Tschechien meldet deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle – trotz traditionell israelfreundlichem KursTschechien meldet deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle – trotz traditionell israelfreundlichem Kurs
Ein neuer Bericht zeigt: Auch in einem der engsten Partner Israels in Europa nimmt Judenfeindlichkeit spürbar zu. Die meisten Übergriffe finden online statt, doch die Zahl der physischen Attacken steigt.

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Die jüdische Gemeinschaft in Tschechien schlägt Alarm: Das Land, das seit Jahren als einer der zuverlässigsten Verbündeten Israels in Europa gilt, verzeichnet einen deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Föderation der Jüdischen Gemeinden hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde.
Demnach wurden im Jahr 2024 4.694 antisemitische Vorfälle registriert – ein Plus von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders auffällig ist der sprunghafte Anstieg nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023: In den Wochen danach schnellten die Meldungen um rund 90 Prozent nach oben.
Feindseligkeit gegen Israel wird salonfähig
Petr Papoušek, Präsident der Föderation, warnt vor einer „globalen Welle des Judenhasses, die unmittelbar nach dem 7. Oktober losgebrochen ist“. Dieser Hass zeige sich zwar in Tschechien seltener offen auf der Straße als in Westeuropa, doch auch dort habe sich die Stimmung spürbar verändert.
„Die Dämonisierung Israels ist zu einem gesellschaftsfähigen Ausdruck geworden und prägt inzwischen viele öffentliche Debatten“, sagte Papoušek. Der Bericht macht eine „beispiellose Allianz“ aus rechtsextremen, linksradikalen, islamistischen und verschwörungsideologischen Milieus aus, die ihre Botschaften gegenseitig verstärken.
Gewalt nimmt zu – wenn auch auf niedrigem Niveau
Rund 96 Prozent der dokumentierten Fälle entfielen auf das Internet: Beschimpfungen, HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Verharmlosungen, Verschwörungserzählungen und offene Unterstützung für Hamas und HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen.
Doch erstmals seit Jahren kam es auch zu mehreren Gewalttaten:
• vier körperliche Angriffe im Jahr 2024 – im Vorjahr waren es null
• zwölf Fälle von Vandalismus, insbesondere auf jüdischen Friedhöfen und Gedenkstätten
Ein besonders schwerer Fall ereignete sich im Januar 2024, als fünf Jugendliche versuchten, die Synagoge in Brünn in Brand zu setzen. Sie waren laut Polizei über Online-Inhalte des „Islamischen Staats“ radikalisiert worden. Zwei der Tatverdächtigen wurden wegen Terrorismus angeklagt.
Auch 2025 rissen die Vorfälle nicht ab: Mehrfach wurde ein koscherer Laden im Prager Stadtteil Vinohrady mit antisemitischen Parolen wie „Holocaust 2025“ beschmiert.
Ein pro-israelisches Land mit wachsender Herausforderung
Tschechien gilt seit Jahrzehnten als einer der verlässlichsten Partner Israels in Europa. Das Land stimmte gegen die Aufwertung der Palästinenser bei den Vereinten Nationen, und nach dem 7. Oktober war Außenminister Jan Lipavský der erste europäische Regierungsvertreter, der nach IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen reiste, um Solidarität zu zeigen.
Doch selbst in einem Umfeld, das Juden traditionell wohlgesonnen ist, wirkt die internationale Radikalisierung nach – wenn auch auf anderem Niveau als in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien.
Die Studie betont jedoch auch: Tschechien bleibt weiterhin eines der sichersten Länder Europas für Juden. Die Sicherheitsbehörden reagieren konsequent, politische Führung und Zivilgesellschaft positionieren sich klar gegen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen.
Autor: Redaktion
Sonntag, 23 November 2025