Von Farage zu Lowe: Elon Musk greift tief in Britanniens rechte Machtkämpfe ein

Von Farage zu Lowe: Elon Musk greift tief in Britanniens rechte Machtkämpfe ein


Elon Musk veröffentlicht teils Hunderte Beiträge im Monat zur britischen Politik. Erst unterstützte er Nigel Farage, inzwischen wirbt er offen für Rupert Lowes neue Partei Restore Britain.

Von Farage zu Lowe: Elon Musk greift tief in Britanniens rechte Machtkämpfe ein
Bildnachweis: Pixabay / Symbolbild

Elon Musk hat Großbritannien zu einem seiner wichtigsten politischen Themen außerhalb der USA gemacht. Eine aktuelle Analyse des „Wall Street Journal“ zeichnet nach, wie intensiv der Unternehmer seine Plattform X nutzt, um sich in britische Debatten einzuschalten, Politiker anzugreifen und einzelnen Akteuren enorme zusätzliche Reichweite zu verschaffen. In manchen Monaten veröffentlichte Musk demnach rund 200 Beiträge zur britischen Politik, mehr als zu jedem anderen Land außerhalb der Vereinigten Staaten.

Besonders deutlich zeigt sich sein Einfluss im rechten und rechtspopulistischen Parteienspektrum. Noch Ende 2024 stand Musk demonstrativ hinter Reform UK und deren Vorsitzendem Nigel Farage. Die beiden trafen sich, auch eine mögliche finanzielle Unterstützung wurde öffentlich diskutiert. Dazu kam es nicht.

Stattdessen zerbrach das Verhältnis spektakulär. Am 5. Januar 2025 erklärte Musk auf X, Reform UK brauche einen neuen Vorsitzenden: „Farage doesn’t have what it takes.“ Er stellte damit öffentlich die Führungsfähigkeit eines Politikers infrage, den er kurz zuvor noch unterstützt hatte. Die Aussage ist weiterhin auf Musks X-Konto abrufbar.

Zum neuen politischen Favoriten Musks entwickelte sich Rupert Lowe. Lowe war 2024 für Reform UK ins Unterhaus gewählt worden, überwarf sich später mit der Parteiführung und baute anschließend Restore Britain auf. Die britische Electoral Commission bestätigte die Partei am 20. März 2026 offiziell für ganz Großbritannien; als Parteivorsitzender ist Lowe eingetragen.

Musk unterstützt Restore Britain inzwischen offen auf X und verschafft Lowe damit Zugang zu einem Publikum, das eine neu gegründete britische Partei aus eigener Kraft kaum erreichen könnte. Das „Wall Street Journal“ beschreibt diese Reichweite als einen wesentlichen Faktor dafür, dass Lowe innerhalb kurzer Zeit von einem außerhalb Großbritanniens weitgehend unbekannten Abgeordneten zu einer weithin wahrgenommenen Figur geworden ist.

„Bürgerkrieg ist unvermeidbar“

Dabei beschränkt sich Musk keineswegs auf Personalfragen innerhalb britischer Parteien. Wiederholt hat er die politische und gesellschaftliche Entwicklung des Landes in drastischen Worten kommentiert.

Bereits während der Unruhen im Sommer 2024 schrieb Musk auf X: „Civil war is inevitable.“ Ende Oktober 2025 wiederholte er die Aussage in noch eindeutigerem Bezug zu Großbritannien. Seine Äußerungen wurden von britischen Regierungsvertretern scharf kritisiert.

Das „Wall Street Journal“ berichtet nun, britische Stellen hätten Beiträge Musks und anderer X-Nutzer wegen möglicher Risiken für die nationale Sicherheit beobachtet. Offizielle Maßnahmen gegen Musk seien daraus jedoch nicht entstanden. Die Beobachtung allein bedeutet deshalb weder, dass ihm eine Straftat vorgeworfen wurde, noch dass Behörden seine Beiträge als rechtswidrig eingestuft hätten.

Musk richtet einen erheblichen Teil seiner britischen Beiträge gegen die Migrationspolitik und den Umgang mit islamistischen beziehungsweise migrantischen Straftätern. Wiederholt beschreibt er Großbritannien als ein Land, das durch Masseneinwanderung und politische Fehlentscheidungen seine Identität verliere. Dabei unterstützt er auch den Aktivisten Tommy Robinson, während er Politiker und Amtsträger mit Begriffen wie „Verräter“ attackiert. Das sind Musks politische Bewertungen, keine Tatsachenfeststellungen über die von ihm kritisierten Personen.

Die ungewöhnliche Intensität seines Engagements erklärt Musk selbst auch mit seiner Familiengeschichte. Seine Großmutter väterlicherseits stammte aus Liverpool. Bei einer Veranstaltung in London sagte er, er sei überwiegend britischer Abstammung und wolle, dass Großbritannien „größer wird als jemals zuvor“.

Musks Unterstützung verändert den Kampf rechts der Mitte

Politisch interessant ist vor allem, was Musks Wechsel von Farage zu Lowe mit dem britischen Parteiensystem macht. Reform UK ist längst keine politische Randerscheinung mehr. Noch am 11. und 12. September erhielt die Partei zwei zugesagte Großspenden von jeweils 36 Millionen Pfund und damit zusammen 72 Millionen Pfund innerhalb von 48 Stunden.

Restore Britain tritt gleichzeitig als Konkurrenz um teilweise dieselben Wähler auf. Reuters beschrieb bereits im Juni, wie die Auseinandersetzung zwischen Reform und Restore die rechte beziehungsweise rechtspopulistische Wählerschaft aufteilen kann. Bei der damaligen Nachwahl in Makerfield wurde diese Konkurrenz zu einem entscheidenden Faktor.

Welche Partei davon langfristig profitiert, lässt sich daraus nicht ableiten. Klar ist lediglich: Musks Unterstützung gibt Lowe und Restore Britain eine öffentliche Aufmerksamkeit, für die Parteien normalerweise jahrelang Strukturen, Medienkontakte und Wahlkampfbudgets aufbauen müssen.

Genau das macht den britischen Fall außergewöhnlich. Musk spendet Lowe nach derzeit öffentlich bekannten Informationen keine Millionenbeträge. Stattdessen besitzt er etwas, das politisch ebenfalls wertvoll sein kann: eine der reichweitenstärksten Kommunikationsplattformen der Welt und ein persönliches Konto mit einem Millionenpublikum.

Dass ein Plattformbesitzer seine politischen Ansichten äußert, ist zunächst von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die britische Debatte dreht sich deshalb weniger darum, ob Musk politische Positionen vertreten darf, sondern welche Folgen entstehen, wenn Eigentum an einer globalen Plattform, enorme persönliche Reichweite und aktive Parteinahme zusammenkommen.

Das „Wall Street Journal“ beschreibt diesen Vorgang zugespitzt als Musks politische „Chaosmaschine“. Als Tatsachenbefund lässt sich nüchterner festhalten: Musk veröffentlicht außergewöhnlich häufig Beiträge über Großbritannien, hat sich öffentlich gegen Farage gestellt, unterstützt Lowe und Restore Britain und erreicht mit diesen Botschaften ein Publikum, das weit über die Reichweite britischer Parteikanäle hinausgeht.

Damit ist er selbst zu einem Faktor in einer politischen Auseinandersetzung geworden, obwohl er weder britischer Abgeordneter noch Parteifunktionär ist.




Autor: Redaktion
Freitag, 18 September 2026

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