Sie halfen verfolgten Israelis und landeten selbst in griechischer HaftSie halfen verfolgten Israelis und landeten selbst in griechischer Haft
Zwei junge Israelis gewährten in einem Hotel auf Kreta verfolgten Landsleuten Schutz. Weil einer von ihnen eine Hacke zurückließ, wurden die Zimmerbewohner festgenommen.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Liam Maman und Yonatan Koren wollten in einem Hotel auf Kreta lediglich anderen Israelis Schutz bieten. Am nächsten Morgen stürmten Polizisten ihr Zimmer. Der Grund war eine dort zurückgelassene Hacke, die nach Angaben der Familien weder ihnen gehörte noch von ihnen benutzt worden war.
Eine spontane Entscheidung, anderen Menschen in Gefahr zu helfen, hat für zwei junge Israelis auf Kreta schwerwiegende Folgen. Liam Maman und Yonatan Koren, die gerade die Schule abgeschlossen haben und vor ihrem Militärdienst stehen, befinden sich seit Sonntag in griechischem Polizeigewahrsam. Die beiden waren gemeinsam in den Ferienort Malia gereist und wohnten dort in einem Hotel, das besonders bei jungen israelischen Urlaubern beliebt ist.
Nach Darstellung ihrer Familien waren Liam und Yonatan an dem Abend nicht ausgegangen. Sie befanden sich in ihrem Zimmer, als sie in der Nacht Hilferufe und aufgeregte Stimmen auf Hebräisch hörten. Vor ihrer Tür stand eine Gruppe israelischer Jugendlicher, die offenbar nach einer Auseinandersetzung verfolgt wurde. Die beiden öffneten das Zimmer und ließen die jungen Israelis hinein. Wenige Stunden später wurden nicht die mutmaßlichen Angreifer, sondern Liam und Yonatan festgenommen.
Nach Angaben von Yonatans Mutter Einav berichteten die Schutzsuchenden, der Streit habe vor einem Nachtlokal begonnen. Sie hätten „El, El, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“ gesungen und daraufhin feindselige antiisraelische Reaktionen erlebt. Eine größere Gruppe sei ihnen bis zum Hotel gefolgt und habe Gegenstände mitgeführt. In der entstehenden Panik hätten auch einige der Israelis Dinge aufgehoben, mit denen sie sich im Notfall verteidigen wollten.
Liam und Yonatan sollen an der ursprünglichen Auseinandersetzung weder beteiligt gewesen sein noch selbst einen Gegenstand getragen haben. Sie öffneten nach Darstellung der Familien lediglich die Tür, brachten die Verfolgten in Sicherheit und versuchten, Hilfe zu verständigen. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, verließen die anderen jungen Männer das Zimmer. Einer von ihnen ließ offenbar eine Hacke zurück.
Genau dieser Gegenstand wurde am folgenden Morgen zum Ausgangspunkt der Festnahme. Eine Hotelangestellte entdeckte die Hacke im Zimmer, fotografierte sie und verständigte die Polizei. Nach Angaben der Familien erschienen mehr als zehn Beamte, brachen in das Zimmer ein und nahmen Liam und Yonatan mit auf die Wache. Die griechischen Behörden verdächtigen die beiden demnach, einen gefährlichen Gegenstand beziehungsweise eine Waffe besessen zu haben.
Die Familien weisen diesen Verdacht entschieden zurück. Die Hacke habe nicht ihren Söhnen gehört und sei auch nicht von ihnen in das Zimmer gebracht worden. Sie sei von einem der jungen Israelis zurückgelassen worden, denen Liam und Yonatan Schutz gewährt hätten. Die beiden hätten keinen Anlass gesehen, ihre Reise abzubrechen oder vor der Polizei zu fliehen, weil sie davon überzeugt gewesen seien, nichts Unrechtes getan zu haben.
Diese Darstellung muss nun anhand von Hotelkameras, Zeugenaussagen und möglichen Mobiltelefonaufnahmen überprüft werden. Auch die Familienversion ist zunächst eine Darstellung einer Seite. Es ist Aufgabe der griechischen Justiz, zu klären, wer an der Auseinandersetzung beteiligt war, wem die Hacke gehörte und ob Liam oder Yonatan von ihrer Anwesenheit wussten.
