine absurde, ja fast surreale Verkehrung der Realität: Nicht Neonazis in Kellern, sondern Parlamentarier in Straßburg tragen heute Holocaustleugnung in die Öffentlichkeit.

Internationale Empörung – aber kaum Konsequenzen?

Scharfe Worte fand die US-Botschaft in Warschau. In einer Stellungnahme hieß es: „Der wichtigste Lehrsatz der Shoah ist, dass Hass und Entmenschlichung zu einer Zerstörung führen können, die ganze Nationen überrollt.“ Man verurteile jede Form der Verzerrung von Geschichte, die das Andenken an die Opfer verhöhne.

Auch Polens Außenminister RadosÅ‚aw Sikorski zeigte sich entsetzt und stellte Brauns Treiben in den KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen russischer Desinformationspolitik: „Wenn er ein Agent Moskaus wäre, könnte er seine Aufgabe nicht besser erfüllen.“ Er kritisierte zudem, dass es keine unmittelbare Intervention gegeben habe – obwohl Braun mehrfach „bei der Tat“ ertappt wurde: beim Zerstören von Ausstellungsmaterial im Sejm, beim Stören religiöser Zeremonien, beim Verhöhnen jüdischer Opfer.

Trotz allem ist Braun weiter Abgeordneter im Europäischen Parlament. Sein Mandat schützt ihn (noch) vor strafrechtlichen Konsequenzen. Es ist ein gefährliches Signal: Ein Mann, der zentrale Elemente der europäischen Erinnerungskultur mit Füßen tritt, kann unbehelligt im Herzen der europäischen Demokratie wirken.

Die Normalisierung des Ungeheuerlichen

Braun ist kein Einzelfall – er ist Symptom eines europaweiten Trends. Die Konfederacja-Partei in Polen ist nicht mehr nur Randerscheinung, sondern fester Bestandteil der politischen Landschaft. Ihre Themen: Nationalismus, AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen, Anti-LGBT-HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen, Verschwörungstheorien. Ihr Ton: provokant, zynisch, geschichtsvergessen. Dass ein Mann wie Braun in Brüssel sitzt, ist kein Ausrutscher – es ist die Folge politischer Verschiebungen, die gefährlich unterschätzt werden.

Wer einmal den Holocaust leugnet, wird nicht bei Auschwitz aufhören. Wer jüdische Feiertage verhöhnt, wird auch die Demokratie verhöhnen. Wer antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet, rüttelt an den Grundfesten der europäischen Zivilisation. Es braucht mehr als bloße Empörung – es braucht entschlossene Gegenwehr.

Nicht nur von jüdischen Organisationen, nicht nur von Botschaften, sondern von jenen demokratischen Kräften, die sich viel zu lange zurückgelehnt haben. Braun muss zur Rechenschaft gezogen werden – juristisch, politisch, moralisch.

Wenn Auschwitz zur „Pseudogeschichte“ erklärt wird, dann ist die Erinnerung in Gefahr. Und mit ihr die Menschlichkeit Europas.




Autor: Redaktion
Samstag, 12 Juli 2025

haOlam via paypal unterstützen


Hinweis: Sie benötigen kein PayPal-Konto. Klicken Sie im nächsten Schritt einfach auf „Mit Debit- oder Kreditkarte zahlen“, um per Lastschrift oder Kreditkarte zu unterstützen.
empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage