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Schabbat-Streit legt Wizz-Air-Flug nach Tel Aviv lahm

Schabbat-Streit legt Wizz-Air-Flug nach Tel Aviv lahm


Ein Israeli wollte nach dem Schließen der Türen plötzlich aussteigen, weil der verspätete Flug erst am Schabbat landen würde. Was als religiöse Entscheidung begann, löste Sicherheitskontrollen, Angst vor einem Sprengsatz und sieben Stunden Verzögerung aus.

Schabbat-Streit legt Wizz-Air-Flug nach Tel Aviv lahm
Bildnachweis: Pixabay

Ein einzelner Passagier hat am Freitag auf einem Wizz-Air-Flug von Rom nach Tel Aviv eine Kette von Ereignissen ausgelöst, die für rund 300 Menschen mit Angst, Sicherheitskontrollen und stundenlangem Warten endete. Der israelische Reisende wollte das Flugzeug nach dem Schließen der Türen wieder verlassen. Als Grund gab er an, dass die Maschine aufgrund einer Verspätung erst nach Beginn des Schabbats in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen landen würde.

Was zunächst wie eine persönliche religiöse Entscheidung klingt, wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem Sicherheitsproblem.

Der Flug sollte ursprünglich etwa 20 Minuten vor Beginn des Schabbats in Israel ankommen. Bereits am Morgen hatte Wizz Air jedoch eine Verspätung angekündigt. Damit war nach Darstellung einer Passagierin schon vor dem Einsteigen erkennbar, dass sich die Landung wahrscheinlich in den Schabbat verschieben würde. Trotzdem bestieg der Mann die Maschine und erklärte erst, nachdem die Türen geschlossen worden waren, dass er unter diesen Bedingungen nicht fliegen könne.

Die israelische Medizinstudentin Ori Ratstein, die in Rom lebt und auf dem Weg zu ihrer Familie in Israel war, schilderte den Vorfall am Sonntag in der Sendung „Hadashot HaBoker“ von Keshet 12. Sie habe das Verhalten des Mannes als ungewöhnlich empfunden. Für die übrigen Passagiere sei insbesondere schwer nachvollziehbar gewesen, warum ihm das Problem erst an Bord bewusst geworden sei, obwohl die neue Flugzeit bereits bekannt gewesen sei.

Der Mann wollte aussteigen.

Damit begann der eigentliche Vorfall.

Aus religiöser Entscheidung wird ein Sicherheitsalarm

Nachdem ein bereits eingestiegener Passagier das Flugzeug wieder verlassen wollte, musste die Besatzung reagieren. Nach Angaben Ratsteins wurde das Handgepäck an Bord erneut überprüft. Unter Passagieren entstand die Sorge, der Mann könne möglicherweise einen Gegenstand oder sogar einen Sprengsatz im Flugzeug zurücklassen und anschließend aussteigen.

Für einen solchen Verdacht gibt es nach den bislang veröffentlichten Informationen keinen Beleg. Weder N12 noch die vorliegenden Berichte behaupten, dass der Passagier tatsächlich einen Anschlag geplant oder einen gefährlichen Gegenstand mitgeführt habe. Entscheidend ist vielmehr, dass sein ungewöhnlicher Ausstiegswunsch nach Abschluss des Einsteigens bei anderen Reisenden Sicherheitsängste auslöste.

Ratstein berichtete von weinenden Menschen und Eltern mit Kindern, die zunehmend nervös geworden seien. Einige Passagiere hätten den Mann angesprochen. Er habe während der Überprüfungen schweigend abseits gestanden. Für Menschen, die aus Israel kommen und seit Jahren mit einer außergewöhnlich angespannten Sicherheitslage leben, entwickelte sich daraus schnell ein bedrohliches Szenario.

Die Reaktion der Besatzung ist dabei nicht ungewöhnlich. Europäische Sicherheitsvorschriften sehen ausdrücklich Verfahren für den Fall vor, dass ein Passagier nach dem Einsteigen das Flugzeug vor dem Abflug wieder verlässt. Aufgegebenes Gepäck eines solchen Passagiers muss identifiziert und als unbegleitet behandelt werden. Es darf nur unter den dafür vorgesehenen Sicherheitsbedingungen weitertransportiert werden.

