Iran kappt landesweit das Internet – Pahlavi warnt Regime und verweist auf TrumpIran kappt landesweit das Internet – Pahlavi warnt Regime und verweist auf Trump
Teheran greift zu einem altbekannten Mittel. Während die Proteste im ganzen Land anhalten, wird der digitale Raum abgeschaltet. Für die Opposition ist das kein Zeichen von Stärke, sondern von Angst.
Der iranische Staat hat am Donnerstag in weiten Teilen des Landes den Internetzugang massiv eingeschränkt. In Teheran sowie in zahlreichen weiteren Regionen brach die Verbindung über mehrere Anbieter hinweg nahezu vollständig zusammen. Das bestätigte die internationale Beobachtungsplattform NetBlocks. Der Schritt fällt mitten in eine Phase landesweiter Proteste, die sich anhaltend gegen wirtschaftliche Not, politische Repression und das System der Islamischen Republik richten.
Zeitlich fällt der digitale Blackout mit einer Warnung von Reza Pahlavi zusammen. Der Sohn des letzten Schahs erklärte öffentlich, dass die Weltgemeinschaft und insbesondere US-Präsident Donald Trump die Vorgänge im Iran genau beobachten. Die Unterdrückung der Bevölkerung, so Pahlavi, werde nicht folgenlos bleiben.
Bereits einen Tag zuvor hatte Pahlavi zu landesweiten Protesten aufgerufen und die Menschen ausdrücklich davor gewarnt, dass das Regime versuchen könnte, den Internetzugang zu kappen, um Informationen zu kontrollieren und Mobilisierung zu unterbinden. Genau dieses Szenario ist nun eingetreten.
Vorbereitung auf Eskalation
In einer Botschaft in sozialen Netzwerken erklärte Pahlavi, die Beteiligung an den Protesten am Mittwoch sei landesweit außergewöhnlich hoch gewesen. Dies sei ein klares Signal dafür, dass die Bevölkerung bereit sei, in eine neue Phase des Widerstands einzutreten. Für Donnerstagabend hatte er koordinierte Protestaktionen und Sprechchöre angekündigt, weitere Schritte sollten 24 Stunden später folgen.
Besonders deutlich wurde Pahlavi in seiner Einschätzung der Lage im Machtapparat. Das Regime sei verängstigt, sagte er, und erwäge genau deshalb erneut eine vollständige Abschaltung des Internets. Gleichzeitig versuchte er, den Demonstranten die Angst vor Isolation zu nehmen. Die Kommunikation werde nicht abbrechen, betonte er, und verwies auf alternative Kanäle wie Satelliteninternet und persischsprachige Sender im Ausland.
Abschaltung als Vorbote härterer Repression
Internationale Beobachter werten die Internetabschaltung als klares Warnsignal. In der Vergangenheit ging ein solcher Schritt im Iran häufig mit einer deutlichen Verschärfung der Repression einher. Bereits während der Proteste im November 2019 sowie nach dem Tod von Mahsa Amini im Jahr 2022 kappte das Regime den digitalen Zugang nahezu vollständig, um Gewaltmaßnahmen gegen Demonstranten zu verschleiern.
Auch diesmal deutet vieles darauf hin, dass die Führung in Teheran versucht, Zeit zu gewinnen und die Kontrolle zurückzuerlangen. Das Internet ist für die Protestbewegung ein zentrales Werkzeug - für Koordination, Dokumentation und internationale Aufmerksamkeit. Seine Abschaltung zielt darauf ab, die Proteste zu fragmentieren und unsichtbar zu machen.
Pahlavi warnte jedoch davor, diesen Schritt als Erfolg für das Regime zu interpretieren. Im Gegenteil, erklärte er. Eine Internetabschaltung könne die Proteste weiter anfachen und mehr Menschen auf die Straße treiben. Wer den digitalen Raum schließe, provoziere die physische Präsenz im öffentlichen Raum.
Tote, Festnahmen und wachsende Spannung
Seit Beginn der Proteste Ende Dezember wurden nach Berichten mindestens 36 Menschen getötet, darunter auch Angehörige der Sicherheitskräfte. Mehr als 2.000 Personen sollen festgenommen worden sein. Demonstrationen fanden in Dutzenden Städten statt, von Provinzzentren bis in die Hauptstadt.
Pahlavi appellierte erneut an Angehörige der Sicherheitskräfte, nicht auf Demonstranten zu schießen und sich stattdessen auf die Seite der Bevölkerung zu stellen. Der Ton seiner Botschaften ist selbstbewusst und auf Durchhaltewillen ausgerichtet. Am Ende seiner jüngsten Erklärung erklärte er: Der Iran werde siegen.
Ob diese Zuversicht trägt, ist offen. Klar ist jedoch, dass die landesweite Internetabschaltung ein Zeichen dafür ist, wie ernst die Lage für das Regime geworden ist. Teheran kontrolliert weiterhin Waffen, Polizei und Geheimdienste. Doch die Kontrolle über Narrative, Bilder und Informationen gerät zunehmend ins Wanken.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Donnerstag, 08 Januar 2026