Bitte kurz beachten
Es kommt gerade zu wenig rein
Einige helfen haOlam.de bereits verlässlich jeden Monat. Dafür sind wir dankbar. Trotzdem reicht es für aktuelle Rechnungen gerade nicht. Bitte helfen Sie jetzt mit einem kleinen Betrag: 10 oder 20 Euro machen schon einen Unterschied. Wer mehr geben kann, hilft natürlich besonders.
Per Boot nach Großbritannien, nun Terroranklage: Zwei Iraner sollen Anschlag auf Juden geplant haben

Per Boot nach Großbritannien, nun Terroranklage: Zwei Iraner sollen Anschlag auf Juden geplant haben


Zwei iranische Staatsangehörige kamen über den Ärmelkanal nach Großbritannien, einer erhielt Asyl, beim anderen läuft das Verfahren noch. Nun wirft ihnen die Anti Terror Polizei vor, ausgerechnet vor Jom Kippur einen Anschlag auf die jüdische Gemeinschaft in Manchester vorbereitet zu haben. Die Ermittler prüfen zudem eine Verbindung zu einem Kontaktmann im Iran.

Per Boot nach Großbritannien, nun Terroranklage: Zwei Iraner sollen Anschlag auf Juden geplant haben
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der Fall, über den haOlam bereits unmittelbar nach den Festnahmen berichtete, ist erheblich ernster geworden. Was britische Behörden zunächst als vereitelten mutmaßlichen Anschlagsplan gegen die jüdische Gemeinschaft in Manchester bezeichneten, hat nun zu einer formellen Terroranklage geführt.

Die iranischen Staatsangehörigen Salam Ahmadyan aus Liverpool und Rahman Salehi aus Salford wurden nach Angaben von Counter Terrorism Policing am 20. September in Manchester festgenommen. Am Freitag genehmigte die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Vorbereitung terroristischer Handlungen nach Paragraph 5 des Terrorism Act 2006. Beide befinden sich in Untersuchungshaft und sollen am Samstag vor dem Westminster Magistrates' Court erscheinen.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Nach britischen Medienberichten sollen die Männer mögliche jüdische Ziele ausgekundschaftet, Informationen und Material für den Bau eines improvisierten Sprengsatzes beschafft und verschlüsselte Kommunikationswege genutzt haben. Die Polizei erklärt zudem ausdrücklich, die Beschuldigten hätten im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Anschlagsplan Kontakt zu einer dritten Person im Ausland gehabt, die sich möglicherweise im Iran befindet.

Ob diese Person tatsächlich im Iran saß, wer sie ist und ob sie Verbindungen zum iranischen Regime oder dessen Sicherheitsapparat besitzt, ist bislang nicht bewiesen. Auch eine Steuerung des geplanten Anschlags durch Teheran ist in diesem Verfahren bislang nicht festgestellt. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für beide Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Einer bekam Asyl, der andere wartet noch auf seine Entscheidung

Besonders brisant ist der Weg der beiden Männer nach Großbritannien. Innenministerin Shabana Mahmood bestätigte, dass beide einige Jahre zuvor in kleinen Booten über den Ärmelkanal ins Land gelangt waren. Britische Medien nennen die Jahre 2020 und 2023. Einer der Männer erhielt anschließend Asyl, beim anderen ist der Antrag noch nicht abschließend entschieden.

Damit bekommt der Fall zwangsläufig auch eine sicherheitspolitische Dimension. Es geht nicht darum, Schutzsuchende pauschal unter Terrorverdacht zu stellen. Es geht um die konkrete Frage, wie zwei Männer, denen die Staatsanwaltschaft heute die Vorbereitung eines terroristischen Anschlags auf Juden vorwirft, nach ihrer irregulären Einreise über Jahre in Großbritannien leben konnten und ob Hinweise auf mögliche Radikalisierung früher erkennbar gewesen wären.

