Während Teile Europas auf Distanz gehen, macht Nordmazedonien Israel zur außenpolitischen PrioritätWährend Teile Europas auf Distanz gehen, macht Nordmazedonien Israel zur außenpolitischen Priorität
Nordmazedonien baut seine Beziehungen zu Israel gezielt aus. Geplant sind engere Kooperation bei Verteidigung, Wirtschaft und Cybersecurity, neue Direktflüge und eine klare gemeinsame Linie gegenüber Iran

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Während sich Teile Europas gegenüber IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zunehmend auf Distanz positionieren, geht Nordmazedonien bewusst in die entgegengesetzte Richtung. Die Regierung in Skopje hat die Vertiefung der Beziehungen zu JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen ausdrücklich zu einer ihrer außenpolitischen Prioritäten gemacht. Beim ersten offiziellen Israel-Besuch von Außenminister Timčo Mucunski wurde deutlich, dass es dabei längst nicht mehr nur um politische Solidarität geht. Beide Staaten wollen ihre Zusammenarbeit in Wirtschaft, Verteidigung, Cybersecurity, Gesundheit, Landwirtschaft, Tourismus, Bildung und weiteren Bereichen erheblich ausbauen.
Mucunski traf in Jerusalem seinen israelischen Amtskollegen Gideon Sa’ar. Beide Minister unterzeichneten Kooperationsvereinbarungen und berieten darüber, wie aus den bereits engen politischen Beziehungen konkrete gemeinsame Projekte entstehen können. Zur Sprache kamen auch Investitionen und eine stärkere Zusammenarbeit der Verteidigungsindustrien beider Länder.
Für Nordmazedonien ist diese Annäherung keine diplomatische Momentaufnahme. Ministerpräsident Hristijan Mickoski betrachtet engere Beziehungen zu Israel nach Angaben seines Außenministers als notwendig für den Erfolg des eigenen Landes. Seit dem Amtsantritt seiner Regierung 2024 sei die Partnerschaft mit Israel deshalb gezielt aufgewertet worden.
„Es gibt viele Dinge, die wir von Ihnen lernen können“, erklärte Mucunski im Gespräch mit der Jerusalem Post. Beide Länder teilten zahlreiche Werte und hätten mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Nordmazedonien und Israel seien Demokratien mit marktwirtschaftlicher Orientierung und einer ähnlichen internationalen Grundausrichtung.
Gerade in einer Zeit, in der Israel in Europa verstärkt mit diplomatischem Druck, Boykottforderungen und politischen Sanktionen konfrontiert wird, ist diese Haltung bemerkenswert. Nordmazedonien ist NATO-Mitglied, EU-Beitrittskandidat und richtet seine Außenpolitik nach eigenen Angaben vollständig an der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union aus. Engere Beziehungen zu Jerusalem sieht Skopje dennoch nicht als Widerspruch zu seiner europäischen Orientierung. Israel wird vielmehr als natürlicher Partner betrachtet.
Nordmazedonien will zum Tor für israelische Unternehmen werden
Die neue Partnerschaft soll für beide Seiten ganz praktische Vorteile bringen. Eine der Ideen ist die Wiederaufnahme direkter Flugverbindungen zwischen Israel und Nordmazedonien. Im Gespräch sind Verbindungen zwischen Tel Aviv und Skopje sowie zwischen Tel Aviv und Ohrid, einem der wichtigsten Tourismuszentren des Balkanstaates.
Doch Mucunski denkt weit über zusätzliche israelische Urlauber hinaus. Nordmazedonien liegt an den europäischen Verkehrskorridoren 8 und 10 und investiert in seine Energieanbindung. Skopje möchte diese geografische Lage nutzen, um israelischen Unternehmen einen zusätzlichen Zugang zu europäischen Märkten zu bieten.
„Wir wollen ein Tor für Israelis sein, die Europa besuchen wollen“, erklärte Mucunski. Dies gelte ausdrücklich nicht nur für Touristen, sondern ebenso für israelische Unternehmen und Investoren. Nordmazedonien sieht sich dabei sowohl als möglicher Investitionsstandort als auch als Absatzmarkt für israelische Produkte.
