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Iran erstickt den Aufstand mit Todesurteilen und Angst, Washington zögert weiter

Iran erstickt den Aufstand mit Todesurteilen und Angst, Washington zögert weiter


Nach Massenverhaftungen, Schnellgerichten und der offenen Drohung mit Hinrichtungen scheint der landesweite Aufstand im Iran brutal niedergerungen. Während Teheran wieder Kontrolle signalisiert, bleibt unklar, ob die USA bereit sind, auf die Blutjustiz des Regimes zu reagieren.

Iran erstickt den Aufstand mit Todesurteilen und Angst, Washington zögert weiter

Die Straßen der iranischen Hauptstadt wirken plötzlich still. Dort, wo in den vergangenen Nächten Barrikaden brannten, Schüsse zu hören waren und Menschen um ihr Leben rannten, berichten Augenzeugen nun von einer gespenstischen Ruhe. Keine neuen Feuerstellen, kaum Sicherheitskräfte in Kampfmontur, keine hörbaren Schüsse. Der Aufstand, der das Land seit Ende Dezember erschüttert hatte, scheint erstickt worden zu sein, nicht durch Dialog oder Reformen, sondern durch nackte Gewalt, Massenverhaftungen und die gezielte Drohung mit dem Tod.

Das Regime in Teheran hat in den vergangenen Tagen alles darangesetzt, ein klares Signal zu senden. Wer seit dem 8. Januar auf der Straße war, gilt als Verbrecher. So formulierte es offen Irans Justizminister Amin Hossein Rahimi. Diese Worte sind keine Rhetorik, sondern die juristische Grundlage für ein Vorgehen, das selbst für die Maßstäbe der Islamischen Republik außergewöhnlich hart ist. Mehr als 18.000 Menschen wurden festgenommen, Schnellverfahren angekündigt, Hinrichtungen öffentlich in Aussicht gestellt. Die Botschaft war eindeutig: Widerstand wird ausgelöscht.

Gleichzeitig kappte das Regime fast vollständig die Verbindung zur Außenwelt. Das Internet wurde landesweit abgeschaltet, Satellitenschüsseln für alternative Zugänge gezielt gesucht und beschlagnahmt. Wer Bilder oder Videos außer Landes bringen wollte, riskierte Verhaftung. In dieser Dunkelheit konnte das Vorgehen der Sicherheitskräfte nahezu unbeobachtet eskalieren. Menschenrechtsgruppen sprechen von mehreren tausend Toten, andere Schätzungen gehen von noch höheren Zahlen aus. Verlässliche Daten existieren nicht, und genau das ist Teil der Strategie.

Rückzug von der offenen Hinrichtungsdrohung

In den letzten 24 Stunden änderte sich jedoch der Ton aus Teheran. Staatsmedien berichteten überraschend, dass ein 26-jähriger Demonstrant, der kurz vor der Hinrichtung gestanden haben soll, nun doch nicht zum Tode verurteilt werde. Kurz darauf erklärte Außenminister Abbas Araghchi, es werde weder heute noch morgen gehängt, ja Hinrichtungen stünden überhaupt nicht zur Debatte. Diese Aussagen widersprechen diametral den vorherigen Ankündigungen der Justizführung, die ausdrücklich von schnellen Prozessen und Exekutionen gesprochen hatte.

Diese Kehrtwende ist kein Zeichen von Milde, sondern politisches Kalkül. In Teheran weiß man genau, dass die Aussicht auf Massenhinrichtungen eine rote Linie darstellt, insbesondere für die Vereinigten Staaten. Präsident Donald Trump hatte mehrfach gewarnt, dass das Töten von Demonstranten und insbesondere Exekutionen eine Reaktion nach sich ziehen könnten. Als Trump nun erklärte, ihm sei versichert worden, die Tötungen seien gestoppt und Hinrichtungen fänden nicht statt, deuteten viele Beobachter dies als Versuch des Regimes, den unmittelbaren Druck aus Washington zu nehmen.

Proteste niedergeschlagen, Macht demonstriert

Unabhängig von der Frage, ob tatsächlich keine Exekutionen stattfinden, hat das Regime sein kurzfristiges Ziel erreicht. Die landesweiten Proteste sind weitgehend verschwunden. In Teheran, Isfahan, Maschhad und anderen Städten berichten Anwohner von schwer bewaffneten Sicherheitskräften, die präsent bleiben, aber nicht mehr offen eingreifen müssen. Die Abschreckung wirkt. Angst ersetzt Mobilisierung.

Gleichzeitig bemüht sich die Führung, das Narrativ zu drehen. Außenminister Araghchi spricht von ausländischen Verschwörungen, von angeblich von Israel gesteuerten Kräften, die friedliche Proteste gekapert hätten. Diese Erzählung dient nicht nur der internen Rechtfertigung, sondern auch der Vorbereitung weiterer Repression, insbesondere gegen ethnische Minderheiten wie Kurden, Araber oder Belutschen, die regelmäßig als Separatisten diffamiert werden.

Washington zwischen Drohung und Zurückhaltung

In den USA bleibt die Lage widersprüchlich. Einerseits ließ das Pentagon Personal aus regionalen Stützpunkten abziehen, andererseits betonte Trump, ein möglicher Schlag gegen Iran müsse schnell, eindeutig und entscheidend sein. Berichte aus Washington machen jedoch deutlich, dass die amerikanische Führung Zweifel hat. Niemand kann garantieren, dass ein Angriff das Regime tatsächlich zu Fall bringen würde. Ebenso groß ist die Sorge vor einer unkontrollierbaren Eskalation in einer ohnehin fragilen Region.

Die Unsicherheit zeigte sich auch in den Märkten. Ölpreise fielen, als die Wahrscheinlichkeit eines unmittelbaren US-Angriffs sank. Teheran schloss zeitweise seinen Luftraum, öffnete ihn dann wieder, als wolle man zeigen, dass alles unter Kontrolle sei. Parallel dazu bereitet sich der UN-Sicherheitsrat auf eine Sondersitzung vor, während regionale Akteure wie Saudi-Arabien und die Türkei zur Deeskalation aufrufen.

Ein Sieg auf Zeit

Für das Regime ist diese Phase vertraut. Schon früher überstand die Islamische Republik Protestwellen, indem sie Zeit gewann, Informationen unterdrückte und mit maximaler Härte zuschlug. Doch der Preis steigt. Die wirtschaftliche Lage bleibt katastrophal, das Vertrauen großer Teile der Bevölkerung ist irreversibel zerstört, und die internationale Beobachtung wird nicht verschwinden.

Ob Washington letztlich handelt oder nicht, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Aufstand ist nicht verschwunden, er wurde erzwungen zum Schweigen gebracht. Die Ruhe auf den Straßen Irans ist keine Stabilität, sondern das Ergebnis von Todesurteilen, Gefängnissen und Angst. Und genau darin liegt die Fragilität dieses scheinbaren Sieges.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert


Donnerstag, 15 Januar 2026

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