Vier Männer gestehen Brandanschlag auf jüdische Rettungswagen in London

Vier Männer gestehen Brandanschlag auf jüdische Rettungswagen in London


Vier Männer gestehen den Brandanschlag auf jüdische Rettungswagen in London. Die Polizei behandelte die Tat von Beginn an als antisemitisches Hassverbrechen.

Vier Männer gestehen Brandanschlag auf jüdische Rettungswagen in London
Bildnachweis: Pixabay / Symbolbild

Fast ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brandanschlag auf die jüdische Rettungsorganisation Hatzola in London haben vier Angeklagte ihre Beteiligung eingeräumt. Hamza Iqbal, 20, Rehan Khan, 19, Judex Atshatshi, 18, und Saif Ali, 18, bekannten sich am Freitag vor dem Old Bailey schuldig, Eigentum zerstört oder beschädigt und dabei zumindest billigend in Kauf genommen zu haben, dass Menschenleben gefährdet werden könnten. Alle vier bleiben bis zur Strafzumessung in Haft. Diese wird voraussichtlich im Frühjahr 2027 stattfinden.

Der Angriff ereignete sich in der Nacht zum 23. März im Londoner Stadtteil Golders Green, einem Zentrum jüdischen Lebens in der britischen Hauptstadt. Vier vollständig ausgerüstete Rettungswagen von Hatzola wurden auf einem Parkplatz unmittelbar bei einer Synagoge angezündet.

Durch das Feuer explodierten Sauerstoff- beziehungsweise Gasflaschen in den Fahrzeugen. Auch benachbarte Wohnungen und die Synagoge wurden beschädigt. 34 Anwohner mussten in der Tatnacht vorsorglich ihre Wohnungen verlassen. Der Gesamtschaden wird auf rund eine Million Pfund geschätzt.

Das Ziel war dabei keine gewöhnliche Fahrzeugflotte. Hatzola ist ein von jüdischen Freiwilligen betriebener Rettungsdienst, der eng mit dem britischen Gesundheitswesen zusammenarbeitet. Zwar entstand die Organisation aus den Bedürfnissen der orthodox-jüdischen Gemeinschaft, ihre medizinische Hilfe steht jedoch Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion zur Verfügung.

Die britische Regierung bezeichnete die Brandstiftung bereits unmittelbar nach der Tat als antisemitischen Angriff. Später stellte sie Hatzola Mittel für vier neue Rettungswagen zur Verfügung.

Ermittler sehen einen gezielten Angriff auf jüdisches Leben

Auch die Staatsanwaltschaft geht nach den bisherigen Gerichtsberichten davon aus, dass die Rettungswagen gezielt ausgewählt wurden, weil sie zu einer jüdischen Organisation gehörten. Bei einer früheren Anhörung wurden zudem Details zur Vorbereitung der Tat bekannt.

Nach Gerichtsberichten soll Saif Ali bereits vor dem Anschlag online recherchiert haben, wie viel Rettungswagen kosten. Ihm wird außerdem zugeschrieben, das blaue Toyota-Fluchtfahrzeug organisiert zu haben. WhatsApp-Nachrichten zwischen Beteiligten sollen sich mit dessen Kauf beschäftigt haben. Bei seiner Festnahme am 1. April soll Ali sein Mobiltelefon aus einem Fenster geworfen haben.

Ein fünfter Beschuldigter, der 18-jährige Subhan Ahmed, bestreitet den Vorwurf, nach der Tat bei der Beseitigung des verwendeten Fahrzeugs geholfen zu haben. Er bekannte sich am Freitag nicht schuldig und soll voraussichtlich im Januar 2027 vor Gericht stehen. Für ihn gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Besonders brisant bleibt ein möglicher terroristischer Hintergrund.

Die Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyya, auch als Islamic Movement of the Companions of the Right bezeichnet und mit HAYI beziehungsweise IMCR abgekürzt, reklamierte den Anschlag auf die Hatzola-Fahrzeuge öffentlich für sich. Nach dem Angriff folgte in London eine Serie weiterer Brandanschläge gegen jüdische beziehungsweise israelische Ziele, iranische Oppositionelle und das persischsprachige Medium Iran International.

Die britische Regierung verhängte im Juli Sanktionen gegen HAYI und bezeichnete die Organisation dabei ausdrücklich als iranisch verbundene kriminelle Gruppe. London erklärte, HAYI habe öffentlich die Verantwortung für sieben Angriffe auf britische Ziele übernommen, darunter den Brandanschlag auf die Hatzola-Rettungswagen. Bereits im Juni hatten Großbritannien, Deutschland, die USA und weitere Staaten eine von HAYI beanspruchte Angriffskampagne gegen jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen, iranische Journalisten und amerikanische Interessen verurteilt.

Für die Berichterstattung ist allerdings eine wichtige Grenze einzuhalten: Dass HAYI die Tat für sich beanspruchte und von Großbritannien als Iran-nah sanktioniert wurde, beweist noch nicht, dass die vier Männer im Auftrag der Gruppe oder des iranischen Regimes handelten.

Die Staatsanwaltschaft hat von einem möglichen „terroristischen Zusammenhang“ gesprochen. Ein direkter Zusammenhang zwischen den vier geständigen Tätern und iranischen Stellen oder HAYI wurde in der jetzigen Gerichtsverhandlung jedoch nicht festgestellt. Genau diese Trennung ist notwendig.

Das ändert nichts an dem, was inzwischen feststeht.

Vier Männer haben eingeräumt, vier Rettungswagen einer jüdischen Hilfsorganisation zerstört und dabei Menschenleben gefährdet zu haben. Der Angriff erfolgte auf einem Gelände bei einer Synagoge, verursachte rund eine Million Pfund Schaden und traf ausgerechnet Fahrzeuge, deren einziger Zweck darin bestand, Verletzten und Kranken zu helfen.

Dass eine pro-iranische Gruppe genau diese Tat anschließend für sich reklamierte, macht die noch offenen Fragen nach Auftraggebern und Hintergründen umso wichtiger.

Für Londons jüdische Gemeinschaft bedeutet das Schuldbekenntnis zumindest einen ersten juristischen Abschluss eines Angriffs, der im Frühjahr eine Serie schwerer Sicherheitsvorfälle einleitete. Die entscheidende Frage, ob hinter den Tätern noch ein größeres Netzwerk stand, ist damit jedoch keineswegs abschließend beantwortet.




Autor: Redaktion
Samstag, 29 August 2026

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