Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei geht davon aus, dass beide noch leben

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei geht davon aus, dass beide noch leben


Fast eine Woche nach dem Verschwinden von Mali und Liel Yahalomi fehlt weiterhin jede Spur. Ermittler prüfen inzwischen sämtliche Szenarien, vom freiwilligen Untertauchen über ein Verbrechen bis zu einem nationalistisch motivierten Hintergrund. Gerüchte über eine Veruntreuung bei der Bank Jerusalem weist das Institut entschieden zurück.

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei geht davon aus, dass beide noch leben
Bildnachweis: IKG Wien

Fast eine Woche nach dem Verschwinden der beiden Israelinnen Mali und Liel Yahalomi in Wien stehen die Ermittler weiterhin vor einem Rätsel. Weder österreichische noch israelische Behörden haben bislang eine Spur gefunden, die erklären könnte, was mit Mutter und Tochter geschehen ist.

Ein hochrangiger israelischer Polizeivertreter erklärte gegenüber N12 am Donnerstagabend, die Ermittler gingen derzeit davon aus, dass beide Frauen noch am Leben sind.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine gesicherte Erkenntnis. Der Beamte beschrieb es ausdrücklich als Ausgangspunkt der Ermittlungen. Einen Hinweis darauf, wo sich Mali und Liel befinden oder weshalb der Kontakt zu ihnen abbrach, gibt es weiterhin nicht.

Besonders ungewöhnlich ist, dass bislang offenbar auch keine verwertbaren digitalen Spuren gefunden wurden.

Die Ermittlungen werden inzwischen gemeinsam von der Wiener Polizei und der israelischen Spezialeinheit Lahav 433 geführt. Nach Angaben des hochrangigen Ermittlers wird derzeit keine Möglichkeit ausgeschlossen.

Geprüft wird unter anderem, ob Mutter und Tochter ihr Verschwinden selbst geplant haben könnten. Ebenso untersuchen die Behörden die Möglichkeit eines Verbrechens durch eine lokale Tätergruppe in Wien. Auch ein nationalistisch oder terroristisch motivierter Hintergrund bleibt Bestandteil der Ermittlungen.

„Nichts ist ausgeschlossen“, fasste der Polizeivertreter die Lage gegenüber N12 zusammen. Es gebe weiterhin zahlreiche offene Fragen.

Damit hat sich die öffentliche Bewertung des Falles gegenüber den ersten Tagen verändert. Israelische Sicherheitsstellen hatten zunächst erklärt, ein terroristischer oder nationalistisch motivierter Hintergrund erscheine nach geheimdienstlichen Prüfungen eher unwahrscheinlich. Die Familie hatte sich anschließend gegen den Eindruck gewehrt, diese Möglichkeit sei bereits endgültig ausgeschlossen worden.

Nun bestätigt auch die Polizei ausdrücklich, dass weiterhin in alle Richtungen ermittelt wird.

Nachrichtensperre soll Ermittlungen schützen

Ein israelisches Gericht hat inzwischen eine Nachrichtensperre für Einzelheiten der Untersuchung verhängt. Nach Angaben der Polizei soll damit verhindert werden, dass Informationen öffentlich werden, die die laufenden Ermittlungen beeinträchtigen könnten.

Der Polizeivertreter räumte gleichzeitig ein, dass die Ermittler momentan keinen entscheidenden Ansatzpunkt besitzen. Sobald sich die Lage klarer darstelle, könne auch die Nachrichtensperre wieder aufgehoben werden.

Mali und Liel wurden zuletzt am Freitag, dem 7. August, in Wien gesehen. Seitdem besteht kein Kontakt mehr zu ihnen.

Die israelische Botschaft in Wien hatte deshalb bereits öffentlich um Mithilfe gebeten. Personen mit Informationen über den Aufenthaltsort der beiden Frauen sollen sich an die österreichische Polizei oder an die Notfallnummer der israelischen Botschaft unter 0676 3672304 wenden. Hinweise werden nach Angaben der Botschaft vertraulich behandelt.

Die Angehörigen haben israelischen Ermittlern inzwischen sämtliche Informationen übergeben, die ihnen zur Verfügung stehen. Sie verlangen weiterhin, auch einen möglichen nationalistisch motivierten Hintergrund ernsthaft zu prüfen, solange Mali und Liel nicht gefunden wurden.

Bank weist Gerüchte über Veruntreuung zurück

Für zusätzliche Unruhe sorgten am Donnerstag Spekulationen über die berufliche Tätigkeit von Mali Yahalomi bei der Bank JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen.

Die Gerüchte hatten offenbar sogar Auswirkungen auf den Aktienkurs des Instituts. Die Bank reagierte deshalb mit einer ausdrücklichen Erklärung an ihre Kunden.

Nach einer umfassenden internen Prüfung gebe es keinerlei Anlass für den Verdacht, Mali Yahalomi habe Kundengelder veruntreut, teilte die Bank mit.

Die Gelder der Kunden seien sicher und würden entsprechend den gesetzlichen Vorschriften und internen Kontrollmechanismen verwaltet. Auch der Geschäftsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter.

Diese Klarstellung ist wichtig, weil bislang keinerlei belastbare Erkenntnisse vorliegen, die das Verschwinden mit ihrer beruflichen Tätigkeit oder einer finanziellen Straftat verbinden.

Spekulationen über einen solchen Zusammenhang dürfen deshalb nicht als Tatsachen dargestellt werden.

Der Fall bleibt damit so rätselhaft wie zuvor.

Es gibt keinen bekannten Tatort, keinen festgestellten Täter, bislang keine verwertbare digitale Spur und nach Angaben der Ermittler auch noch kein erkennbares Motiv.

Gleichzeitig besteht weiterhin die Hoffnung, dass Mali und Liel Yahalomi lebend gefunden werden.

Genau davon geht die Polizei bei ihrer Suche derzeit aus.

Wer Hinweise zum Aufenthaltsort der beiden Frauen besitzt, kann sich an die österreichische Polizei oder unter 0676 3672304 an die israelische Botschaft in Wien wenden.




Autor: Redaktion
Freitag, 14 August 2026

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