Bei den Gesprächen der Außenminister standen entsprechend Wirtschaft, Verteidigung und Verteidigungsindustrie, Cybersecurity, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Tourismus auf der Tagesordnung. Zwei bilaterale Dokumente sollen außerdem die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Kultur, Jugend und Sport sowie die wirtschaftspolitischen Konsultationen vertiefen.
Dass die Beziehungen zuletzt erheblich an Fahrt aufgenommen haben, zeigt sich auch an der Zahl gegenseitiger Kontakte. Bereits im Januar führte Rashela Mizrahi, die erste jüdische Abgeordnete Nordmazedoniens seit der Unabhängigkeit, eine parlamentarische Delegation nach Israel. Im Juni reiste Skopjes Bürgermeister Orce Gjorgjievski zur MUNI EXPO nach Israel, um sich unter anderem über israelische Erfahrungen bei kommunaler Krisenvorsorge, Wassermanagement und Innovation zu informieren.
Die Visite Mucunskis hebt diese Entwicklung nun auf die Ebene der Außenministerien.
Als Nordmazedonien Hilfe brauchte, kam Israel
Hinter der politischen Annäherung steht allerdings mehr als bloß wirtschaftliches Kalkül. Für Mucunski besitzt die Beziehung zu Israel spätestens seit der Katastrophe von Kočani im März 2025 auch eine sehr persönliche Dimension.
Bei dem verheerenden Brand im Nachtclub „Pulse“ kamen Dutzende Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Das Unglück stellte das kleine Balkanland vor enorme medizinische Herausforderungen.
Einer der ersten Außenminister, die Mucunski nach der Katastrophe anriefen, war Gideon Sa’ar. Israel beließ es nicht bei Beileidsbekundungen. Eine medizinische Delegation wurde nach Nordmazedonien geschickt. Bereits ungefähr einen Tag nach dem Unglück arbeiteten israelische Ärzte gemeinsam mit ihren nordmazedonischen Kollegen und operierten Schwerverletzte.
Für Mucunski ist diese Erfahrung bis heute ein Beweis dafür, was die Partnerschaft bedeutet, wenn sie nicht nur auf dem Papier bestehen muss.
„Diese Situation war der Beweis, dass Israel meinem Land beisteht“, erklärte er.
Nordmazedonien sieht seine diplomatische Unterstützung Israels als andere Seite derselben Partnerschaft. Skopje habe seinerseits bewiesen, dass es Israel in schwierigen Situationen zur Seite stehe, erklärte Mucunski. Gideon Sa’ar dankte Nordmazedonien ausdrücklich für dessen Verhalten in internationalen Gremien und dessen Abstimmungsverhalten, insbesondere seit dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023.
Israel wisse zu schätzen, welche Freunde auch in schwierigen Zeiten an seiner Seite blieben, betonte Sa’ar.
Das ist gerade deshalb von Bedeutung, weil Freundschaft mit Israel in Teilen Europas inzwischen einen politischen Preis haben kann. Nordmazedonien scheint diesen Preis nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern die Zusammenarbeit mit Jerusalem als eigenen strategischen Vorteil zu betrachten.
Klare Worte zu Iran: Die Bedrohung endet nicht an Israels Grenze
Besonders deutlich positionierte sich Mucunski gegenüber dem iranischen Regime. Teheran gehört für ihn zu einer Achse autoritärer Staaten, die demokratische Gesellschaften und deren Lebensweise destabilisieren wollen.
Dabei lehnt er die in Europa noch immer verbreitete Vorstellung ab, das iranische Nuklearprogramm sei in erster Linie ein Problem Israels oder der Vereinigten Staaten. Ein nuklear bewaffneter oder auch nur unmittelbar nuklearwaffenfähiger Iran sei ebenso eine Gefahr für Europa.
Mucunski geht sogar einen Schritt weiter: Das Ziel dürfe nicht erst sein, Iran am Bau einer fertigen Atombombe zu hindern. Die Islamische Republik dürfe gar nicht erst die Fähigkeit erreichen, kurzfristig eine solche Waffe herstellen zu können.
„Die Bedrohung durch eine iranische Atomwaffe ist keine Bedrohung nur für die israelische oder amerikanische Sicherheit. Sie ist auch eine Bedrohung für die europäische Sicherheit“, erklärte der Außenminister. Wer dies ignoriere, verweigere sich der Realität.
