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Irans Revolutionsgarden drohen offen: Naqdi beschwört Vergeltung, Gewalt und den globalen Kampf gegen Amerika

Irans Revolutionsgarden drohen offen: Naqdi beschwört Vergeltung, Gewalt und den globalen Kampf gegen Amerika


Während das Regime in Teheran im Inneren wankt, predigen seine militärischen Vordenker nach außen Eskalation. Eine Rede des IRGC Hardliners Mohammad Reza Naqdi zeigt, wie sehr sich die Führung ideologisch radikalisiert hat und wie offen sie Gewalt als religiöse Pflicht definiert.

Irans Revolutionsgarden drohen offen: Naqdi beschwört Vergeltung, Gewalt und den globalen Kampf gegen Amerika

Mitten in einer Phase wachsender landesweiter Proteste gegen das Regime und gegen den obersten Führer hielt Mohammad Reza Naqdi, ein hochrangiger Berater der iranischen Revolutionsgarden, Anfang Januar eine Rede, die keinen Zweifel an der strategischen Denkweise der Führung lässt. Anlass war der sechste Jahrestag der Tötung von Qassem Soleimani durch einen amerikanischen Drohnenangriff im Irak. Doch was Naqdi präsentierte, war keine Trauerrede, sondern ein ideologisches Manifest.

Naqdi gehört zum innersten Kreis der Islamische Revolutionsgarden. Seine Worte spiegeln daher nicht persönliche Radikalität wider, sondern offizielles Denken. In seiner Ansprache glorifizierte er offen die Gewaltstrategie des Regimes, griff iranische Stimmen an, die Zurückhaltung fordern, und erklärte Vergeltung nach dem Prinzip Auge um Auge zur religiösen Pflicht.

Zentraler Bezugspunkt seiner Rede war der Kult um Qassem Soleimani, den Naqdi nicht nur als militärischen Führer, sondern als strategischen Architekten eines angeblichen regionalen Erfolgs darstellte. Soleimanis Wirken in Syrien, im Libanon und im Irak habe, so Naqdi, den Iran vor direkter Konfrontation bewahrt und die Feinde tausend Kilometer von den iranischen Grenzen ferngehalten. Kritiker dieser Politik innerhalb Irans beschimpfte er indirekt als naive Schwächlinge.

Besonders bezeichnend ist Naqdis Versuch, militärische Eskalation religiös zu legitimieren. Er zitierte den Koran ebenso wie schiitische Überlieferungen, um Gewalt als moralisch geboten darzustellen. Wer angegriffen werde, müsse exakt gleich zurückschlagen. Böses könne nur mit Bösem bekämpft werden. Diese Argumentation ist kein theologischer Zufall, sondern Kern der iranischen Revolutionsideologie, die Religion systematisch zur Rechtfertigung von Terror und Stellvertreterkriegen instrumentalisiert.

Naqdi griff dabei nicht nur die USA an, sondern auch jene Iraner, die diplomatische Wege befürworten. Er stellte Venezuela als abschreckendes Beispiel dar. Wer sich gegenüber Amerika zurückhalte, ende als Opfer. Demgegenüber stellte er Gaza und den Jemen als Erfolgsmodelle dar. Dass er dabei Terrororganisationen und militante Gruppen als Vorbilder preist, ist entlarvend. Ziviles Leid, Zerstörung und dauerhafte Instabilität werden als Sieg verkauft.

Noch alarmierender ist Naqdis globale Vision. Unter Berufung auf amerikanische Strategiedokumente behauptete er, die USA hätten ihr Scheitern im Nahen Osten selbst eingestanden. Daraus leitete er eine fantasierte Zukunft ab, in der Amerika nicht nur aus Westasien, sondern sogar aus der westlichen Hemisphäre verdrängt werde. Besonders bizarr ist seine Vorstellung einer künftigen Allianz aus islamischem Widerstand und einer sogenannten christlichen Widerstandsbewegung gegen die USA.

Diese Rhetorik richtet sich nicht nur nach außen. Sie dient auch der inneren Mobilisierung. Während das Regime durch Proteste, wirtschaftliche Not und Legitimationsverlust unter Druck steht, versucht es, den Konflikt zu externalisieren. Der Feind sitzt angeblich nicht in Teheran, sondern in Washington, Jerusalem und im Westen insgesamt.

Im Zentrum dieses Weltbilds steht der oberste Führer Ali Khamenei, dessen Doktrin der Herrschaft des Rechtsgelehrten Naqdi ausdrücklich als verbindliche Leitlinie nennt. Widerstand, Konfrontation und Gewalt sind demnach nicht taktische Optionen, sondern religiöse Gebote. Diese Ideologie erklärt, warum das Regime trotz wirtschaftlichem Kollaps und wachsendem Volkszorn unbeirrt an seiner aggressiven Außenpolitik festhält.

Für Israel sind solche Aussagen von höchster Relevanz. Die Revolutionsgarden sind das strategische Zentrum der iranischen Bedrohung. Sie finanzieren, bewaffnen und steuern Terrororganisationen wie die Hamas und die Hisbollah. Wenn ein führender IRGC Funktionär offen erklärt, dass Gaza ein Erfolgsmodell sei, dann ist das keine Rhetorik, sondern eine Kampfansage.

Auch die explizite Bezugnahme auf amerikanische Präsidenten zeigt die Zielrichtung. Naqdi sprach offen über Donald Trump und stellte ihn als gescheiterten Aggressor dar. Gleichzeitig drohte er indirekt mit einer Ausweitung des Konflikts auf den amerikanischen Einflussbereich selbst. Solche Aussagen sind Teil einer bewussten Eskalationsstrategie, die Abschreckung durch maximale Rhetorik ersetzen soll.

Was diese Rede so gefährlich macht, ist ihre Offenheit. Naqdi spricht aus, was das Regime denkt. Es geht nicht um Verteidigung, sondern um Expansion. Nicht um Stabilität, sondern um dauerhaften Konflikt. Nicht um das Wohl der eigenen Bevölkerung, sondern um ideologische Mission.

Während Iraner auf den Straßen Freiheit fordern, verkündet die militärische Elite eine Zukunft aus Krieg, Märtyrerkult und globalem Kampf. Der Kontrast könnte größer kaum sein. Und genau darin liegt die Schwäche des Regimes. Es redet von Widerstand, während sein eigenes Volk sich abwendet.

Diese Rede ist daher nicht nur ein Beweis für Radikalität, sondern auch für Angst. Ein System, das glaubt, nur durch Gewalt überleben zu können, hat innerlich bereits verloren.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Aghiltohidian - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45178591


Mittwoch, 14 Januar 2026

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