Athen warnt Ankara: Griechenland will türkischen Vorstößen notfalls militärisch entgegentretenAthen warnt Ankara: Griechenland will türkischen Vorstößen notfalls militärisch entgegentreten
Griechenland verschärft den Ton gegenüber der Türkei. Außenminister Gerapetritis kündigt an, souveräne Rechte notfalls mit Fregatten und Kampfjets zu schützen. Zugleich rückt Athen sicherheitspolitisch näher an Israel.

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Der Ton zwischen Griechenland und der Türkei wird wieder deutlich schärfer. Außenminister Giorgos Gerapetritis hat Ankara unmissverständlich gewarnt, dass Athen Verletzungen seiner souveränen Rechte nicht hinnehmen und, wenn nötig, auch unmittelbar vor Ort reagieren werde. Die Phase einer griechischen Außenpolitik, die türkische Vorstöße lediglich diplomatisch begleite, sei vorbei.
Dabei handelt es sich nicht nur um eine zugespitzte Wiedergabe israelischer Medien. Das griechische Außenministerium veröffentlichte das vollständige Interview Gerapetritis' mit dem Fernsehsender OPEN. Darin erklärte er auf die konkrete Frage, ob Griechenland im Fall türkischer Kriegsschiffe eigene Fregatten entsenden würde, Griechenland werde seine souveränen Rechte vollständig ausüben. Athen habe bereits bewiesen, dass es Fregatten und F-16 einsetzen könne. Wenn es notwendig werde, werde es auch diesmal Fregatten und modernisierte F-16 geben.
Gerapetritis verbindet diese Drohung ausdrücklich mit dem Versuch, einen offenen Konflikt zu vermeiden. Griechenland wolle Frieden und funktionierende Beziehungen zur Türkei, jedoch nicht um den Preis eigener Rechte. Schon am Wochenende hatte er erklärt, die Zeit der "passiven diplomatischen Untätigkeit" sei endgültig vorbei. Griechenland wolle Frieden "aus einer Position der Stärke".
Auslöser der jüngsten Auseinandersetzung sind mehrere miteinander verbundene Streitpunkte in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer. Besonders scharf reagiert Athen auf zwei von Ankara im August per Präsidialdekret ausgewiesene türkische "nationale Meeresparks". Nach Auffassung des griechischen Außenministeriums reichen diese teilweise über türkische Hoheitsgewässer hinaus und erfassen Gebiete, die Griechenland seinem Festlandsockel zurechnet. Athen bezeichnet die türkischen Maßnahmen deshalb als rechtswidrig und rechtlich wirkungslos. Die türkische Regierung wiederum weist seit Langem griechische maritime Planungen zurück und warnt ebenfalls vor einseitigen Maßnahmen in der Ägäis.
Besonders brisant ist die Frage, was geschieht, wenn der territoriale Streit nicht mehr nur auf Karten und in diplomatischen Erklärungen ausgetragen wird. Griechenland plant weitere Arbeiten für die Stromverbindung zwischen Kreta und Zypern. Bei früheren Untersuchungen in diesem Zusammenhang kam es bereits zu Spannungen mit der Türkei. Im OPEN-Interview wurde Gerapetritis deshalb ausdrücklich gefragt, ob Griechenland reagieren werde, wenn türkische Kriegsschiffe entsprechende Arbeiten behinderten. Seine Antwort ließ wenig Spielraum: Griechenland verfüge über mehrere Möglichkeiten und werde sich im Ernstfall nicht zurückziehen.
Griechenland rüstet auf und verweist demonstrativ auf seine militärischen Fähigkeiten
Die neue Härte Athens hängt auch mit der erheblichen Modernisierung der griechischen Streitkräfte zusammen. Griechenland verfügt inzwischen über französische Rafale-Kampfflugzeuge, modernisiert große Teile seiner F-16-Flotte und baut seine Marine mit FDI-Fregatten der Belharra-Klasse aus. Hinzu kommt die geplante Einführung amerikanischer F-35.
Gerapetritis verwies darauf ausdrücklich als Teil einer veränderten Kräftebalance. Die Jahre vergleichsweise ruhiger Beziehungen zur Türkei habe Griechenland genutzt, um Wirtschaft, Diplomatie und Verteidigung zu stärken. Ankara sei weiterhin bei seinen alten Forderungen geblieben, Griechenland stehe diesen heute jedoch aus einer wesentlich stärkeren Position gegenüber.
Dabei geht es um mehr als militärische Hardware. Athen baut zugleich seine regionalen Partnerschaften aus. In seinem Interview nannte Gerapetritis ausdrücklich die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und die trilaterale Zusammenarbeit mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und Zypern als Bündnisse, die Griechenland zusätzliche Sicherheit verschafften. An anderer Stelle bezeichnete er die strategische Vereinbarung mit Israel als wichtigen Bestandteil einer breit angelegten griechischen Außenpolitik.
