„From the river to the sea“ im Kinderzimmer der britischen Pfadfinder„From the river to the sea“ im Kinderzimmer der britischen Pfadfinder
Eine muslimische Pfadfinderorganisation ließ Kinder Bilder für Gaza gestalten. Zwischen Moscheen und Friedensbotschaften erschienen die Parole „From the river to the sea“ und Landkarten, auf denen Israel durch Palästina ersetzt wurde.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Der britische Pfadfinderverband untersucht eine GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Aktion der UK Muslim Scout Fellowship. Anlass sind Kinderzeichnungen, die von der mit dem Verband verbundenen muslimischen Pfadfinderorganisation veröffentlicht wurden. Mehrere Bilder zeigen nicht nur Solidarität mit palästinensischen Kindern, sondern politische Botschaften, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen das Recht auf staatliche Existenz absprechen können.
Die Aktion trug den Titel „Paint for Gaza Challenge“. Nach Darstellung der Muslim Scout Fellowship sollte sie „Liebe und Freundlichkeit gegenüber Kindern in Palästina“ ausdrücken. Viele der veröffentlichten Arbeiten zeigen die Al-Aqsa-Moschee, Herzen, Friedenstauben oder palästinensische Fahnen. Andere gehen deutlich weiter: Auf einzelnen Bildern steht „From the river to the seaFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen“. Wieder andere zeigen das gesamte Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer als Palästina. Israel kommt auf diesen Darstellungen nicht mehr vor.
Der britische Thinktank Henry Jackson Society wandte sich deshalb mit einer Beschwerde an die Scout Association. Der Dachverband bestätigte gegenüber der „JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post“, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Die Vorwürfe würden ernst genommen und sollten gründlich, unparteiisch und fair geprüft werden. Zugleich betonte der Verband, dass das Verfahren noch am Anfang stehe und die maßgeblichen Tatsachen zunächst festgestellt werden müssten. Ein Ergebnis liegt bislang nicht vor.
Das muss bei jeder Einordnung beachtet werden. Es ist bislang nicht festgestellt, wer die einzelnen Bilder gemalt hat, wie alt die beteiligten Kinder waren, welche Anweisungen sie erhielten und ob Verantwortliche der Muslim Scout Fellowship die politischen Parolen selbst vorgeschlagen, geduldet oder lediglich nachträglich veröffentlicht haben.
Fest steht jedoch, dass die Bilder auf einem offiziellen Auftritt der Organisation präsentiert wurden. Damit wurden aus Kinderzeichnungen öffentliche politische Botschaften.
Aus Mitgefühl wird politische Erziehung
Mitgefühl mit Kindern im Gazastreifen ist weder anstößig noch antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Kinder dürfen sich mit Krieg, Leid und humanitärer Hilfe beschäftigen. Eine Pfadfindergruppe kann Spenden sammeln, Friedensbilder malen oder über den Schutz von Zivilisten sprechen.
Etwas anderes geschieht, wenn Minderjährige in eine politische Kampagne einbezogen werden, in der der jüdische Staat von der Landkarte verschwindet.
Die Parole „From the river to the sea“ beansprucht das gesamte Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In diesem Gebiet liegt Israel. Wer den ganzen Raum ausschließlich als Palästina darstellt, lässt offen, welchen Platz die mehr als sieben Millionen Juden Israels in dieser Vorstellung noch besitzen sollen.
Verteidiger der Parole behaupten, sie stehe lediglich für Freiheit und gleiche Rechte. HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen verwendet jedoch nahezu dieselbe geografische Formel in ihrer politischen Programmatik für die vollständige „Befreiung Palästinas“. Nach dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 kann der Satz deshalb nicht wie eine harmlose Friedensbotschaft behandelt werden.
In Deutschland wird die Parole teilweise als Kennzeichen der verbotenen Terrororganisation Hamas verfolgt. Die Rechtslage ist allerdings nicht so eindeutig, wie es die Henry Jackson Society in ihrer Beschwerde offenbar darstellte. Deutsche Gerichte haben unterschiedlich entschieden. Das Landgericht Berlin stufte die Parole erneut als strafbares Hamas-Kennzeichen ein, während andere Gerichte eine Strafbarkeit vom konkreten Zusammenhang und einem erkennbaren Bezug zur Terrororganisation abhängig machen. Von einem überall und unter allen Umständen geltenden Verbot kann daher nicht gesprochen werden.
Für die britischen Pfadfinder ist die strafrechtliche Frage ohnehin nicht der entscheidende Maßstab. Der Verband verpflichtet sich selbst zu politischer Neutralität und wendet sich gegen Vorurteile, Diskriminierung und die Benachteiligung junger Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Nationalität, Religion oder politischen Überzeugung. Mitarbeiter und freiwillige Helfer sollen ihre persönliche politische Tätigkeit klar von der Pfadfinderbewegung trennen.
Genau hier liegt der mögliche Verstoß.
