Selbst die Palästinenser könnten auf den Sturz des iranischen Regimes hoffenSelbst die Palästinenser könnten auf den Sturz des iranischen Regimes hoffen
Die Proteste in Iran erschüttern die Islamische Republik bis ins Mark. Sollte das Regime der Ajatollahs fallen, hätte das Folgen weit über Teheran hinaus für Israel, den gesamten Nahen Osten, den Ölmarkt und sogar für die Palästinenser. Doch der Weg in eine neue Realität wäre lang, widersprüchlich und voller Risiken.
Was sich seit Wochen in Iran abspielt, ist mehr als eine weitere Protestwelle. Es ist der offene Ausdruck eines gesellschaftlichen Erstickungsgefühls, das sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Hunderttausende gehen in mehr als zweihundert Städten auf die Straße, trotz tödlicher Gewalt, Massenverhaftungen und kompletter Kommunikationssperren. Für viele Iraner ist die Angst vor dem Regime größer geworden als die Angst vor Repression.
In Israel wird diese Entwicklung mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt. Nicht aus Romantik, sondern aus nüchterner strategischer Überlegung. Denn ein möglicher Sturz des Regimes in Teheran würde das gesamte Machtgefüge des Nahen Ostens verändern.
Ein Regime, das nach außen stark wirkt und nach innen wankt
Israelische Sicherheitsexperten schätzen derzeit, dass die Wahrscheinlichkeit eines unmittelbaren Zusammenbruchs des Regimes noch begrenzt ist. Die paramilitärischen Basij-Einheiten und die Revolutionsgarden halten bislang die Loyalität aufrecht. Doch gleichzeitig mehren sich Hinweise auf einen „Überlebensmodus“ der Führung. Berichte über Fluchtpläne hochrangiger Funktionäre und interne Panik sind kein Zufall.
Die militärischen Muskelspiele Irans Raketenübungen, Luftabwehrtests - dienen weniger der realen Abschreckung als der Selbstdarstellung. Sie richten sich ebenso nach innen wie nach außen. Das Regime will Stärke simulieren, weil es weiß, wie brüchig seine Legitimität geworden ist.
Das Ende der iranischen Regionalhegemonie
Unabhängig davon, ob das Regime fällt oder nicht, ist eines bereits geschehen: Irans Versuch, eine regionale Hegemonie aufzubauen, ist gescheitert. Die jahrelangen Investitionen in Terrorproxies, Milizen und Stellvertreterkriege haben den Iran wirtschaftlich ausgeblutet und politisch isoliert.
Selbst innerhalb der iranischen Gesellschaft wächst die Wut darüber, dass Milliarden ins Ausland flossen, während die eigene Bevölkerung verarmte. Diese Erkenntnis ist zentral. Sie erklärt, warum ein zukünftiges iranisches Regime - egal welcher Couleur zunächst mit innerem Wiederaufbau beschäftigt wäre, nicht mit regionalen Abenteuern.
Eine neue Chance für den Nahen Osten
Sollte der iranische Druck wegfallen, würde sich erstmals seit Jahrzehnten ein realer Raum für regionale Stabilisierung öffnen. Visionen wirtschaftlicher Kooperation zwischen Nordafrika, der Arabischen Halbinsel und dem östlichen Mittelmeer, die bislang an Teherans Störpolitik scheiterten, könnten Gestalt annehmen.
Gerade die Golfstaaten denken langfristig. Sie fürchten nicht nur das heutige Iran, sondern das Iran von morgen. Ein echter Systemwechsel in Teheran würde ihre Sicherheitsdoktrin grundlegend verändern. Weniger Rüstung, mehr wirtschaftliche Integration das ist das strategische Interesse Riads, Abu Dhabis und anderer Hauptstädte.
Das iranische Atomprogramm bleibt ein Problem
Illusionen wären dennoch gefährlich. Selbst ein neues Regime würde das Atomprogramm nicht sofort aufgeben. Zu tief ist es im nationalen Selbstverständnis verankert, zu sehr gilt es als Symbol staatlicher Souveränität. Ein langsamer, schrittweiser Kurswechsel wäre realistischer als ein radikaler Bruch.
Dasselbe gilt für Raketenprogramme und militärische Fähigkeiten. Auch ein Iran nach den Ajatollahs würde seine Interessen verteidigen wollen - allerdings vermutlich rationaler, berechenbarer und weniger ideologisch.
Paradox: Auch die Palästinenser könnten profitieren
Hier liegt eine unbequeme Wahrheit. Der iranische Einfluss hat den Palästinensern langfristig mehr geschadet als genutzt. Teheran instrumentalisiert sie als Teil seiner Konfrontation mit Israel, nicht als eigenständiges politisches Subjekt.
Fiele dieser Einfluss weg, könnten arabische Staaten wieder stärker Druck auf pragmatische Lösungen ausüben. Paradoxerweise würde ein Ende der iranischen Bedrohung es Israel und den arabischen Staaten ermöglichen, sich wieder ernsthafter mit der palästinensischen Frage zu befassen jenseits maximalistischer Forderungen und externer Radikalisierung.
Wirtschaftliche Dimensionen von globaler Bedeutung
Ein Iran ohne Sanktionen hätte enormes wirtschaftliches Potenzial. Öl, Gas, seltene Metalle, Humankapital - all das liegt derzeit brach. Eine schrittweise Rückkehr Irans in die Weltwirtschaft würde die globalen Energiemärkte entspannen, nicht kollabieren lassen, und könnte langfristig zur Stabilisierung beitragen.
Besonders im Gassektor wäre Iran ein potenzieller Schwergewichtsfaktor. Das allein erklärt, warum China und Russland die Entwicklungen in Teheran mit wachsender Nervosität beobachten.
Der Tag danach wird kein Märchen
Der Sturz eines Regimes garantiert keine Demokratie, keinen Frieden und keine sofortige Normalisierung. Doch er würde etwas Entscheidendes ermöglichen: eine Zukunft, die nicht länger von ideologischer Expansion, religiösem Fanatismus und permanenter Destabilisierung geprägt ist.
Für Israel, für den Nahen Osten und ja, auch für die Palästinenser - wäre das eine historische Zäsur. Keine einfache, keine risikofreie, aber eine, die Hoffnung rechtfertigt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Sonntag, 11 Januar 2026