Catherine Connolly: Die Präsidentin, die Terror salonfähig machtCatherine Connolly: Die Präsidentin, die Terror salonfähig macht
Irlands neue Staatschefin hat Israel als „Terrorstaat“ diffamiert und Hamas als Teil des palästinensischen Volkes verteidigt. Ihr Sieg ist ein Triumph der moralischen Verirrung – und ein Warnsignal für ganz Europa.

By Houses of the Oireachtas - https://www.flickr.com/photos/54097310@N08/53642734793/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=147234539
Irland hat gewählt – und Europa sollte genau hinsehen. Catherine Connolly, eine linksradikale Abgeordnete aus Galway, wird die neue Präsidentin der Republik Irland. Sie ist keine Unbekannte: Eine Politikerin, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als „Schurkenstaat“ und „Terrorstaat“ beschimpft, die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen als „Teil des palästinensischen Volkes“ rechtfertigt und die nach dem 7. Oktober kühl erklärte, „die Geschichte habe nicht an diesem Tag begonnen“.
Für viele Iren war Connolly eine Stimme gegen das Establishment. Für Israels Diplomatie – und für die jüdische Gemeinschaft in Europa – ist sie ein Menetekel.
Denn ihre Wahl steht für mehr als nur einen politischen Richtungswechsel. Sie steht für die moralische Verwirrung eines Kontinents, der gelernt hat, seine alte Judenfeindlichkeit in das Gewand vermeintlicher Solidarität mit den Palästinensern zu kleiden.
Trotz der antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen gefärbten Rhetorik ihrer Vergangenheit gratulierten offizielle Vertreter der kleinen jüdischen Gemeinde in Irland der neuen Präsidentin. Maurice Cohen, Vorsitzender des Jewish Representative Council of Ireland, wünschte Connolly Erfolg und erinnerte daran, dass das Amt „alle Menschen Irlands“ repräsentiere. „Wir hoffen auf gegenseitigen Respekt und das Gedeihen aller Gemeinschaften“, so Cohen – ein diplomatischer Ton, der mehr Hoffnung als Vertrauen verrät.
Auch der irische Oberrabbiner Yoni Wieder bemühte sich um Mäßigung, sprach jedoch offen von Besorgnis. „Sie hat Hamas als Teil des palästinensischen Volkes bezeichnet und scheint von deren Grausamkeit ungerührt“, sagte er. „Wer so redet, zeigt kein Verständnis für eine sichere und friedliche Zukunft.“ Wieder rief Connolly auf, das Gespräch mit der jüdischen Gemeinde zu suchen – ein Appell an Vernunft in einer Zeit, in der Ideologie allzu oft stärker ist als Empathie.
Deutlich schärfer äußerte sich der ehemalige Justiz- und Verteidigungsminister Alan Shatter, selbst jüdischer Ire und langjähriger Kritiker der wachsenden Israel-Feindlichkeit in seinem Land. Connolly, sagte er, „verkörpert die irische Linke und ihre Feindseligkeit gegenüber Israel. Sie beschuldigt Israel bei jeder Gelegenheit des Genozids, während sie Hamas verharmlost.“
Shatter spricht von einem tief verwurzelten gesellschaftlichen Klima, in dem antiisraelische Parolen längst als moralisch gelten. „Ihre Unterstützung kommt aus einer Gemeinschaft von obsessiven Israel-Hassern in den sozialen Medien“, warnte er, „und von jenen, die in der Öffentlichkeit das Existenzrecht IsraelsExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen infrage stellen.“
Dass Connollys Amt weitgehend repräsentativ ist, beruhigt ihn kaum: „Ihre Worte werden Gewicht haben. Sie wird Irlands Image prägen und die ohnehin belasteten Beziehungen zu Israel weiter vergiften.“
Tatsächlich war Irland in den vergangenen Jahren immer wieder Vorreiter einer antiisraelischen Außenpolitik innerhalb der EU. Dublin war eines der ersten Parlamente Europas, das die Anerkennung eines palästinensischen Staates forderte, und weigert sich bis heute, Hamas als reine Terrororganisation zu bezeichnen. In irischen Medien und Universitäten gilt es inzwischen als mutig, Israel zu kritisieren – auch dort, wo die Kritik längst in offene Feindseligkeit umgeschlagen ist.
Connollys Sieg ist somit kein Zufall, sondern Symptom. Sie profitiert von einem gesellschaftlichen Klima, das Antizionismus mit Fortschritt verwechselt. In ihrer Rhetorik mischen sich Empörung und historische Ignoranz: Die Hamas wird zum „Befreiungskampf“, Israel zur „Besatzungsmacht“, und der Terror vom 7. Oktober – das größte Massaker an Juden seit der ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen – zu einer „Reaktion auf Unterdrückung“.
Diese Sprache ist gefährlich. Sie verschiebt die moralischen Koordinaten Europas – weg vom Schutz jüdischen Lebens, hin zu einer Relativierung von Gewalt, solange sie gegen Israel gerichtet ist.
In Irland, einem Land mit kaum 3.000 Juden, spüren viele diese Veränderung bereits. Auf offener Straße werden jüdische Symbole beschmiert, in Universitäten kursieren Boykottaufrufe gegen israelische Wissenschaftler, und in den Medien dominieren einseitige Narrative. Connollys Wahlsieg sendet diesen Kräften ein Signal der Bestätigung: Die Dämonisierung Israels ist nun gesellschaftsfähig – und sie sitzt im Präsidentenpalast.
Was wie eine lokale Wahl aussieht, ist ein Lehrstück über Europas moralische Orientierung. Es zeigt, wie schnell historische Verantwortung der politischen Mode geopfert wird.
Irlands neue Präsidentin mag keine Macht über Gesetze haben – aber sie hat Einfluss über Worte. Und in Zeiten, in denen Worte Brandstifter sind, ist das gefährlich genug.
Autor: Bernd Geiger
Montag, 27 Oktober 2025