Chameneis Befehl zum Töten: Wie Irans Regime im Januar ein Massaker an der eigenen Bevölkerung verübte

Chameneis Befehl zum Töten: Wie Irans Regime im Januar ein Massaker an der eigenen Bevölkerung verübte


Als in iranischen Städten Menschen auf die Straße gingen, reagierte das Regime nicht mit Dialog, sondern mit Kugeln. Neue Recherchen zeigen: Der oberste Führer Ali Chamenei gab persönlich den Befehl, ohne Gnade vorzugehen. Was folgte, war kein Einsatz zur Ordnungssicherung, sondern eine staatlich organisierte Gewaltwelle, deren Ausmaß selbst erfahrene Beobachter erschüttert.

Chameneis Befehl zum Töten: Wie Irans Regime im Januar ein Massaker an der eigenen Bevölkerung verübte

In den ersten Januartagen dieses Jahres wurde der Iran zum Schauplatz einer Gewalt, wie sie selbst in der blutigen Geschichte der Islamischen Republik kaum ein Vorbild kennt. Was als landesweite Proteste begann, endete in einem Blutbad, das nach übereinstimmenden Berichten nicht aus dem Ruder lief, sondern gezielt gesteuert wurde.

Nach Informationen, die nun öffentlich wurden, erteilte Irans oberster Führer Ali Chamenei persönlich den Befehl, die Proteste mit allen verfügbaren Mitteln niederzuschlagen. Das höchste Sicherheitsgremium des Landes erhielt die klare Anweisung, keinerlei Zurückhaltung zu zeigen. Sicherheitskräfte wurden mit einem einfachen, tödlichen Auftrag auf die Straßen geschickt: schießen, um zu töten.

Der Moment, in dem der Staat die Grenze überschritt

Die Entscheidung fiel am 9. Januar. In internen Beratungen des Obersten Nationalen Sicherheitsrates soll Chamenei laut mehreren mit den Abläufen vertrauten Personen klargestellt haben, dass die Demonstrationen als existenzielle Bedrohung zu behandeln seien. Nicht als Unruhen, nicht als politische Krise, sondern als Krieg gegen das eigene Volk.

Kurz darauf änderte sich das Vorgehen der Sicherheitsorgane drastisch. Die Basidsch-Milizen, Einheiten der Revolutionsgarden und reguläre Polizeikräfte erhielten scharfe Munition. Gleichzeitig wurde der Zugang zum Internet nahezu vollständig gekappt. Bilder, Videos und Hilferufe sollten das Land nicht mehr verlassen.

Doch trotz dieser digitalen Abschottung gelangten zahlreiche Aufnahmen nach außen. Sie zeichnen ein erschütterndes Bild.

Schüsse in Wohnvierteln, Feuer von Dächern

Verifizierte Videos zeigen Sicherheitskräfte, die von Dächern aus in Menschenmengen feuern. In mindestens 19 Städten sowie mehreren Vierteln Teherans kam es zu gezieltem Schusswaffeneinsatz. Menschen wurden getroffen, während sie flohen. Andere brachen zusammen, ohne dass ihnen geholfen werden durfte.

Augenzeugen berichten übereinstimmend von Schüssen in Rücken und Nacken. Keine Warnungen, keine Räumungsaufrufe, kein Versuch der Deeskalation.

Eine 45-jährige Frau wurde in Teheran in den Armen ihres Mannes tödlich getroffen. Ihr Körper begann zu bluten, während um sie herum Menschen panisch davonliefen. Erst nach über einer Stunde konnte der Mann sie zu einem Krankenhaus bringen. Dort wurde sie nur noch für tot erklärt.

In einem anderen Stadtteil berichtete eine Frau, ihr Mann sei von einem Angehörigen der Basidsch-Miliz in den unteren Rücken geschossen worden. Als sie um Hilfe flehte, habe der Bewaffnete ihr zugerufen, er hätte sie ebenfalls erschossen, hätte er noch Munition gehabt.

Krankenhäuser als Frontlinien

Was sich in den medizinischen Einrichtungen abspielte, gleicht Berichten aus Kriegsgebieten. Ärzte schilderten, dass in einzelnen Krankenhäusern zeitweise bis zu siebzig Schussverletzte pro Stunde eingeliefert wurden. Viele davon mit Kopfschüssen.

