Irans Straßen brennen: das Regime schießt, verhaftet und verliert die KontrolleIrans Straßen brennen: das Regime schießt, verhaftet und verliert die Kontrolle
Der Aufstand in Iran geht in den zehnten Tag. Tote, Massenverhaftungen und Überfälle auf Krankenhäuser zeigen, wie sehr das Regime um sein Überleben kämpft und wie hoch der Preis für die Bevölkerung ist.
Der Protest in Iran hat eine neue, brutalere Phase erreicht. Am zehnten Tag der landesweiten Demonstrationen sprechen Menschenrechtsaktivisten von mindestens 29 getöteten Demonstranten und über 1.200 festgenommenen Zivilisten. Die Zahlen stammen von der unabhängigen Organisation HRANA, die seit Jahren Übergriffe des Regimes dokumentiert. Selbst diese Angaben gelten als konservativ, da viele Festnahmen und Todesfälle nie offiziell gemeldet werden.
Die Proteste, ausgelöst durch die dramatische wirtschaftliche Lage, den Verfall der Landeswährung und den offenen Machtverlust der Führung nach dem zwölftägigen Krieg gegen Israel und die USA, haben sich auf Dutzende Städte ausgeweitet. Was als soziale Verzweiflung begann, ist längst zu einer offenen politischen Herausforderung für das System der Islamischen Republik geworden.
Gewalt als Antwort auf Angst
Die Reaktion des Regimes folgt einem bekannten Muster. Sicherheitskräfte schießen mit Gummigeschossen und Schrotmunition in Menschenmengen, Wohnungen werden gestürmt, Verletzte verhaftet. Besonders schockierend sind Berichte aus der westiranischen Provinz Ilam, wo Einheiten der Basidsch-Miliz und der Revolutionsgarden ein Krankenhaus betreten haben sollen, um dort verletzte Demonstranten aufzuspüren. Wer in einem Krankenhaus nicht mehr sicher ist, lebt in einem Staat, der jede Grenze verloren hat.
HRANA dokumentierte zudem mehrere Fälle von erzwungenen „Geständnissen“, die im Staatsfernsehen ausgestrahlt wurden. Solche Videos gehören seit Jahrzehnten zum Repertoire des Regimes. Sie sollen Angst erzeugen, Glaubwürdigkeit zerstören und Widerstand isolieren. Für viele Iraner wirken sie heute eher wie ein Zeichen der Schwäche.
Die Führung zieht die Schrauben an
Als der oberste Führer Ali Khamenei nach Tagen des Schweigens öffentlich sprach, war klar, was folgen würde. Demonstranten wurden zu „Randalierern“, Proteste zu ausländischen Verschwörungen erklärt. Diese Rhetorik ist mehr als Propaganda. Sie ist ein Signal an Polizei, Revolutionsgarden und Justiz, härter zuzuschlagen, ohne Konsequenzen zu fürchten.
Gleichzeitig mehren sich Hinweise, dass selbst innerhalb des Machtapparats Nervosität herrscht. Berichte über einen möglichen Fluchtplan der Führung nach Russland kursieren offen. Solche Gerüchte wären früher undenkbar gewesen. Heute spiegeln sie die bröckelnde Autorität eines Systems wider, das seine eigene Bevölkerung nur noch mit Gewalt kontrollieren kann.
Hoffnung von außen – und Furcht davor
Die Proteste werden aufmerksam verfolgt, auch außerhalb Irans. Die USA haben ihre Warnungen verschärft. Präsident Donald Trump ließ öffentlich wissen, dass erneute Massentötungen nicht ohne Folgen bleiben würden. Solche Aussagen werden in Iran gehört, diskutiert und auf den Straßen zitiert. In Teheran tauchten sogar provisorische Straßenschilder mit seinem Namen auf ein symbolischer Akt, der weniger Bewunderung als vielmehr Trotz ausdrückt.
Das Regime in Teheran ist der zentrale Motor regionaler Destabilisierung, finanziert und bewaffnet Terrororganisationen und bedroht offen die Existenz des jüdischen Staates. Ein Iran, der nach innen wankt, ist ein Iran, der auch nach außen an Schlagkraft verliert. Gleichzeitig bleibt die Lage gefährlich. Geschwächte Regime greifen oft zu noch größerer Gewalt.
Noch ist offen, ob dieser Aufstand das System zu Fall bringen kann. Die Zahl der Toten steigt, die Zahl der Verhafteten ebenso. Doch etwas hat sich verändert. Die Angst, jahrzehntelang das wichtigste Machtinstrument der Islamischen Republik, verliert ihre Wirkung. Studenten, Arbeiter, Frauen, Rentner sie alle stehen inzwischen auf der Straße.
Das Regime kann Proteste niederschlagen. Es kann Gefängnisse füllen. Was es nicht mehr kann, ist die Realität überdecken: Iran befindet sich in einer tiefen politischen, wirtschaftlichen und moralischen Krise. Und jeder weitere Schuss auf unbewaffnete Demonstranten bringt den Moment näher, in dem auch Gewalt nicht mehr ausreicht, um den Zerfall aufzuhalten.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Dienstag, 06 Januar 2026