Iranisches Regime fürchtet Aufstand und schaltet Internet fast vollständig abIranisches Regime fürchtet Aufstand und schaltet Internet fast vollständig ab
Während der Krieg das Land erschüttert, reagiert das iranische Regime mit massiver Repression. Internetverbindungen sind nahezu komplett blockiert, Sicherheitskräfte drohen offen mit Gewalt.
Analysten sehen darin ein Zeichen tiefer Angst in Teheran. Die Führung versucht offenbar mit allen Mitteln zu verhindern, dass Proteste erneut aufflammen.
Der Krieg gegen das iranische Regime zeigt nicht nur militärische Folgen, sondern auch eine zunehmend nervöse Führung in Teheran. Während israelische und amerikanische Angriffe militärische Infrastruktur des Regimes treffen, reagiert die islamische Republik im Inneren mit einer massiven Verschärfung der Kontrolle über die eigene Bevölkerung.
Ein besonders deutliches Zeichen ist die fast vollständige Abschaltung des Internets. Nach Angaben von Netzüberwachungsdiensten liegt die Internetverbindung im Land seit mehr als 260 Stunden bei nur etwa einem Prozent des normalen Niveaus. Praktisch bedeutet das, dass große Teile der Bevölkerung keinen Zugang mehr zu unabhängigen Informationen haben.
Die Behörden bestätigten indirekt diese Strategie. Offizielle Sprecher erklärten, dass nur ausgewählte und genehmigte Verbindungen Zugang zu Kommunikationsnetzen erhalten. Kritiker sprechen deshalb von einem sogenannten Whitelist-System, bei dem ausschließlich regimefreundliche Nutzer oder staatliche Stellen online kommunizieren können.
Internationale Beobachter sehen darin einen klaren Versuch, Informationen über Ereignisse im Land zu kontrollieren. Gleichzeitig erschwert die Abschaltung des Internets die Organisation von Demonstrationen oder Protestbewegungen.
Bereits im vergangenen Winter hatte eine Protestwelle das Land erschüttert. Damals gingen tausende Menschen auf die Straße, um gegen wirtschaftliche Probleme, politische Unterdrückung und Korruption zu protestieren. Sicherheitskräfte reagierten mit brutaler Gewalt. Viele Demonstranten wurden verhaftet, andere starben bei den Einsätzen der Sicherheitskräfte.
Die Führung in Teheran versucht nun offenbar, eine Wiederholung solcher Proteste unter allen Umständen zu verhindern.
Der iranische Polizeichef Ahmadreza Radan formulierte diese Haltung ungewöhnlich offen. In einem Interview mit staatlichen Medien erklärte er, dass jeder Demonstrant künftig als Feind betrachtet werde.
Wer auf die Straße gehe, um gegen die Regierung zu protestieren, werde nicht mehr als Demonstrant behandelt, sondern wie ein Gegner des Staates. Sicherheitskräfte seien bereit und hätten ihre Hände bereits am Abzug, um die Revolution zu verteidigen.
Solche Aussagen spiegeln nach Einschätzung von Beobachtern eine tiefe Nervosität innerhalb der Machtstruktur des Regimes wider. Analysten sehen darin ein Zeichen dafür, dass die militärischen Angriffe auf Einrichtungen der Sicherheitsapparate die Führung spürbar verunsichert haben.
Der kurdisch-persische Investigativjournalist Truska Sadeghi beschreibt diese Entwicklung als Ausdruck großer Angst innerhalb des Systems. Die Führung wisse, dass viele Menschen im Land unzufrieden seien und Veränderungen wollten.
Gleichzeitig verhindere die massive Präsenz bewaffneter Sicherheitskräfte bisher größere Demonstrationen. Die Sicherheitsorgane verfügen über Waffen und organisatorische Strukturen, während die Bevölkerung kaum Möglichkeiten hat, sich gegen diese Macht zu organisieren.
Auch innerhalb der politischen Elite entstehen Spannungen. Nach dem Tod des langjährigen Revolutionsführers Ali Khamenei übernahm sein Sohn Mojtaba Khamenei die Führung des Systems. Diese Entscheidung löste im religiösen Establishment Diskussionen aus, weil sie wie eine dynastische Machtübertragung wirkt.
Einige Geistliche boykottierten Berichten zufolge die Abstimmung über seine Ernennung. Für viele Iraner spielt diese Frage jedoch eine geringere Rolle. Viele Menschen im Land interessieren sich weniger für interne Machtkämpfe als für wirtschaftliche Probleme, politische Freiheit und ein Ende der Repression.
Ein weiterer Riss im Bild der angeblich geschlossenen Unterstützung für das Regime zeigte sich in einem anderen Ereignis. Mehrere Spielerinnen der iranischen Frauenfußballnationalmannschaft entschieden sich während eines Turniers in Australien, nicht in ihre Heimat zurückzukehren.
Sie hatten zuvor den nationalen Hymnus nicht gesungen und wurden daraufhin von Hardlinern im Iran als Verräterinnen bezeichnet. Australien gewährte den Spielerinnen schließlich humanitäre Visa, nachdem sie Sicherheitsbedenken geäußert hatten.
Für viele Beobachter sind solche Fälle ein weiteres Zeichen dafür, wie tief das Misstrauen vieler Iraner gegenüber dem eigenen Staat inzwischen geworden ist.
Trotz aller militärischen Verluste bleibt das iranische Regime im Inneren jedoch weiterhin mächtig. Die Sicherheitsapparate verfügen über große Ressourcen, ideologisch überzeugte Anhänger und eine lange Erfahrung in der Unterdrückung von Protestbewegungen.
Der Krieg schwächt zwar militärische Strukturen, doch ein politischer Umbruch im Inneren ist damit noch keineswegs garantiert.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Mamlekate, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=182769361
Mittwoch, 11 März 2026