Dritter Zwischenfall in London: Israir-Maschine erneut von Servicefahrzeug beschädigtDritter Zwischenfall in London: Israir-Maschine erneut von Servicefahrzeug beschädigt
Ein Schleppfahrzeug beschädigt in London erneut ein Flugzeug der israelischen Gesellschaft Israir. Weil es bereits der dritte gleichartige Vorfall innerhalb eines Jahres ist, prüfen Sicherheitsstellen einen möglichen israelfeindlichen Hintergrund.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Ein einzelner Zusammenstoß auf dem Rollfeld kann ein Unfall sein. Beim zweiten gleichartigen Vorfall stellen sich bereits unangenehme Fragen. Wenn aber innerhalb von weniger als einem Jahr zum dritten Mal ein britisches Betriebsfahrzeug ein Flugzeug derselben israelischen Gesellschaft beschädigt, reicht der beiläufige Hinweis auf menschliches Versagen nicht mehr aus.
Genau an diesem Punkt steht der Flughafen London-Luton nach dem erneuten Zwischenfall mit einem Flugzeug von Israir. Israelische Luftfahrtkreise und Sicherheitsstellen prüfen inzwischen, ob die ungewöhnliche Serie tatsächlich nur auf Nachlässigkeit zurückgeht oder ob mindestens eine der Beschädigungen vorsätzlich erfolgte. Beweise für eine gezielte Tat sind bislang nicht veröffentlicht worden. Der Verdacht ist dennoch ernst genug, dass israelische Stellen die britischen Behörden offiziell eingeschaltet haben.
Betroffen war Israir-Flug 6H116 von London-Luton zum Flughafen Ben Gurion. Die Maschine sollte am Donnerstag, dem 16. Juli 2026, um 17 Uhr britischer Zeit starten und kurz nach Mitternacht in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen landen. Während das Flugzeug vor dem Abflug geschleppt wurde, stieß ein dafür eingesetztes Bodenfahrzeug gegen die Maschine. Der Schaden war so erheblich, dass das Flugzeug nicht mehr eingesetzt werden durfte und der Flug gestrichen werden musste. Nach Angaben des Aviation Safety Network handelte es sich um einen Airbus A320 mit dem Kennzeichen YR-ADC.
Stundenlang ohne Gewissheit und ohne Klimaanlage
Für die Passagiere begann damit eine belastende Wartezeit. Nach übereinstimmenden Berichten saßen sie zunächst längere Zeit im Flugzeug fest. Die Klimaanlage funktionierte zeitweise nicht, während die Türen überwiegend geschlossen blieben. Reisende berichteten von weinenden Kindern, Menschen mit Atemnot, Panik und großer Unruhe an Bord.
Eine Passagierin schilderte, die Reisenden hätten sich in der geschlossenen Maschine um jeden Atemzug bemühen müssen. Andere berichteten, sie hätten mehr als zwei Stunden ohne ausreichende Kühlung im Flugzeug verbracht. Erst später durften sie aussteigen und ins Terminal zurückkehren. Nach Passagierangaben befanden sich rund 300 Menschen an Bord.
Israir organisierte nach eigenen Angaben Hotelzimmer und Beförderungsmöglichkeiten. Reisenden, die selbst eine Unterkunft fanden, wurden Erstattungen für Hotel, Fahrten und Verpflegung zugesagt. Ein Teil der Passagiere konnte auf spätere Verbindungen verteilt werden. Religiöse Juden, die vor Beginn des Schabbat keine rechtzeitige Ersatzverbindung mehr erreichten, mussten bis Sonntag in Großbritannien bleiben.
Die Fluggesellschaft entschuldigte sich für die Belastungen und betonte, der Zwischenfall habe außerhalb ihres Einflussbereichs gelegen. Sicherheit und Schutz der Passagiere hätten oberste Priorität. Diese Erklärung beantwortet jedoch nicht die entscheidende Frage: Weshalb werden ausgerechnet Flugzeuge von Israir am selben britischen Flughafen wiederholt durch Fahrzeuge des Bodenbetriebs beschädigt?
