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Judenhass erreicht Montenegros Urlaubsparadies

Judenhass erreicht Montenegros Urlaubsparadies


Montenegro galt Israelis lange als besonders gastfreundlich. Nach Angriffen auf israelische Touristen, Hassparolen und wachsender Feindseligkeit warnt nun selbst die kleine jüdische Gemeinschaft vor einer Veränderung im Land.

Judenhass erreicht Montenegros Urlaubsparadies
Bildnachweis: Pixabay

Am Eingang der montenegrinischen Stadt Nikšić steht ein ungewöhnliches Zeichen der Freundschaft zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Ein historisches Kampfflugzeug in den Farben der israelischen Luftwaffe erinnert an die geheime Operation von 1948, bei der Spitfire Maschinen über das damalige Jugoslawien nach Israel gebracht wurden. Eine Tafel bezeichnet das Denkmal als bleibende Erinnerung an die unzerbrechliche Freundschaft zwischen Montenegro und Israel. Erst 2024 wurde es eingeweiht.

Nur zwei Jahre später wirkt diese Botschaft weniger selbstverständlich.

Rabbi Ari Edelkopf, Leiter der Religious Jewish Community of Montenegro in Podgorica, beschreibt eine spürbare Veränderung seit dem Hamas Massaker7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen. Früher habe er nicht geglaubt, für jüdische Einrichtungen rund um die Uhr Sicherheitsmaßnahmen zu benötigen. Inzwischen gibt es in den größeren Städten Demonstrationen unter der Parole „Free GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“, seine Gemeinde beobachtet antisemitische Internetseiten und hat einen Anwalt eingeschaltet, um Entwicklungen zu verfolgen.

Montenegro ist damit noch weit von Zuständen entfernt, wie sie jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen inzwischen aus manchen westeuropäischen Staaten berichten. Aber gerade deshalb sind die jüngsten Vorfälle bemerkenswert. Sie treffen ein Land, das sich selbst lange als nahezu frei von AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen verstand und enge Beziehungen zu Israel pflegte. Noch bei einem offiziellen Besuch in Israel hatte Montenegros Regierung die guten Beziehungen hervorgehoben und den Bau eines jüdischen Kulturzentrums als Zeichen dieser Verbundenheit präsentiert.

Aus einem Streit wird plötzlich Israelhass

Besonders schwer wiegt ein Vorfall im Badeort Budva. Dort geriet im Juli eine Gruppe von zwölf israelischen Männern und acht Frauen nach Mitternacht in eine gewaltsame Auseinandersetzung mit Einheimischen. Wie der Streit begann, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Edelkopf geht davon aus, dass zunächst eine persönliche Auseinandersetzung vorlag. Nach seiner Darstellung änderte sich jedoch der Charakter der Gewalt, nachdem die Angreifer erfuhren, dass die Gruppe aus Israel stammte.

Nach Angaben des israelischen Ministeriums für Diasporaangelegenheiten wurden daraufhin antiisraelische Parolen gerufen. Das Ministerium stufte den Fall als gewaltsamen antiisraelischen Angriff ein und veröffentlichte dazu eine eigene Warnung. Auch in seinem späteren Bericht über antisemitische Vorfälle in der DiasporaDiaspora: Jüdisches Leben außerhalb IsraelsDiaspora bezeichnet die Zerstreuung eines Volkes außerhalb seiner historischen Heimat. In jüdischem Zusammenhang meint der Begriff besonders die jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels. Die jüdische Diaspora entstand durch Exil, Vertreibung, Migration und jahrhundertelanges Leben als Minderheit.Mehr lesen wurde der Angriff von Budva ausdrücklich aufgeführt.

Die Schilderungen der Betroffenen sind brutal. Edelkopf berichtet von Schlägen, geworfenen Metallstühlen und Zigaretten, die auf Gesichtern ausgedrückt worden seien. Mehrere Israelis wurden verletzt, ein Mann erlitt nach seinen Angaben einen Kieferbruch. Israel half Mitgliedern der Gruppe anschließend dabei, das Land schneller zu verlassen. Ein Verletzter musste zunächst zur Behandlung in Montenegro bleiben. Der israelische Bericht kritisierte außerdem, dass die Polizei während des Angriffs nicht eingegriffen habe.

Man sollte bei einem zunächst privaten Streit vorsichtig damit sein, jede Gewalttat automatisch als antisemitisch einzuordnen. Doch diese Vorsicht endet dort, wo Menschen wegen ihrer israelischen Herkunft beschimpft werden und plötzlich Parolen gegen Israel fallen. Wer jemanden nach der Frage nach seiner Herkunft mit „Free Palestine“ und Beleidigungen gegen Israel angreift, führt keine politische Debatte. Er macht Menschen zum Ersatzobjekt für seinen Hass auf einen Staat.