Der Zeitpunkt des mutmaßlichen Plans verschärft diese Frage zusätzlich. Die Festnahmen erfolgten unmittelbar vor Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag. Genau ein Jahr zuvor war Manchester am selben Feiertag bereits Schauplatz eines tödlichen antisemitischen Terroranschlags geworden. Am 2. Oktober 2025 griff Jihad al Shamie die Heaton Park Hebrew Congregation an. Zwei jüdische Männer wurden ermordet, weitere Menschen schwer verletzt.

haOlam berichtete erst vor wenigen Tagen darüber, dass britische Ermittler erneut einen möglichen Anschlag auf die jüdische Gemeinschaft in Manchester vereitelt hatten. Damals hielten sich die Behörden mit Einzelheiten zurück. Nun steht fest, dass die Beweislage aus Sicht der Staatsanwaltschaft ausreichte, um zwei Männer wegen konkreter Vorbereitung terroristischer Handlungen anzuklagen.

Die Anti Terror Polizei erklärt, von den beiden derzeit keine fortbestehende unmittelbare Gefahr für die Öffentlichkeit auszugehen. Für jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen dürfte das nur begrenzt beruhigend sein. Wer Synagogen, Schulen und Gemeindeeinrichtungen besucht, lebt in Großbritannien längst mit sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen. Nach einer Serie antisemitischer Gewalttaten stellte die Regierung in diesem Jahr mehr als 250 Millionen Pfund für zusätzlichen Schutz jüdischer Einrichtungen und verstärkte Polizeipräsenz bereit.

Die Iran Spur kann nicht einfach ignoriert werden

Bei der möglichen Verbindung zum Iran ist besondere Genauigkeit erforderlich. Für diesen konkreten Anschlagsplan ist eine staatliche Steuerung bislang nicht nachgewiesen.

Gleichzeitig wäre es ebenso falsch, den iranischen Hintergrund als belanglose Randnotiz abzutun.

Die britische Regierung warnt inzwischen selbst offen vor iranischen Operationen gegen jüdische und israelische Ziele. Im Juli stellte London die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen und eine Iran nahestehende Organisation unter neue Sicherheitsmaßnahmen. Die Regierung erklärte damals, Mitglieder der Quds Einheit hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit Angriffe von Stellvertretern in Europa gesteuert. Eine von Großbritannien sanktionierte Gruppe hatte sich zuvor zu sieben Angriffen auf jüdische, israelische und iranische oppositionelle Ziele im Vereinigten Königreich bekannt.

Bereits im Juni verurteilten 24 Staaten gemeinsam iranische Mordpläne und andere feindliche Aktivitäten gegen Dissidenten, Journalisten sowie jüdische und israelische Gemeinden. Nach Angaben der britischen Regierung identifizierte der Geheimdienst MI5 innerhalb eines Jahres mindestens 20 potenziell tödliche, mit Iran in Verbindung stehende Anschlagspläne auf britischem Boden.

haOlam berichtete außerdem über iranische Anschlagsplanungen gegen jüdische Ziele in Deutschland und über die britische Reaktion auf Angriffe gegen jüdische Einrichtungen.

Genau deshalb ist der mögliche Kontakt der beiden nun angeklagten Iraner zu einer Person im Iran sicherheitsrelevant. Er ist noch kein Beweis für einen Auftrag Teherans. Er ist aber auch kein Detail, das Ermittler ignorieren können.

Parallel untersucht Großbritannien einen weiteren mutmaßlichen Anschlagsplan gegen die amerikanisch genutzte Luftwaffenbasis RAF Fairford. Dort gibt es ebenfalls Hinweise auf einen möglichen iranischen Hintergrund. Die britische Polizei betont ausdrücklich, dass zwischen beiden Ermittlungsverfahren derzeit keine Verbindung festgestellt wurde.

Das muss so stehen bleiben.

Der Manchester Fall ist auch ohne Spekulationen alarmierend genug: Zwei iranische Männer, die über kleine Boote nach Großbritannien gelangten, sollen nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft einen Terroranschlag auf eine jüdische Gemeinschaft vorbereitet haben. Einer von ihnen hatte bereits Schutz als Asylberechtigter erhalten. Die Festnahmen erfolgten unmittelbar vor Jom Kippur, ein Jahr nachdem Juden in derselben Stadt an genau diesem Feiertag ermordet wurden.

Und im Hintergrund prüfen Ermittler einen möglichen Kontakt in den Iran.

Für britische Juden ist das längst keine abstrakte Debatte über Bedrohungslagen mehr.

Es geht darum, ob sie am höchsten Feiertag ihres Glaubens eine Synagoge betreten können, ohne dass jemand draußen bereits einen Anschlag vorbereitet.




Autor: Redaktion
Samstag, 03 Oktober 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage