Iran richtet Demonstranten hin während das Regime über Zahlen streitetIran richtet Demonstranten hin während das Regime über Zahlen streitet
Während Teheran internationale Vorwürfe als Lügen abtut, mehren sich Berichte über Hinrichtungen, geheime Urteile und tausendfachen Tod. Ein Soldat soll erschossen worden sein, weil er sich weigerte, auf Zivilisten zu feuern. Ein junger Mann wird zehn Tage nach seiner Festnahme getötet. Und die Welt diskutiert noch immer, ob es wirklich mehr als 20.000 Tote sind.
Was sich derzeit im Iran abspielt, ist kein Ausnahmezustand mehr. Es ist ein System. Ein System aus Angst, Gewalt und gezielter Abschreckung, das längst nicht mehr versucht, Proteste zu kontrollieren, sondern Menschen zu brechen. Während das Regime offiziell bestreitet, Demonstranten hinzurichten, zeichnen Berichte aus dem Land ein anderes Bild. Ein Bild, das sich aus einzelnen Namen, verschwundenen Körpern und hastig vollzogenen Urteilen zusammensetzt.
Nach übereinstimmenden Meldungen wurde ein Soldat zum Tode verurteilt, weil er sich weigerte, auf Demonstranten zu schießen. Sein Vergehen war kein Aufstand, kein Verrat, keine Gewalt. Sein Vergehen war Gewissen. Dass ein Staat einen Menschen dafür hinrichtet, weil er nicht bereit war, auf unbewaffnete Bürger zu feuern, entlarvt die innere Logik dieses Systems. Wer nicht tötet, gilt als Feind.
Die Reaktion der Vereinigten Staaten fiel ungewöhnlich deutlich aus. In einer Stellungnahme wurde erklärt, die Entscheidung des Soldaten sei nicht nur richtig gewesen, sondern die einzig moralisch vertretbare Handlung. Ein Staat, der Soldaten zwingt, auf das eigene Volk zu schießen, verliere jede moralische Legitimation. Doch Worte aus dem Ausland ändern wenig an der Realität vor Ort.
Kurz darauf wurde ein weiterer Fall bekannt. Ein junger Fitness-Trainer aus Maschhad soll etwa zehn Tage nach seiner Festnahme hingerichtet worden sein. Sein Vergehen bestand darin, an Protesten teilgenommen zu haben. Kein bewaffneter Widerstand. Keine Anklage wegen Terrorismus. Allein seine Anwesenheit auf der Straße reichte aus. Angehörige bestätigten den Tod. Oppositionsnahe Stellen warnen, er sei nicht der Einzige gewesen.
Die Botschaft ist eindeutig. Wer demonstriert, lebt gefährlich. Wer schweigt, lebt in Angst. Wer widerspricht, verschwindet.
Gleichzeitig steigen die Zahlen der Opfer weiter. Nach Angaben iranischer Menschenrechtsorganisationen wurden bislang fast 15.000 Todesfälle registriert, darunter über 5.000 bestätigte Tote und weitere tausende Fälle, die noch überprüft werden. Mehr als 26.000 Menschen sollen festgenommen worden sein. Tausende wurden schwer verletzt. Internationale Beobachter gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt.
Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen erklärte, die Zahl der Getöteten könne über 20.000 liegen. Eine Dimension, die selbst für den Iran beispiellos ist. Doch statt Transparenz zu schaffen, reagiert Teheran mit Abwehr, Spott und gezielter Unklarheit.
Offiziell heißt es, Demonstranten würden nicht hingerichtet. Gleichzeitig verzeichnet das Land einen historischen Höchststand an Exekutionen. Mehr als 1.500 Menschen wurden allein im vergangenen Jahr getötet. Angeblich wegen anderer Delikte. Doch in einem System ohne unabhängige Gerichte verliert jede solche Unterscheidung ihren Wert.
Denn wenn Menschen wenige Tage nach ihrer Festnahme sterben, ohne öffentliches Verfahren, ohne Verteidigung, ohne nachvollziehbare Urteile, dann spielt es keine Rolle mehr, wie das Regime es nennt. Der Effekt ist derselbe. Einschüchterung. Terror. Abschreckung.
Auch US Präsident Donald Trump äußerte sich erneut zur Lage. Er erklärte, eine große Zahl amerikanischer Kriegsschiffe bewege sich in Richtung Region. Eine deutliche Machtdemonstration. Gleichzeitig sagte er, man müsse die tatsächliche Zahl der Toten prüfen. Es gebe viel Blutvergießen, doch zwischen „viel“ und „20.000“ bestehe ein Unterschied.
Diese Aussage offenbart ein Dilemma. Während im Iran Menschen begraben werden, oft nachts, oft unter Aufsicht der Sicherheitskräfte, wird außerhalb des Landes noch über Statistiken diskutiert. Doch für die Familien der Opfer ist jede Zahl bereits zu hoch.
Besonders erschütternd ist dabei die gezielte Symbolik der Repression. Die Hinrichtung eines Soldaten, der sich weigerte zu schießen, ist kein Zufall. Sie richtet sich nicht nur gegen Demonstranten, sondern auch gegen die eigenen Sicherheitskräfte. Sie soll unmissverständlich klarmachen, dass es keinen Raum für Zweifel gibt. Kein Raum für Menschlichkeit. Kein Raum für Gewissen.
Der iranische Staat führt keinen Kampf gegen Chaos. Er führt einen Kampf gegen das eigene Volk. Und er tut es mit der Überzeugung, dass Angst wirksamer ist als jede Reform.
Währenddessen wird der Informationsfluss systematisch unterbrochen. Internetverbindungen bleiben instabil oder vollständig abgeschaltet. Bilder gelangen nur bruchstückhaft nach außen. Krankenhäuser stehen unter Überwachung. Familien berichten, dass Tote nur unter Auflagen übergeben werden oder gar nicht.
So entsteht ein Zustand, in dem Gewalt nicht nur ausgeübt, sondern unsichtbar gemacht werden soll. Ein Staat, der tötet und zugleich verlangt, dass niemand darüber spricht.
Was bleibt, ist eine düstere Erkenntnis. Der Iran befindet sich nicht in einer vorübergehenden Krise. Er befindet sich in einem offenen Konflikt zwischen Macht und Gesellschaft. Und das Regime hat sich entschieden, diesen Konflikt nicht politisch, sondern blutig zu lösen.
Jeder weitere Tag ohne Konsequenzen sendet eine Botschaft nach Teheran. Dass man weitermachen kann. Dass Zahlen verhandelbar sind. Dass Leben relativierbar bleibt.
Doch für die Menschen im Iran ist nichts davon abstrakt. Für sie ist es Realität. Nacht für Nacht. Türklopfen. Schreie. Stille.
Autor: Redaktion
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Freitag, 23 Januar 2026