Eine öffentliche Aktion, in der Kinder israelfeindliche Parolen und Landkarten ohne Israel gestalten, ist nicht politisch neutral. Sie schafft auch keinen Raum, in dem sich jüdische Kinder oder Kinder mit Familie in Israel selbstverständlich willkommen fühlen können.
Man stelle sich ein jüdisches Kind in einer britischen Pfadfindergruppe vor, das auf dem offiziellen Internetauftritt einer verbundenen Organisation Bilder sieht, in denen das Heimatland seiner Angehörigen ausgelöscht wurde. Ihm wird nicht nur Mitgefühl mit palästinensischem Leid vermittelt. Ihm wird eine politische Zukunftskarte gezeigt, auf der Israel nicht mehr existiert.
Der Scout-Verband erklärt in seinen eigenen Richtlinien, dass kein junger Mensch wegen seiner nationalen Herkunft, seiner Religion oder seiner politischen Überzeugung benachteiligt oder belästigt werden dürfe. Die Untersuchung muss deshalb nicht nur klären, wer welches Bild gemalt hat. Sie muss klären, weshalb Verantwortliche die Ergebnisse veröffentlichten und ob überhaupt geprüft wurde, welche Botschaften damit verbreitet wurden.
Zusammenarbeit mit einer umstrittenen Organisation
Zusätzliche Fragen wirft die Zusammenarbeit mit Islamic Relief auf. Die „Paint for Gaza Challenge“ wurde nach der Veröffentlichung der Muslim Scout Fellowship gemeinsam mit der Hilfsorganisation durchgeführt.
Islamic Relief Worldwide ist eine große, international tätige Hilfsorganisation mit Sitz in Großbritannien. Israel erklärte die Organisation 2014 wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Finanzierung der Hamas zu einer unerlaubten Vereinigung und untersagte ihre Tätigkeit in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen. Islamic Relief weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Eine von der Organisation beauftragte Untersuchung erklärte damals, keine Belege für Verbindungen zum Terrorismus gefunden zu haben.
Diese gegensätzlichen Darstellungen dürfen nicht vermischt werden. Die israelische Einstufung ist eine staatliche Sicherheitsentscheidung, aber kein britisches Strafurteil gegen Islamic Relief Worldwide. Die Organisation bestreitet jede Unterstützung der Hamas.
Belegt ist jedoch ein anderer schwerer Vorgang. Die britische Charity Commission untersuchte Islamic Relief Worldwide, nachdem antisemitische und beleidigende ältere Beiträge eines damaligen Vorstandsmitglieds bekannt geworden waren. Während der Prüfung wurden vergleichbare Äußerungen eines weiteren damaligen Vorstandsmitglieds und eines früheren leitenden Mitarbeiters entdeckt. Die Aufsichtsbehörde erklärte, diese Beiträge seien mit den Pflichten und Verhaltensregeln einer Wohltätigkeitsorganisation unvereinbar gewesen. Die Beteiligten entschuldigten sich und verließen ihre Funktionen.
Eine unabhängige Untersuchung kam anschließend zu dem Ergebnis, dass Islamic Relief nicht als institutionell antisemitische Organisation einzustufen sei. Zugleich wurden Verbesserungen bei Auswahl, Kontrolle und Führung der Verantwortlichen verlangt. Islamic Relief erklärte, Antisemitismus und jede andere Form der Diskriminierung hätten keinen Platz in der Organisation.
Gerade diese Vorgeschichte hätte bei einer gemeinsamen Kinderaktion besondere Vorsicht verlangen müssen. Eine Organisation, die bereits wegen antisemitischer Aussagen früherer Führungspersonen unter Aufsicht stand, hätte verhindern müssen, dass eine Solidaritätsaktion für Gaza erneut Bilder verbreitet, die als Aufruf zur Beseitigung Israels verstanden werden können.
Dass Kinder solche Bilder malen, entlastet die Erwachsenen nicht. Kinder übernehmen Worte, Symbole und politische Deutungen aus ihrer Umgebung. Die Verantwortung liegt bei denjenigen, die eine Aufgabe formulieren, Materialien bereitstellen, Beiträge auswählen und sie anschließend öffentlich verbreiten.
Die Scout Association muss deshalb mehr prüfen als die Frage, ob ein einzelner Slogan gegen eine interne Regel verstößt. Sie muss untersuchen, ob unter ihrem Namen politische Indoktrination betrieben wurde.
Pfadfinderarbeit soll jungen Menschen Selbstständigkeit, Verantwortung, Respekt und Gemeinschaft vermitteln. Sie darf nicht dazu dienen, einen komplizierten Konflikt auf eine Landkarte zu reduzieren, auf der eine Seite vollständig verschwindet.
Palästinensische Kinder verdienen Schutz und Mitgefühl. Israelische und jüdische Kinder verdienen dasselbe. Eine Jugendorganisation, die nur das Leid der einen sichtbar macht und das Land der anderen ausradieren lässt, erzieht nicht zum Frieden.
Sie erzieht zur Ausgrenzung.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 23 Juli 2026