Einige Mediziner richteten improvisierte Behandlungsstellen außerhalb der Städte ein, weil Verletzte Angst hatten, offiziell registriert zu werden. Wer seinen Namen nannte, riskierte später Festnahme oder Schlimmeres.

Mehrere Ärzte berichteten später, sie hätten Menschen sterben sehen, die noch hätten gerettet werden können. Andere gaben an, Sicherheitskräfte hätten verletzte Demonstranten selbst in Krankenhäusern bedroht.

„Was ich gesehen habe, wird mich mein Leben lang verfolgen“, schrieb ein Arzt aus Isfahan in einer Nachricht. „Ich schäme mich, dass ich noch lebe.“

Überfüllte Leichenhallen und verzweifelte Familien

Besonders erschütternd sind die Berichte aus der zentralen Gerichtsmedizin in Teheran. Dort sollen innerhalb kürzester Zeit so viele Tote eingeliefert worden sein, dass die Kapazitäten kollabierten.

Familien wurden in große Hallen geführt, in denen Bildschirme Gesichter der Getöteten zeigten, nummeriert wie Objekte. Angehörige mussten hoffen, ihre Liebsten nicht zu erkennen.

Videoaufnahmen zeigen Hunderte Leichen, die notdürftig auf Gehwegen vor der Einrichtung abgelegt wurden. Junge Männer, Frauen, teilweise kaum älter als zwanzig Jahre.

Ein Mann, der diese Szenen filmte, sagte mit zittriger Stimme, es sei eine endlose Reihe von Menschen, die ihre Toten abholen müssten. „Die Kinder ihrer Augen“, nannte er sie.

Tausende Tote und die Dunkelziffer

Offizielle Zahlen aus Teheran sprechen von wenigen tausend Todesopfern. Doch diese Angaben gelten als bewusst manipuliert.

Unabhängige Menschenrechtsgruppen konnten bislang mehr als fünftausend Tote namentlich bestätigen. Weitere zehntausende Fälle werden noch überprüft. Exilmedien und medizinische Quellen sprechen inzwischen von über dreißigtausend getöteten Menschen innerhalb weniger Tage.

Selbst diese Zahl könnte zu niedrig sein. Militärkrankenhäuser unterliegen keiner zivilen Dokumentation. Viele Familien begruben ihre Angehörigen heimlich aus Angst vor Repressionen. Andere Leichen verschwanden vollständig.

Berichte deuten zudem darauf hin, dass Verletzte nach ihrer Einlieferung gezielt getötet wurden. Mehrere Leichname wiesen Schussverletzungen am Kopf auf, obwohl die Betroffenen zuvor bereits medizinisch versorgt worden waren.

Kein Ausrutscher, sondern System

Was im Januar geschah, war kein Kontrollverlust. Es war eine bewusste Entscheidung.

Menschenrechtsexperten sprechen von einem staatlich organisierten Massaker. Die Gewalt folgte klaren Mustern: Kommunikationssperren, gezielte Schüsse, systematische Einschüchterung der Familien, anschließende Leugnung.

Der Iran ist kein Staat, der kurzfristig überfordert war. Er ist ein Sicherheitsapparat mit jahrzehntelanger Erfahrung in Unterdrückung. Genau deshalb wirkt das Geschehen so erschütternd.

Das Regime hat gezeigt, dass es bereit ist, jeden Preis zu zahlen, um an der Macht zu bleiben.

Ein Schweigen, das schwer wiegt

International blieb die Reaktion bislang verhalten. Zwar laufen Untersuchungen bei den Vereinten Nationen, doch konkrete Konsequenzen sind bislang ausgeblieben.

Für die Menschen im Iran ist das ein bitteres Signal. Sie sehen, dass ihr Leid dokumentiert wird, aber folgenlos bleibt.

Die Proteste selbst sind inzwischen abgeebbt. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Erschöpfung, Angst und Trauer. Das Land steht still, nicht weil Ruhe eingekehrt ist, sondern weil Gewalt gesiegt hat.

Doch unter dieser Oberfläche brodelt etwas weiter.

Denn ein Regime, das auf seine eigene Bevölkerung schießen lässt, verliert mehr als Legitimität. Es verliert jede moralische Grundlage.

Und was im Januar geschah, wird im kollektiven Gedächtnis des Iran bleiben als der Moment, in dem der Staat offen erklärte, dass menschliches Leben für ihn keinen Wert mehr besitzt.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141074394


Montag, 26 Januar 2026

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