Für einen NATO-Staat am südöstlichen Rand Europas ist das keine theoretische Überlegung. Nordmazedonien betrachtet die Instabilität im Nahen Osten, iranische Machtprojektion und die Nähe des Bündnisgebiets als zusammenhängende Sicherheitsfragen. Mucunski stellte deshalb auch klar, dass sein Land die amerikanische Politik zur langfristigen Abschreckung Teherans unterstützt.
Seine Haltung zu Israels Recht auf Verteidigung formulierte er ebenso unmissverständlich. Niemand könne sich vorstellen, was Israel seit dem 7. Oktober durchlebt habe. Wenn Gewalt und Terror eingesetzt würden, um Demokratien und ihre Lebensweise anzugreifen, seien diese Demokratien verpflichtet zu reagieren.
Das sind Worte, die in Jerusalem derzeit aufmerksamer gehört werden dürften als manche Erklärung aus westeuropäischen Hauptstädten.
Klare Reaktion auf Antisemitismus
Die Beziehungen zwischen Nordmazedonien und dem jüdischen Volk reichen wesentlich weiter zurück als die diplomatischen Beziehungen zwischen den heutigen Staaten. Jüdisches Leben existierte auf dem Gebiet des heutigen Nordmazedoniens über Jahrhunderte. Während des HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen wurde die Gemeinde nahezu ausgelöscht. Mehr als 7.000 Juden aus dem Gebiet wurden 1943 während der bulgarischen Besatzung nach Treblinka deportiert, kaum jemand kehrte zurück.
Heute ist die jüdische Gemeinde klein. Für Mucunski ändert das nichts an ihrer Bedeutung für das Land. Er bezeichnete sie als integralen Bestandteil der verfassungsmäßigen Ordnung und als respektierten Teil der nordmazedonischen Gesellschaft. Sein Land werde alles tun, um AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen sowohl im eigenen Land als auch darüber hinaus zu bekämpfen.
Dass diese Aussage inzwischen keine abstrakte Verpflichtung mehr ist, zeigte sich im April. Zwei Männer sollen über einen Zaun der Synagoge und des jüdischen Gemeindezentrums in Skopje geklettert und dort einen Brandsatz beziehungsweise Brandbeschleuniger eingesetzt haben. Tür und Innenhof wurden beschädigt. Nach dem in der Jerusalem Post wiedergegebenen Stand wurden zwei Männer im Zusammenhang mit dem Anschlag wegen Terrorismus angeklagt, weitere Personen waren im Zuge der Ermittlungen festgenommen worden.
Mucunski hob vor allem die schnelle staatliche Reaktion hervor. Bei solchen Taten müsse sowohl politisch als auch institutionell unmittelbar gehandelt werden. Andernfalls ermögliche man Antisemitismus, sich in einer Gesellschaft auszubreiten.
Seine Zusage fiel entsprechend eindeutig aus: „In unserem Land wird das nicht toleriert.“
Damit setzt Nordmazedonien einen bemerkenswerten Akzent in Europa. Skopje behauptet nicht, frei von Antisemitismus zu sein. Ein schwerer Angriff hat gerade das Gegenteil gezeigt. Entscheidend ist vielmehr, wie Regierung und Sicherheitsbehörden darauf reagieren und welche politische Botschaft sie aussenden.
Gleichzeitig vertieft das Land seine Zusammenarbeit mit Israel nicht trotz des wachsenden Drucks auf Jerusalem, sondern aus Überzeugung, dass beide Staaten gemeinsame Interessen und gemeinsame Gegner haben.
Die Partnerschaft reicht inzwischen von Krankenhäusern und Wasserwirtschaft über Cybersecurity und Tourismus bis zur Verteidigungsindustrie. Direkte Flugverbindungen sollen folgen, israelische Unternehmen sollen Nordmazedonien stärker als Zugang zu Europa nutzen können.
Während andernorts darüber diskutiert wird, wie weit man Israel isolieren, sanktionieren oder unter politischen Druck setzen sollte, stellt Skopje eine andere Frage: Was können beide Länder gemeinsam erreichen?
Für Israel dürfte gerade diese Haltung derzeit besonders wertvoll sein.
Autor: Redaktion
Samstag, 29 August 2026