Genau diese Entwicklung ist inzwischen auch an anderer Stelle sichtbar. Bereits Anfang Juli wurden israelische Touristen in Plav, nahe der Grenzen zu Kosovo und Albanien, von einem Paar belästigt und als „Babymörder“ beschimpft. Der Vorfall wurde auch von israelischen Medien dokumentiert.

Damit entsteht ein Muster, das Europa inzwischen gut kennen sollte: Aus vermeintlicher Kritik an Israel wird die persönliche Anklage gegen Israelis. Aus dem politischen Schlagwort wird eine Rechtfertigung dafür, Menschen im Urlaub anzuschreien, zu bedrohen oder im schlimmsten Fall anzugreifen.

Eine kleine jüdische Gemeinschaft zwischen Vertrauen und Sorge

Dabei wäre es falsch, Montenegro pauschal zu einem antisemitischen Land zu erklären. Genau diese Differenzierung zeigt auch die jüdische Gemeinschaft selbst.

Nina Ofner Bokan, Präsidentin einer jüdischen Gemeinde und Vizepräsidentin des World Jewish Congress, beschreibt das Land weiterhin als sicher. Juden könnten ihrer Erfahrung nach Kippa oder Davidstern sichtbar tragen, und die Beziehungen zu anderen Religionsgemeinschaften seien eng.

Auch der World Jewish Congress beschreibt die jüdische Gemeinschaft Montenegros als klein, aber gut organisiert. Das Judentum wurde 2012 durch eine Vereinbarung mit der Regierung offiziell als vierte Religion des Landes anerkannt. Montenegro und Israel unterhalten volle diplomatische Beziehungen.

Gerade dieser Gegensatz macht die Entwicklung so beunruhigend. Montenegro besitzt keine lange jüngere Geschichte offen auftretender Judenfeindschaft. Der Staat hat sich bewusst um gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft bemüht. Israelische Besucher gehören seit Jahren zum sichtbaren Teil des Tourismus. Nach den im Ausgangsbericht genannten offiziellen Zahlen kamen 2025 mehr als 110.000 israelische Besucher ins Land, deutlich mehr als noch im Vorjahr. Insgesamt verzeichnete Montenegro 2025 rund 2,73 Millionen touristische Ankünfte.

Der Antisemitismus kommt deshalb nicht in ein gesellschaftliches Vakuum. Er trifft auf ein Land, das bislang gerade mit seiner religiösen Toleranz geworben hat.

Edelkopf sieht einen Teil der Ursache in der Berichterstattung über Israel. Nach seiner Einschätzung übernehmen montenegrinische Medien zunehmend Inhalte aus stark antiisraelisch ausgerichteten Quellen. In Teilen der Öffentlichkeit verfestige sich dadurch die Behauptung, Israel begehe einen Völkermord.

Das entschuldigt nichts. Menschen sind für ihre eigenen Handlungen verantwortlich. Aber es zeigt, wie politische PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen wirkt. Sie beginnt selten mit einem Schlag ins Gesicht. Sie beginnt mit einer Sprache, in der Israelis kollektiv zu Tätern erklärt werden, in der jüdische oder israelische Identität als politische Schuld gilt und in der irgendwann ein Tourist nicht mehr einfach ein Tourist ist, sondern stellvertretend für eine Regierung, einen Krieg oder sämtliche Entscheidungen Israels verantwortlich gemacht wird.

Montenegro steht deshalb an einem wichtigen Punkt. Noch gibt es starke staatliche Beziehungen zu Israel, eine aktive jüdische Gemeinschaft und zahlreiche Menschen, die jüdisches Leben ausdrücklich unterstützen. Gleichzeitig kann niemand mehr glaubwürdig behaupten, antisemitische oder antiisraelische Feindseligkeit sei im Land grundsätzlich kein Thema.

Die entscheidende Frage ist nun, wie Behörden und Politik reagieren. Gerade in einem Land mit einer kleinen jüdischen Gemeinschaft kann Schweigen schnell den Eindruck erzeugen, solche Vorfälle seien hinzunehmen. Edelkopf wartet nach eigener Aussage weiterhin auf eine klare Reaktion der Regierung auf den Angriff von Budva.

Montenegro hat viel zu verlieren. Nicht nur israelische Touristen und wirtschaftliche Beziehungen, sondern etwas Wertvolleres: den Ruf eines Landes, in dem Juden selbstverständlich leben und Israelis selbstverständlich zu Gast sein können.

Das Denkmal von Nikšić erzählt von einer Zeit, in der Menschen auf dem Balkan halfen, Flugzeuge für den jungen jüdischen Staat nach Israel zu bringen. Die Gegenwart wird daran gemessen werden, ob Montenegro auch heute bereit ist, diese Freundschaft zu verteidigen, wenn sie nicht nur auf einer Bronzetafel steht, sondern auf der Straße geprüft wird.




Autor: Redaktion
Samstag, 08 August 2026

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