Aktivisten gehen von Tür zu Tür: Juden in Großbritannien berichten von Einschüchterung wegen IsraelAktivisten gehen von Tür zu Tür: Juden in Großbritannien berichten von Einschüchterung wegen Israel
Was als politischer Boykott verkauft wird, trifft in Wirklichkeit Menschen vor ihrer eigenen Haustür. In mehreren britischen Städten berichten jüdische Familien, dass Aktivisten gezielt ihre Wohnviertel aufsuchen und Druck ausüben. Für viele ist eine Grenze überschritten.
In Großbritannien wächst die Sorge unter jüdischen Bürgern. Aktivisten, die sich selbst als Teil der sogenannten Apartheid Free Zone Bewegung bezeichnen, ziehen derzeit gezielt durch Wohnviertel und klingeln an Haustüren, um Bewohner zu einem Boykott israelischer Produkte aufzufordern. Was nach politischer Kampagne klingt, wird von Betroffenen als persönliche Einschüchterung erlebt.
Die Aktivitäten konzentrieren sich auf Städte wie London, Bristol, Sheffield und Brighton. Besonders brisant ist die Situation im Londoner Stadtteil Hackney. Dort lebt eine der größten orthodox jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels. Genau dort tauchten Aktivisten auf, um ihre Botschaft direkt vor die Türen jüdischer Familien zu tragen.
Vertreter jüdischer Organisationen sprechen offen aus, was viele denken. Es gehe nicht mehr um politische Meinungsäußerung, sondern um gezielten Druck auf eine Minderheit. Wer unangekündigt vor der Haustür erscheint und politische Forderungen stellt, überschreitet eine Grenze. Die Botschaft ist klar. Ihr seid gemeint.
Besonders alarmierend ist ein Vorfall aus Sheffield. Eine Frau berichtete, von einem Aktivisten körperlich angegriffen worden zu sein, als sie sich der Aktion entgegenstellte. Sie sei mit dem Kopf gestoßen worden. Auch wenn bislang keine Festnahmen erfolgt sind, hat der Vorfall die Angst verstärkt.
Politiker reagierten ungewöhnlich deutlich. Der britische Abgeordnete Peter Kyle erklärte, seine größte Sorge sei die Vorstellung, dass verletzliche jüdische Bewohner von Gruppen bedrängt werden könnten. Er forderte eine Prüfung durch die Polizei, ob Straftaten vorliegen.
Doch die Aktivisten zeigen keine Anzeichen, ihre Kampagne zu beenden. Weitere Aktionen wurden bereits angekündigt. Für viele jüdische Familien bedeutet das eine neue Realität. Die politische Konfrontation findet nicht mehr nur auf Demonstrationen statt, sondern direkt vor der eigenen Wohnungstür.
Diese Entwicklung hat eine tiefere Bedeutung. Israel wird nicht nur kritisiert, sondern jüdische Menschen im Ausland werden zunehmend mit diesem Konflikt persönlich konfrontiert. Die Trennung zwischen politischer Kritik und gesellschaftlicher Ausgrenzung verschwimmt.
Für Israel ist diese Entwicklung ein warnendes Zeichen. Denn sie zeigt, dass der Konflikt längst nicht mehr auf den Nahen Osten begrenzt ist. Er hat die Straßen Europas erreicht und trifft dort Menschen, die tausende Kilometer entfernt leben.
Die zentrale Frage ist nicht mehr, ob Israel kritisiert wird. Kritik ist legitim. Die entscheidende Frage ist, warum diese Kritik immer häufiger bei jüdischen Bürgern selbst landet.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Revolutionary Communist Party - https://www.flickr.com/photos/135433887@N02/53842094122/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=150311906
Sonntag, 22 Februar 2026