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Bewaffnete Kräfte auf dem Campus: Irans Studenten berichten von offener Einschüchterung

Bewaffnete Kräfte auf dem Campus: Irans Studenten berichten von offener Einschüchterung


Irans Universitäten werden zu Angstzonen. Studenten schildern bewaffnete Revolutionsgarden auf dem Campus, gezielte Überwachung und spätere Vergeltung. Der wirtschaftliche Kollaps hat den Protest entfacht doch der Preis für Widerstand steigt.

Bewaffnete Kräfte auf dem Campus: Irans Studenten berichten von offener Einschüchterung

In den Universitäten von Teheran hat sich der Alltag grundlegend verändert. Vorlesungen finden statt, doch im Hintergrund herrscht Anspannung. Studenten berichten von bewaffneten Kräften, die sich zwischen Hörsälen bewegen, von Überwachung, Einschüchterung und einer Atmosphäre, die nichts mehr mit akademischer Freiheit zu tun hat.

Mehrere Studierende schildern übereinstimmend, dass Angehörige der Revolutionsgarden und regimenahe Sicherheitskräfte Universitätsgelände betreten, obwohl dies rechtlich untersagt ist. Möglich macht dies ein zynischer Vorwand: In vielen Campussen wurden Gräber sogenannter Märtyrer angelegt. Unter dem Deckmantel ihres Schutzes marschieren Bewaffnete ein, kontrollieren, beobachten, markieren.

Auslöser der aktuellen Proteste war kein politischer Aufruf, sondern der wirtschaftliche Zusammenbruch. Inflation, Arbeitslosigkeit, explodierende Preise und der massive Wertverfall der Währung haben besonders junge Menschen getroffen. Viele Studenten sagen offen, dass sie keine Zukunft mehr sehen weder beruflich noch persönlich.

Ein 25-jähriger Mathematikstudent beschreibt, dass nahezu jeder in seinem Umfeld die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation ablehnt. Wer besonders aktiv protestiert, wird häufig suspendiert, vorgeladen oder später gezielt unter Druck gesetzt. Die Universitätsleitungen, so berichten mehrere Studenten, schützen nicht die Studierenden, sondern kooperieren mit dem Regime.

Auffällig ist, dass der Protest diesmal offener wird. Studenten tragen Symbole des alten Iran, rufen Parolen gegen den obersten Führer und sprechen öffentlich von einer Rückkehr der Monarchie. Die Hemmschwelle ist gesunken. Viele sagen: Die größere Angst sei nicht mehr Repression, sondern ein Leben ohne Perspektive.

Gleichzeitig berichten sie von einer neuen Strategie der Sicherheitskräfte. Oft werde nicht sofort eingegriffen. Namen würden registriert, Gesichter über Kameras erfasst. Wochen oder Monate später verschwinden einzelne Studenten, tauchen mit Verletzungen wieder auf oder kehren eingeschüchtert zurück. Diese verzögerte Gewalt soll abschrecken, ohne sofort neue Massenproteste auszulösen.

Besonders deutlich ist der Blick vieler Studierender nach außen. Mehrere Interviewpartner äußern Hoffnung auf Unterstützung aus dem Ausland. Aussagen des amerikanischen Präsidenten und die Rolle Israels im jüngsten Krieg hätten Mut gemacht. Viele Studenten glauben, dass das Regime nur dann ernsthaft unter Druck gerät, wenn es international isoliert bleibt.

Eine Informatikstudentin beschreibt die Sorge, dass Iran diesmal allein gelassen werden könnte. Die Angst sei groß, dass westliche Staaten erneut zögern, während das Regime später umso härter zurückschlage wie 2022 nach den ersten ruhigen Tagen.

Ein weiterer Student spricht von einem „engen Zeitfenster“. Ohne klare Führung und ohne äußeren Druck könne der Protest versanden. Doch anders als früher gehe es diesmal nicht um einzelne Forderungen, sondern um die grundsätzliche Ablehnung eines Systems, das das Land wirtschaftlich ausgeblutet und gesellschaftlich erstickt habe.

Dass sich bewaffnete Kräfte auf Universitätsgeländen bewegen, ist für viele das deutlichste Zeichen dafür, wie nervös das Regime ist. Wenn Bildung nur noch unter Waffenschutz möglich ist, hat der Staat das Vertrauen einer ganzen Generation verloren.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X


Sonntag, 04 Januar 2026

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