Europa schläft noch: Arabische Stimmen warnen vor der Muslimbruderschaft und Europa hört nicht zuEuropa schläft noch: Arabische Stimmen warnen vor der Muslimbruderschaft und Europa hört nicht zu
Nicht europäische Sicherheitsdienste, sondern arabische Journalisten schlagen Alarm. Sie warnen davor, dass die Muslimbruderschaft Europa nicht mit Gewalt, sondern mit Geduld, Netzwerken und Institutionen unterwandert. Der Westen reagiert weiter zögerlich und riskiert, eine bekannte Entwicklung zu wiederholen.
Es ist ein bemerkenswerter Moment, der in Europa bislang kaum wahrgenommen wird. Während Politiker in Brüssel, Berlin oder Paris noch darüber diskutieren, wie man „Dialog“ und „Integration“ richtig buchstabiert, kommen deutliche Warnungen aus einer ganz anderen Richtung: aus der arabischen Welt selbst. Journalisten, Intellektuelle und Kommentatoren aus Ländern, die jahrzehntelange Erfahrung mit politischem Islam haben, fordern Europa offen auf, endlich zu handeln und die Muslimbruderschaft als das zu behandeln, was sie ihrer Überzeugung nach ist: eine langfristige, systematische Bedrohung für demokratische Gesellschaften.
Der vom Middle East Media Research Institute dokumentierte Diskurs ist in seiner Klarheit ungewöhnlich. Arabische Journalisten sprechen nicht in Andeutungen, sondern in Warnungen. Sie beschreiben ein Muster, das sie aus Ägypten, Jordanien oder dem Gazastreifen kennen: Geduld statt Bomben, Einfluss statt offener Gewalt, Institutionen statt Barrikaden. Wer glaubt, Extremismus erkenne man nur an Kalaschnikows, habe aus der Geschichte nichts gelernt.
Die Muslimbruderschaft, so der Tenor dieser Stimmen, arbeite nicht gegen Europa von außen, sondern in Europa von innen. Über Vereine, Moscheeverbände, Studierendenorganisationen, Wohlfahrtsinitiativen und politische Lobbyarbeit werde schrittweise Einfluss aufgebaut. Alles legal, alles scheinbar harmlos, alles im Rahmen demokratischer Freiheiten. Genau darin liege die Gefahr. Denn am Ende stehe nicht die Integration, sondern die Transformation der Gesellschaft nach einem ideologischen Weltbild, das mit liberaler Demokratie unvereinbar sei.
Besonders deutlich wird der Vorwurf dort, wo europäische Naivität auf arabische Erfahrung trifft. Kommentatoren weisen darauf hin, dass dieselbe Bewegung, die sich in Europa als moderat, dialogbereit und sozial engagiert inszeniere, in der arabischen Welt als Machtinstrument, Unterdrückungsapparat und ideologische Brutstätte bekannt sei. Für sie ist das kein theoretisches Szenario, sondern gelebte Realität. Sie haben gesehen, wie aus „sozialem Engagement“ politische Dominanz wurde und aus religiöser Moral staatliche Repression.
Europa hingegen scheint weiter an die Illusion zu glauben, man könne politische Ideologien allein durch gute Absichten entschärfen. Die Warnungen werden relativiert, die Quellen infrage gestellt, die Debatte vertagt. Dabei ist die Frage längst nicht mehr akademisch. Sie berührt Grundwerte wie Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Säkularität und den Schutz jüdischen Lebens. Denn wo die Muslimbruderschaft ideologisch verankert ist, so betonen viele arabische Stimmen, folgt früher oder später auch Antisemitismus, oft getarnt als „Israelkritik“, aber getragen von alten Feindbildern.
Auffällig ist zudem der internationale Kontext. Mehrere Staaten im Nahen Osten haben die Muslimbruderschaft bereits als Terrororganisation eingestuft oder faktisch verboten. Nicht aus westlicher Islamfeindlichkeit, sondern aus bitterer Erfahrung. Europa hingegen zögert – auch aus Angst, muslimische Gemeinschaften pauschal zu stigmatisieren. Diese Sorge ist nachvollziehbar, wird jedoch von den arabischen Kritikern entschieden zurückgewiesen. Ihr Argument: Nicht jede muslimische Organisation ist islamistisch, aber jede islamistische Organisation profitiert davon, wenn Kritik aus falsch verstandener Toleranz unterbleibt.
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob Europa Muslime ausgrenzt, sondern ob es bereit ist, zwischen Religion und politischer Ideologie klar zu unterscheiden. Die Muslimbruderschaft ist keine Glaubensgemeinschaft, sondern eine politische Bewegung mit religiösem Überbau. Wer das nicht benennt, überlässt das Feld jenen, die Demokratie als Werkzeug betrachten, nicht als Wert.
Für Israel und jüdische Gemeinschaften in Europa ist diese Debatte längst keine theoretische. Die ideologischen Linien zwischen der Muslimbruderschaft, der Hamas und anderen islamistischen Akteuren sind gut dokumentiert. Wo diese Netzwerke gesellschaftlich Fuß fassen, steigt der Druck auf jüdisches Leben, auf offene Debatten, auf Sicherheit. Dass ausgerechnet arabische Journalisten Europa davor warnen, sollte zu denken geben.
Europa steht an einem Scheideweg. Es kann weiter beschwichtigen, relativieren und hoffen, dass sich Probleme von selbst lösen. Oder es kann beginnen, Erfahrungen anderer ernst zu nehmen, unbequeme Fragen zu stellen und klare politische Linien zu ziehen. Die Warnung liegt auf dem Tisch. Die Frage ist nur, wie lange Europa sie noch ignorieren will.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By بلال الدويك - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25845754
Mittwoch, 07 Januar 2026