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UCL streicht Antisemitismus-Stelle trotz massiver Judenfeindlichkeit auf dem Campus

UCL streicht Antisemitismus-Stelle trotz massiver Judenfeindlichkeit auf dem Campus


Ausgerechnet in einer Zeit wachsender Angst jüdischer Studenten beendet das University College London seine spezialisierte Antisemitismus-Rolle. Der Vorgang wirft eine harte Frage auf: Wie ernst meint eine Spitzenuniversität ihren Schutz jüdischen Lebens wirklich?

UCL streicht Antisemitismus-Stelle trotz massiver Judenfeindlichkeit auf dem Campus
Bildnachweis: Symbolbild

Das University College London gehört zu den renommiertesten Hochschulen Großbritanniens. Genau deshalb ist die Nachricht so verstörend: Nach Informationen der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post hat die Universität ihre eigene, speziell eingerichtete Stelle für AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen gestrichen. Es handelt sich nicht um irgendeinen Verwaltungsposten, sondern um eine Rolle, die seit November 2022 bestand und nach Angaben der Universität selbst die erste und einzige spezielle Antisemitismus-Funktion an einer britischen Hochschule war. Besetzt wurde sie über die gesamte Zeit von Anthony Orkin, der an UCL Schulungen, Beratung, Sensibilisierung und vertrauliche Unterstützung für jüdische Studenten und Mitarbeiter leistete.

Dass diese Stelle nun wegfällt, ist mehr als eine interne Personalentscheidung. Sie ist ein Signal. Und dieses Signal kommt zu einem Zeitpunkt, an dem jüdische Studenten in Großbritannien seit dem Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen unter einem massiv verschärften Klima leben. Eine Quelle aus dem Umfeld der Universität sagte der Jerusalem Post, über das eigene Meldeportal von UCL sei im Jahr nach dem 7. Oktober ein Anstieg antisemitischer Meldungen um 841 Prozent verzeichnet worden. Genau in dieser Lage wird die spezialisierte Funktion gestrichen, die offenbar dafür geschaffen wurde, mit Fachwissen, Sensibilität und schneller Reaktion auf solche Vorfälle zu antworten.

Die Zahlen machen deutlich, worum es geht. Orkin führte nach Angaben der Jerusalem Post vertrauliche Gespräche mit Betroffenen, schulte mehr als 2.430 Studenten, Mitarbeiter und externe Beteiligte und organisierte im April 2025 Antisemitismus-Schulungen des Community Security Trust für leitende Sicherheitskräfte der Universität. Noch im Mai 2026 hielt er eine Schulung für die EDI Community of Practice, die nach Angaben des Berichts eine durchschnittliche Bewertung von 4,75 von 5 Punkten erhielt. Wenn eine solche Arbeit in einer Phase steigender Vorfälle beendet wird, darf die Öffentlichkeit fragen, ob hier ausgerechnet die wirksamste Struktur abgebaut wird.

Besonders schwer wiegt, dass jüdische Studenten offenbar gerade dieser Stelle vertrauten. Der UCL-Student, Autor und Influencer Dov Forman erklärte gegenüber der Jerusalem Post, Anthony Orkin sei eines der wenigen Dinge gewesen, die UCL wirklich richtig gemacht habe. Viele seiner Freunde hätten über Antisemitismus nur mit Orkin gesprochen, weil sie andernorts innerhalb der Universität Skepsis, Bürokratie und Widerstand erwartet hätten. Solche Aussagen sind für eine Hochschule vernichtend. Sie beschreiben nicht nur einen Personalverlust, sondern ein Vertrauensproblem.

UCL kann natürlich einwenden, dass Antisemitismus künftig nicht ignoriert werde, sondern über die allgemeine Abteilung für Equality, Diversity and Inclusion bearbeitet werden solle. Genau hier beginnt jedoch das eigentliche Problem. Antisemitismus ist keine beliebige Unterkategorie allgemeiner Diskriminierung. Er hat eigene Muster, eigene historische Codes, eigene gegenwärtige Tarnformen. Er erscheint als Hass auf Juden, als Verschwörungsdenken, als Dämonisierung Israels, als Täter-Opfer-Umkehr nach Terrorangriffen, als sozialer Ausschluss jüdischer Studenten oder als angeblich politische Sprache, die am Ende jüdisches Leben auf dem Campus trifft.

Wer diese Eigenlogik nicht kennt, erkennt oft auch die Gefahr nicht. Genau deshalb braucht es spezialisierte Kompetenz. Eine allgemeine Gleichstellungsstruktur kann wichtig sein, aber sie ersetzt nicht automatisch Fachwissen über Antisemitismus. UCLs eigene EDI-Seite beschreibt das zentrale Team zudem als strategische Beratungseinheit, die zwar kommentieren und beraten könne, aber keine Einzelfallarbeit für Personen übernehme. Wenn Betroffene bisher eine konkrete, bekannte, vertrauliche Anlaufstelle hatten, dann muss UCL erklären, wie diese persönliche Schutzfunktion künftig tatsächlich ersetzt werden soll.

