Frankreichs Eliteuniversität stoppt palästinensisches Symposium – Hamas-Nähe und Katar-Gelder im HintergrundFrankreichs Eliteuniversität stoppt palästinensisches Symposium – Hamas-Nähe und Katar-Gelder im Hintergrund
Das Collège de France hat eine geplante Konferenz über „Palästina und Europa“ abgesagt, nachdem bekannt wurde, dass sie von einer katarisch finanzierten Organisation mit Nähe zur Muslimbruderschaft unterstützt wurde – und mehrere Referenten offen Hamas-Sympathien geäußert hatten.

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In Frankreich sorgt ein geplatztes Symposium über Palästina für einen politischen und moralischen Aufschrei. Das traditionsreiche Collège de France, eine der angesehensten Forschungseinrichtungen Europas, hat am Sonntag die für Mitte November geplante Konferenz „PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen and Europe: the weight of the past and contemporary dynamics“ abgesagt.
Der Grund: massive öffentliche Kritik an den Geldgebern, den Referenten – und dem ideologischen Hintergrund der Veranstaltung. Organisiert wurde das Symposium von Professor Henry Laurens, Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte der arabischen Welt, gemeinsam mit dem Arab Center for Research and Political Studies in Paris (CAREP), einer Einrichtung, die wiederum direkt mit dem Doha Institute in Katar verbunden ist.
Katarische Mittel, Sympathien für HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen
Die Zeitung Le Point hatte am 7. November aufgedeckt, dass CAREP teilweise vom Doha Institute finanziert wird, dessen Schatzmeister in Katar lebt. Zudem wurde CAREP von Le Figaro als „intellektueller Arm der Muslimbruderschaft“ bezeichnet – ein schwerwiegender Vorwurf in einem Land, das seit Jahren mit der islamistischen Radikalisierung kämpft.
Brisant ist, wer bei der Konferenz sprechen sollte:
– François Burgat, ehemaliger CAREP-Präsident, der 2024 öffentlich erklärte, er habe „unendlich mehr Respekt für die Führer der Hamas als für jene des Staates IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“.
– Muzna Shihabi, CAREP-Managerin, die den Hamas-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen in sozialen Netzwerken als „Befreiungsakt“ feierte.
– Véronique Bontemps, Anthropologin, gegen die ein Disziplinarverfahren wegen „Verherrlichung des Terrorismus“ läuft.
– Thomas Vescovi, Historiker, der erklärte, die Einstufung der Hamas als Terrororganisation sei „ein demokratisches Problem“.
– Jihane Sfeir, die Israels Politik gegenüber den Palästinensern als „Nekropolitik“ bezeichnete – also als staatlich gelenkte Verwaltung des Todes.
Angesichts dieser Zusammensetzung wurde die Veranstaltung in französischen Medien rasch als „anti-israelisches Tribunal“ bezeichnet. Die Ligue internationale contre le racisme et l’antisémitisme (LICRA) kritisierte auf X/Twitter: „Hamas-Anhänger, BDSBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen-Aktivisten, Al-Jazeera-Kommentatoren – dieses Symposium gleicht eher einem antisemitischen Jahrmarkt als einer wissenschaftlichen Debatte.“
Politik und Öffentlichkeit reagierten prompt. Frankreichs Hochschulminister Philippe Baptiste begrüßte die Absage: „Wissenschaftliche Freiheit bedeutet freie, respektvolle und pluralistische Diskussion. Dieses Symposium hätte diese Bedingungen offensichtlich nicht erfüllt.“
Ein besonders sensibles Detail: Die Konferenz war ausgerechnet für den 13. und 14. November angesetzt – das Wochenende, an dem Frankreich der Terroranschläge im Pariser Bataclan 2015 gedenkt. „Weder die einseitige Agenda noch die ausgewählten Redner noch dieses absurde Datum waren akzeptabel“, erklärte Yonathan Arfi, Präsident des Dachverbands jüdischer Institutionen Frankreichs (CRIF).
Auch die bekannte Journalistin Céline Pina sprach von einem „beschämenden Rückzieher einer Institution, die mit der Muslimbruderschafts-Kasse in der Hand erwischt wurde“. Der wahre Grund für die Absage, so Pina, liege nicht im Schutz wissenschaftlicher Integrität, sondern im öffentlichen Druck: „Man hat das Kolloquium nicht aus Prinzip gestoppt, sondern weil man ertappt wurde – das Risiko einer Verherrlichung von Terrorismus war real.“
Die Hochschulverwaltung des Collège de France erklärte, dass man zunächst eine Durchführung „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ erwogen habe, diese Option aber aus Sicherheitsgründen verworfen wurde. In der offiziellen Mitteilung hieß es:
„Angesichts der Kontroverse und der Risiken für die öffentliche Ordnung sehen wir uns gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Das Collège de France wahrt strikte politische Neutralität und fördert keine Form von Aktivismus.“
Der Streit geht weiter
CAREP und Professor Laurens verurteilten die Entscheidung scharf. In einer gemeinsamen Erklärung warfen sie dem Bildungsministerium „politische Einmischung“ und „Einschränkung der wissenschaftlichen Freiheit“ vor. Die Vorwürfe des AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen seien „haltlose Diffamierungen“.
Doch viele in Frankreich sehen das anders. Für sie ist die Absage ein notwendiges Zeichen – ein Stopp für jene, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft politische PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen und Terrorapologie betreiben.
Frankreich erlebt seit Beginn des Gaza-Krieges einen alarmierenden Anstieg antisemitischer Vorfälle. Vor diesem Hintergrund wird die Debatte um das Collège de France zu einem Prüfstein für den Umgang mit islamistischen Strukturen in der akademischen Welt – und für den Mut, Grenzen zwischen Forschung und Ideologie klar zu ziehen.
Denn was als „wissenschaftliche Konferenz“ angekündigt war, drohte zur Bühne jener zu werden, die den Terror verharmlosen. Die Entscheidung, sie zu stoppen, war deshalb mehr als nur „verantwortlich“ – sie war notwendig.
Autor: Redaktion
Dienstag, 11 November 2025