Sollten die Angaben der Familien jedoch bestätigt werden, wäre der Vorgang kaum zu erklären. Dann wären zwei junge Männer festgenommen worden, weil sie Menschen in einer Bedrohungssituation die Tür öffneten und ein anderer anschließend einen Gegenstand in ihrem Zimmer zurückließ.
Die Ermittler müssen deshalb nicht nur feststellen, was in dem Hotelzimmer gefunden wurde. Sie müssen rekonstruieren, wie der Gegenstand dorthin gelangte. Wer trug ihn? Ist die Person auf Überwachungsbildern zu erkennen? Wer wurde vor dem Hotel verfolgt? Welche Gruppe stand draußen? Wurden auch mutmaßliche Beteiligte der ursprünglichen Auseinandersetzung vernommen oder konzentrierten sich die Ermittlungen zunächst auf die beiden Zimmerbewohner, weil sie am einfachsten zu erreichen waren?
Die Mütter der beiden Jugendlichen reisten inzwischen nach Griechenland. Einav, die Mutter von Yonatan, und Michal, die Mutter von Liam, fuhren nach ihrer Ankunft direkt zur Polizeistation. Die Familien beauftragten einen griechischen Rechtsanwalt und warten auf eine gerichtliche Entscheidung über die weitere Haft.
Weil die Anwaltskosten, Reisen und weiteren Ausgaben kurzfristig finanziert werden müssen, haben die Angehörigen eine Spendenaktion gestartet. Nach Einavs Angaben hätten sie nie damit gerechnet, die Öffentlichkeit um Geld bitten zu müssen. Nun konzentriere sich alles darauf, die beiden jungen Männer freizubekommen und nach Israel zurückzubringen.
Der Fall fällt in eine Zeit, in der israelische Urlauber in Griechenland wiederholt von Feindseligkeiten, Protesten und gewalttätigen Vorfällen berichten. In den vergangenen Jahren wurden Israelis unter anderem wegen hebräischer Gespräche, israelischer Symbole oder ihrer Herkunft beschimpft, verfolgt und angegriffen. Auch israelische Reiseberichte beschreiben eine wachsende Sorge vor antiisraelischen Anfeindungen in beliebten griechischen Urlaubsorten.
Dieser Hintergrund beweist noch nicht, dass der Vorfall in Malia antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen motiviert war. Bislang beruht die Behauptung, die Auseinandersetzung habe nach antiisraelischen Reaktionen begonnen, auf den Aussagen der beteiligten jungen Israelis gegenüber den Familien. Gerade deshalb müssen die griechischen Behörden auch diesen Teil sorgfältig untersuchen, statt den Fall auf einen im Hotelzimmer gefundenen Gegenstand zu reduzieren.
Es wäre ebenso falsch, Liam und Yonatan allein aufgrund ihrer Familienangaben bereits vollständig zu entlasten, wie es falsch wäre, sie wegen der Hacke automatisch für die Gewalt verantwortlich zu machen. Eine rechtsstaatliche Untersuchung muss unterscheiden zwischen Tätern, Beteiligten, Verfolgten und Menschen, die lediglich Schutz gewährten.
Die zentrale Frage ist einfach: Haben die beiden jungen Israelis eine Waffe besessen und sich an einer Auseinandersetzung beteiligt, oder wurden sie festgenommen, weil sie in einem entscheidenden Moment nicht wegsahen?
Hotelkameras und Zeugenaussagen müssten darauf schnell eine Antwort geben können. Bis dahin gilt auch in Griechenland die Unschuldsvermutung.
Wer Menschen auf der Flucht vor einer gewalttätigen Gruppe die Tür öffnet, darf nicht allein deshalb zum Beschuldigten werden. Sollte sich die Darstellung der Familien bestätigen, müssten Liam Maman und Yonatan Koren nicht nur unverzüglich freigelassen werden. Die Behörden müssten auch erklären, weshalb ausgerechnet jene jungen Männer in Haft blieben, die anderen helfen wollten.
Autor: Redaktion
Montag, 27 Juli 2026