Drei Vorfälle sind kein belangloser Zufall mehr
Nach Angaben von Israir war dies bereits der dritte vergleichbare Vorfall in London-Luton innerhalb von weniger als einem Jahr. Noch schwerer wiegt der Vorwurf der Fluggesellschaft, dass die Flughafenleitung trotz früherer Hinweise bislang keine umfassende Untersuchung dieser Serie vorgenommen habe. Die bisher bekannten Berichte enthalten keine näheren Angaben dazu, wann die beiden früheren Beschädigungen stattfanden, welche Mitarbeiter beteiligt waren und ob stets derselbe Bodendienstleister verantwortlich war. Gerade diese Informationen müssen nun offengelegt werden.
Israelische Medien berichten, dass Sicherheitsstellen in Israel und Großbritannien inzwischen prüfen, ob ein politisches oder israelfeindliches Motiv vorliegen könnte. N12 beruft sich zudem auf hochrangige Vertreter der Luftfahrtbranche, die wegen der Häufung eine vorsätzliche Beschädigung nicht mehr ausschließen. Offizielle Anfragen seien an die zuständigen Stellen in London und Großbritannien übermittelt worden. Zugleich gilt: Bislang wurden keine Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, die eine absichtliche Tat beweisen.
Diese Einschränkung ist unverzichtbar. Ein Verdacht darf nicht zum Urteil werden. Doch ebenso unverantwortlich wäre es, eine auffällige Serie erneut als gewöhnliches Missgeschick abzulegen. Drei fast gleichartige Beschädigungen an Flugzeugen derselben israelischen Gesellschaft verlangen mehr als interne Gespräche und allgemeine Versicherungen.
Die britischen Behörden müssen klären, welche Beschäftigten bei den drei Vorfällen eingesetzt waren, welchen Unternehmen sie angehörten und ob es personelle Überschneidungen gab. Auch Aufnahmen der Überwachungskameras, Fahrdaten der Schleppfahrzeuge, Funkverkehr, Dienstpläne, Schulungsnachweise und mögliche politische Äußerungen beteiligter Mitarbeiter müssen gesichert und ausgewertet werden. Das ist keine Vorverurteilung, sondern das Mindestmaß einer glaubwürdigen Sicherheitsprüfung.
Sollten die Zusammenstöße tatsächlich zufällig erfolgt sein, wäre die Bilanz kaum beruhigender. Dann hätte London-Luton ein schwerwiegendes Problem bei Ausbildung, Kontrolle oder Organisation des Bodenpersonals. Ein Flugzeug kann durch einen solchen Aufprall nicht nur vorübergehend ausfallen. Beschädigungen an Rumpf, Fahrwerk oder anderen tragenden Teilen können hohe Reparaturkosten verursachen und im schlimmsten Fall die Sicherheit eines späteren Fluges gefährden, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden.
Sollte sich hingegen eine vorsätzliche Beschädigung bestätigen, wäre dies kein gewöhnlicher Sachschaden. Es wäre ein gezielter Angriff auf die israelische Zivilluftfahrt und damit auf Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes bereits in der Maschine befanden. Ein Flughafenmitarbeiter besitzt Zugang zu empfindlichen Bereichen, Fahrzeugen und Abläufen, die Außenstehenden verschlossen sind. Wer eine solche Stellung missbraucht, kann mit vergleichsweise einfachen Mitteln einen Flug verhindern und zahlreiche Menschen in Gefahr bringen.
Großbritannien darf die Angelegenheit deshalb nicht als lästige Auseinandersetzung zwischen einer Fluggesellschaft und einem Dienstleister behandeln. London-Luton trägt Verantwortung für jeden Betriebsvorgang auf seinem Gelände, auch wenn einzelne Leistungen von Fremdfirmen ausgeführt werden. Israelische Fluggesellschaften und ihre Passagiere müssen erwarten können, dass sie denselben Schutz erhalten wie jede andere Gesellschaft.
Noch steht nicht fest, ob hinter der Serie Hass, Absicht oder erschreckende Nachlässigkeit steckt. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass die bisherigen Kontrollen nicht genügt haben. Nach dem dritten beschädigten Israir-Flugzeug ist Schweigen keine angemessene Antwort mehr. London muss offenlegen, was geschehen ist, wer verantwortlich war und weshalb frühere Warnzeichen offenbar folgenlos blieben.
Autor: Redaktion
Sonntag, 19 Juli 2026