Jeder fünfte Student in Großbritannien lehnt jüdische Mitbewohner abJeder fünfte Student in Großbritannien lehnt jüdische Mitbewohner ab
Was früher als Randproblem galt, ist heute messbar: Antisemitismus ist an britischen Universitäten längst Teil des Alltags geworden.
Eine aktuelle landesweite Umfrage unter Studierenden in Großbritannien zeigt ein erschreckend klares Bild. Rund 20 Prozent der Befragten geben an, nicht mit einem jüdischen Studenten zusammenwohnen zu wollen. Es ist keine Randmeinung mehr, sondern ein stabiler Anteil innerhalb einer Generation, die sich selbst gern als offen und tolerant beschreibt.
Doch diese Zahl ist nur der Einstieg in ein deutlich größeres Problem. Die Untersuchung macht sichtbar, was viele jüdische Studierende seit Jahren berichten: Ausgrenzung, Einschüchterung und offener Hass sind an Hochschulen längst keine Einzelfälle mehr.
Ausgrenzung wird sozial akzeptiert
Die Realität auf vielen Campusgeländen hat sich spürbar verändert. Jüdische Studierende berichten von zerbrechenden Freundschaften, sozialer Isolation und gezielten Anfeindungen.
Mehr als ein Viertel der Befragten kennt Situationen, in denen Beziehungen zu jüdischen Kommilitonen bewusst abgebrochen oder belastet wurden. An besonders renommierten Universitäten liegt dieser Anteil noch deutlich höher.
Die Grenze zwischen politischer Meinung und persönlicher Ausgrenzung ist dabei längst verschwunden. Wer als jüdisch wahrgenommen wird oder mit Israel in Verbindung gebracht wird, wird zunehmend zum Ziel.
Ein dokumentierter Fall zeigt die Brutalität dieser Entwicklung. In einer Studentenwohnung wurde öffentlich festgelegt, dass keine „Zionisten“ dort leben dürften. Die Botschaft ist eindeutig und richtet sich nicht gegen eine politische Haltung, sondern gegen Menschen.
Hass wird öffentlich geäußert
Noch deutlicher wird die Lage in persönlichen Berichten. Eine Studentin schildert, wie sie auf einer Feier öffentlich beschimpft und ausgegrenzt wurde, weil andere sie pauschal als Unterstützerin von Gewalt darstellten.
Versuche, sich zu erklären, führen oft zu weiterer Eskalation. Die Situation kippt schnell, Zuschauer greifen nicht ein, und Betroffene ziehen sich zurück.
Diese Dynamik ist kein Zufall. Sie zeigt, dass antisemitische Positionen nicht mehr nur gedacht, sondern offen ausgesprochen werden.
Terror wird relativiert oder gefeiert
Besonders alarmierend ist ein weiterer Befund der Studie. Fast die Hälfte der befragten Studierenden hat erlebt, dass Terrororganisationen wie Hamas oder Hisbollah auf dem Campus positiv dargestellt werden.
Noch gravierender ist, dass ein erheblicher Teil der Studierenden die Angriffe vom 7. Oktober relativiert oder sogar rechtfertigt. Einige sehen solche Aussagen sogar als legitimen Teil der Meinungsfreiheit.
Damit verschiebt sich die Grenze dessen, was gesellschaftlich akzeptiert wird. Gewalt gegen Juden wird nicht mehr eindeutig verurteilt, sondern zunehmend diskutiert, relativiert oder verteidigt.
Universitäten verlieren die Kontrolle
Auch Proteste spielen eine zentrale Rolle. Ein Großteil der Studierenden berichtet, dass Demonstrationen den Studienalltag stören. Viele meiden bestimmte Wege oder Veranstaltungen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Wo diese Proteste häufiger stattfinden, steigt auch die Zahl antisemitischer Vorfälle. Der Zusammenhang ist deutlich und lässt sich nicht mehr ignorieren.
Gleichzeitig fehlt es an klaren Konsequenzen. Universitäten reagieren oft zögerlich oder gar nicht. Das verstärkt den Eindruck, dass antisemitisches Verhalten folgenlos bleibt.
Entwicklung spiegelt gesellschaftlichen Trend
Die Situation auf dem Campus ist kein isoliertes Phänomen. Sie spiegelt eine breitere Entwicklung in Großbritannien wider.
Die Zahl antisemitischer Vorfälle im Land hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Monatlich werden mehrere hundert Fälle registriert, doppelt so viele wie noch vor wenigen Jahren.
Was an Universitäten geschieht, ist daher Teil eines größeren Problems. Der Campus wird zum Ort, an dem sich gesellschaftliche Spannungen besonders deutlich zeigen.
Eine Generation in der Verantwortung
Die Ergebnisse der Umfrage werfen eine grundlegende Frage auf. Wie kann es sein, dass in einer Gesellschaft, die sich als aufgeklärt versteht, solche Einstellungen so weit verbreitet sind?
Es geht nicht mehr nur um Einzelfälle oder extreme Randgruppen. Es geht um eine Entwicklung, die mitten in der studentischen Mitte angekommen ist.
Für jüdische Studierende bedeutet das eine Realität, die viele für überwunden hielten. Für die Gesellschaft insgesamt ist es ein Warnsignal.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Revolutionary Communist Party - https://www.flickr.com/photos/135433887@N02/53843430730/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=150312290
Mittwoch, 18 März 2026