Das erklärt auch, warum aus dem Wunsch eines einzelnen Reisenden schnell ein erheblicher betrieblicher Aufwand entstehen kann. Es geht nicht einfach darum, die Flugzeugtür noch einmal zu öffnen und jemanden hinausgehen zu lassen. Gepäck muss zugeordnet, gegebenenfalls ausgeladen und die Sicherheitslage neu bewertet werden.

Nach dem Bericht von N12 erschien später auch die italienische Polizei.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Unruhe jedoch bereits auf weitere Reisende übertragen. Passagiere erklärten, ebenfalls aussteigen zu wollen, weil sie kein Risiko eingehen wollten. Schließlich wurde der ursprüngliche Flug abgebrochen. Das Gepäck musste aus dem Frachtraum geholt werden. Erst rund sieben Stunden nach der ursprünglich geplanten Zeit konnte die Reise nach Tel Aviv fortgesetzt werden.

Dass Wizz Air auf der Strecke Rom nach Tel Aviv reguläre Direktverbindungen anbietet, lässt sich auch anhand veröffentlichter Flugpläne nachvollziehen. Für Freitag, den 7. August, war unter anderem ein Wizz-Air-Malta-Flug von Rom nach Tel Aviv vorgesehen.

Schabbat halten ist Privatsache, die Folgen für 300 Menschen nicht

Der Vorfall besitzt eine religiöse Seite, sollte aber nicht zu einer Auseinandersetzung über den Schabbat gemacht werden.

Ein religiöser Jude hat selbstverständlich das Recht, den Schabbat einzuhalten und deshalb nicht zu fliegen. Niemand muss seine religiöse Überzeugung rechtfertigen.

Problematisch wird es dort, wo eine Entscheidung, die bereits vor dem Einsteigen möglich gewesen wäre, erst nach Abschluss des Boardings getroffen wird und damit Hunderte andere Menschen betrifft.

Nach der Darstellung der Passagierin war die Verspätung bereits vor dem Einsteigen bekannt. Wenn diese Schilderung zutrifft, hätte der Mann genügend Zeit gehabt, am Gate zu erklären, dass er aufgrund der neuen Ankunftszeit nicht mehr mitfliegen könne. Dann hätte die Fluggesellschaft sein Gepäck regulär behandeln und die übrigen Passagiere wahrscheinlich ohne einen solchen Sicherheitsvorfall abfertigen können.

Erst an Bord auszusteigen, verändert die Situation vollständig.

Gerade bei einem Flug nach Israel kann niemand erwarten, dass ein ungewöhnlicher Vorgang rund um einen Passagier, der nach dem Schließen der Türen plötzlich wieder aussteigen möchte, beiläufig behandelt wird. Sicherheitskräfte und Fluggesellschaften können nicht wissen, dass hinter einem ungewöhnlichen Verhalten tatsächlich nur eine religiöse Sorge steht. Sie müssen überprüfen, ob eine Gefahr besteht.

Die Besatzung hatte dabei kaum eine Alternative. Die europäische Luftfahrtregulierung gibt Piloten ausdrücklich weitreichende Befugnisse, Personen oder Gepäck aus Sicherheitsgründen nicht zu befördern oder aus dem Flugzeug entfernen zu lassen, wenn sie ein mögliches Risiko darstellen könnten.

Der Vorfall zeigt damit eine ungewöhnliche Kollision zwischen persönlicher Religionsausübung und der kompromisslosen Logik der Luftsicherheit.

Für den Passagier ging es offenbar darum, den Schabbat nicht im Flugzeug zu verbringen.

Für die übrigen Menschen an Bord ging es plötzlich um die Frage, warum jemand ein startbereites Flugzeug unbedingt verlassen wollte.

Dass manche sofort an einen möglichen Sprengsatz dachten, mag sich später als unbegründete Angst erwiesen haben. In der Situation selbst wussten sie das nicht.

Und genau deshalb trägt jeder Fluggast eine Verantwortung, Entscheidungen mit absehbaren Folgen rechtzeitig zu treffen. Wer weiß, dass er unter bestimmten Umständen nicht fliegen wird, sollte das sagen, bevor die Türen geschlossen werden.

Auf einem Flug mit rund 300 Menschen kann eine persönliche Entscheidung sonst innerhalb weniger Minuten zu einem Sicherheitsereignis für alle werden.

Am Freitag in Rom dauerte dieses Ereignis am Ende rund sieben Stunden.




Autor: Redaktion
Sonntag, 09 August 2026

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