Gerade diese Verbindung erhält vor dem Hintergrund der wachsenden Spannungen zwischen Israel und der Türkei zusätzliche Bedeutung.
Nach Berichten israelischer Medien sprechen griechische Regierungsvertreter inzwischen von einer erneuten Erwärmung der Beziehungen zu JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen. Quellen aus der israelischen Verteidigungsindustrie erklärten gegenüber N12, mehrere Prozesse seien durch den Krieg verzögert worden, würden nun aber mit größerer Intensität fortgesetzt. Die militärische Zusammenarbeit solle künftig stärker und sichtbarer werden. Eine jüngste gemeinsame Luftwaffenübung über dem Mittelmeer wurde von israelischen Quellen ausdrücklich auch als Signal an die Türkei beschrieben.
Das bedeutet nicht, dass Griechenland und Israel ein gegen die Türkei gerichtetes Militärbündnis bilden. Israelische Stellen haben entsprechende Berichte über eine gemeinsame Eingreiftruppe mit Griechenland und Zypern bereits zurückgewiesen. Tatsächlich geht es bislang um engere Koordination, gemeinsame Übungen, Nachrichtenaustausch und Rüstungsgeschäfte. Israelische Quellen sprechen dennoch offen davon, gegenüber Ankara eine abschreckende regionale Struktur schaffen zu wollen.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Interessen Jerusalems und Athens zunehmend an ähnlichen Stellen auf die türkische Regionalpolitik treffen. Griechenland sieht sich seit Jahrzehnten türkischen Ansprüchen in der Ägäis und rund um Zypern gegenüber. Israel beobachtet gleichzeitig den wachsenden türkischen militärischen Einfluss in Syrien mit Sorge. Hinzu kommen Erdogans aggressive Rhetorik gegenüber Israel und der türkische Anspruch, seinen Einfluss im östlichen Mittelmeer weiter auszubauen.
Die Beziehungen zwischen Athen und Jerusalem bekommen dadurch eine neue strategische Bedeutung. Für Griechenland ist Israel ein technologisch und militärisch starker Partner. Für Israel bilden Griechenland und Zypern einen wichtigen westlichen Korridor im östlichen Mittelmeer und zugleich ein Gegengewicht zu einem immer selbstbewusster auftretenden Ankara.
Athen will keinen Krieg, aber Ankara soll die neue Grenze erkennen
Gerapetritis formuliert deshalb bewusst keine Kriegsdrohung gegen die Türkei. Er betonte mehrfach, dass Kommunikationskanäle offenbleiben und Streitigkeiten möglichst auf Grundlage des internationalen Rechts gelöst werden sollen. Griechenland schlägt weiterhin vor, die Abgrenzung von Festlandsockel und ausschließlichen Wirtschaftszonen dem Internationalen Gerichtshof vorzulegen.
Doch die bisherige Formel der "ruhigen Gewässer" bekommt einen entscheidenden Zusatz. Dialog soll nach Vorstellung Athens nicht mehr bedeuten, türkische Schritte hinzunehmen, um eine Krise zu verhindern. Sollte Ankara versuchen, nach griechischer Auffassung souveräne Rechte auf See praktisch einzuschränken, will Griechenland darauf ebenfalls praktisch reagieren.
Die Botschaft an Erdogan ist damit ungewöhnlich deutlich: Athen sucht keinen militärischen Konflikt, will die Angst vor einem solchen Konflikt aber auch nicht länger zum Vorteil der Türkei werden lassen.
Dass Griechenland dabei gleichzeitig seine Streitkräfte modernisiert und die strategische Zusammenarbeit mit Israel ausbaut, verschiebt die regionale Lage zusätzlich. Israel und Griechenland haben unterschiedliche Konflikte mit Ankara und verfolgen nicht in allen Fragen dieselben Interessen. Doch beide Staaten betrachten den wachsenden türkischen Machtanspruch inzwischen mit erheblich größerem Misstrauen.
Für Erdogan entsteht damit im östlichen Mittelmeer eine Entwicklung, die Ankara kaum gefallen dürfte. Griechenland tritt militärisch selbstbewusster auf, Zypern bleibt eng mit Athen verbunden und Israel baut seine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit beiden Staaten weiter aus.
Aus den früheren "ruhigen Gewässern" ist deshalb noch keine Konfrontation geworden. Aber Griechenland macht deutlich, dass Ruhe für Athen künftig nicht mehr dasselbe bedeutet wie Zurückhaltung.
Autor: Redaktion
Dienstag, 25 August 2026