Noch heikler wird der Vorgang durch die Personalumgebung, in die die Bearbeitung nun offenbar wandert. Nach Darstellung der Jerusalem Post werden Antisemitismusbeschwerden künftig von der EDI-Struktur unter Addeel Khan betreut. UCL selbst bezeichnet Khan als Director of Equity, Inclusion and Culture. Britische Medien berichteten außerdem, Khan sei Kommunikationsmanager und Treuhänder der Wohltätigkeitsorganisation Save One Life UK. Gegen diese Organisation läuft nach Berichten unter anderem von Civil Society und Jewish Chronicle eine Prüfung der Charity Commission wegen schwerer Vorwürfe zur Verwendung von GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Spenden und möglichen Risiken einer Weiterleitung in Hamas-kontrollierte Strukturen. Save One Life bestreitet, mit Hamas oder einer verbotenen Terrororganisation zusammenzuarbeiten.

Gerade deshalb muss sauber formuliert werden: Es gibt derzeit keinen Grund, Khan persönlich eine Straftat zu unterstellen. Es gibt auch keinen öffentlich bekannten Abschlussbericht der Charity Commission, der die Vorwürfe abschließend bestätigt. Aber es gibt ein offenkundiges Vertrauensproblem. Eine Universität, die jüdischen Studenten Sicherheit zusagen will, muss besonders sensibel mit Rollen, Zuständigkeiten und möglichen Interessenkonflikten umgehen. Wenn eine spezialisierte Antisemitismus-Stelle gestrichen wird und die Verantwortung zugleich in eine Struktur übergeht, deren Leiter öffentlich mit einer umstrittenen Gaza-Hilfsorganisation in Verbindung gebracht wird, dann reicht Schweigen nicht aus. Dann braucht es Transparenz.

Für jüdische Studenten ist diese Frage nicht theoretisch. Viele erleben seit dem 7. Oktober, dass ihre Identität auf dem Campus politisiert wird. Sie werden für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen verantwortlich gemacht, mit Parolen konfrontiert, in Seminaren isoliert, in Debatten unter Rechtfertigungsdruck gesetzt oder sehen, wie offene Feindseligkeit als Aktivismus verpackt wird. Nicht jede harte Israelkritik ist antisemitisch. Aber viel zu oft dient Israelkritik als Tarnung für eine alte Verachtung, die sich nur neue Begriffe gesucht hat. Universitäten müssten genau hier besonders klar sein. Stattdessen wirken viele Hochschulen überfordert, ausweichend und bemüht, Konflikte zu verwalten statt Betroffene zu schützen.

Großbritannien kennt die Lage. Der Community Security Trust dokumentiert seit dem 7. Oktober 2023 ein dauerhaft erhöhtes Niveau antisemitischer Vorfälle. Für 2025 wurden landesweit 3.700 antisemitische Vorfälle registriert, der zweithöchste Jahreswert seit Beginn der CST-Aufzeichnungen. Im britischen Oberhaus wurde 2025 zudem auf einen Anstieg antisemitischer Campusvorfälle um 117 Prozent in den akademischen Jahren 2022 bis 2024 verwiesen. Das ist der Hintergrund, vor dem UCL nun eine spezialisierte Schutzstruktur abbaut.

Eine Universität beweist ihre Werte nicht in Imagebroschüren, sondern in Momenten, in denen eine Minderheit Schutz braucht. Jüdische Studenten brauchen keine warmen Formulierungen über Vielfalt, wenn die konkrete Anlaufstelle verschwindet, der sie vertraut haben. Sie brauchen Menschen, die Antisemitismus erkennen, benennen und bearbeiten können. Sie brauchen klare Zuständigkeiten, schnelle Reaktionen und das Gefühl, dass ihre Angst nicht erst durch fünf interne Gremien übersetzt werden muss, bevor sie ernst genommen wird.

UCL steht deshalb vor einer einfachen, aber harten Frage: Wird hier wirklich ein besseres Schutzsystem geschaffen oder wird eine funktionierende Fachstelle in allgemeiner Verwaltung aufgelöst? Solange diese Frage nicht überzeugend beantwortet ist, bleibt der Vorgang ein fatales Signal. In einer Zeit, in der jüdische Studenten mehr Schutz brauchen, wirkt der Abbau spezialisierter Antisemitismus-Kompetenz wie das Gegenteil dessen, was Verantwortung verlangen würde.




Autor: Redaktion
Dienstag, 16 Juni 2026

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