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Iran bombardiert Kurdistan und verdoppelt den Gaspreis

Iran bombardiert Kurdistan und verdoppelt den Gaspreis


Teheran beschießt kurdische Gegner im Irak, legt Energieanlagen lahm und treibt die Gaspreise nach oben. Der Angriff zeigt, dass das Regime nicht nur Amerika treffen will, sondern jede Region bestrafen lässt, die sich seinem Zugriff entzieht.

Iran bombardiert Kurdistan und verdoppelt den Gaspreis
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Iran hat den Krieg endgültig über seine eigenen Grenzen hinausgetragen. Nach Angriffen auf Handelsschiffe, amerikanische Einrichtungen und Staaten am Persischen Golf gerät nun auch die autonome Region Kurdistan im Norden des Irak immer stärker ins Visier. Raketen und Drohnen aus Iran trafen Ziele bei Erbil und Sulaimaniyya. Mindestens neun Angehörige der iranisch-kurdischen Oppositionspartei Komala wurden bei einem Angriff auf ein Lager nahe Sulaimaniyya getötet, vier weitere Menschen sollen verletzt worden sein.

Das ist kein zufälliger Nebenschauplatz. Teheran verfolgt kurdische Oppositionsgruppen seit Jahren über die Grenze hinweg. Organisationen wie Komala und die Freiheitspartei Kurdistans, bekannt unter der Abkürzung PAK, kämpfen gegen die Islamische Republik oder verlangen weitreichende Rechte für die kurdische Bevölkerung in Iran. Für das Regime reicht bereits ihre bloße Anwesenheit im Nachbarland aus, um irakisches Gebiet zu beschießen.

Damit erklärt Teheran einen Teil des Irak faktisch zu seinem eigenen militärischen Verfügungsraum. Die staatliche Souveränität, auf die sich das Regime bei amerikanischen und israelischen Angriffen mit großer Lautstärke beruft, gilt aus iranischer Sicht offenbar nur für Iran selbst. Die Grenzen anderer Staaten verlieren ihren Wert, sobald sie den Interessen der Islamischen Republik im Wege stehen.

Raketen treffen nicht nur Kämpfer, sondern den Alltag

Die Folgen spüren längst nicht mehr nur bewaffnete kurdische Gruppen. Nach Sicherheitswarnungen und Angriffen wurde die Produktion im Gasfeld Khor Mor in der Provinz Sulaimaniyya ausgesetzt. Das Feld ist für die Energieversorgung der autonomen Region von erheblicher Bedeutung. Es liefert Gas für Kraftwerke und trägt damit zur Stromversorgung von Millionen Menschen bei.

Die Unterbrechung ließ die Preise für Flüssiggas innerhalb weniger Tage auf das Doppelte steigen. Nach Angaben des kurdischen Senders Rudaw kostete ein Liter an Tankstellen zuletzt 800 irakische Dinar, zuvor waren es 400 Dinar. Eine übliche Gasflasche mit 22 Litern kostet damit nun fast 18.000 Dinar, umgerechnet ungefähr zwölf Euro. Für viele Familien in der Region ist das kein geringfügiger Aufschlag. Flüssiggas wird täglich zum Kochen und teilweise auch zur Warmwasserbereitung benötigt.

Der iranische Angriff erreicht damit unmittelbar die Küchen kurdischer Familien. Er verteuert das Leben von Menschen, die weder amerikanische Soldaten noch Mitglieder einer Oppositionsgruppe sind. Genau darin liegt die politische Wirkung solcher Angriffe: Unsicherheit soll sich in steigende Preise, Stromausfälle, ausbleibende Investitionen und wachsende Zukunftsangst verwandeln.

Auch das amerikanische Energieunternehmen HKN Energy stellte nach Angaben eines leitenden Mitarbeiters vorläufig sämtliche Tätigkeiten in der autonomen Region ein. Wie lange die Unterbrechung dauern soll und welche Fördermengen betroffen sind, blieb zunächst offen. Der Rückzug trifft Kurdistan in einem besonders empfindlichen Augenblick. Erst kurz zuvor hatte HKN Energy mit der irakischen Regierung einen Vertrag zur Entwicklung des Ölfeldes Hamrin in der Provinz Salahaddin geschlossen.

Parallel hatten kurdische Wirtschaftsvertreter in Washington neue Partnerschaften mit amerikanischen Unternehmen vorgestellt. Die autonome Region versucht seit Jahren, ausländisches Kapital für ihre Öl- und Gasvorkommen zu gewinnen und sich wirtschaftlich stärker an die Vereinigten Staaten und den Westen zu binden. Teherans Angriffe bedrohen genau diese Entwicklung. Wer Raketen auf kurdisches Gebiet feuert, trifft deshalb nicht nur militärische Lager. Er erhöht zugleich das Risiko für jedes Unternehmen, das dort Arbeitsplätze schaffen oder Energie fördern will.

Teherans Botschaft richtet sich auch an Washington und Bagdad

Der Zeitpunkt ist kaum zu übersehen. Die Angriffe erfolgten unmittelbar nach dem Besuch des neuen irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Zaidi in Washington. Al-Zaidi war am 14. Juli von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen worden. Beide Seiten sprachen über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit, amerikanische Investitionen sowie die Zukunft der Beziehungen zwischen Bagdad und Washington.

Der Irak versucht seit Jahren, zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zu bestehen. Doch diese vermeintliche Balance wird immer unglaubwürdiger, wenn iranische Raketen ungehindert irakisches Staatsgebiet treffen. Bagdad muss sich entscheiden, ob es tatsächlich ein souveräner Staat sein will oder weiterhin hinnimmt, dass Teheran und die von ihm unterstützten Milizen über Krieg und Frieden im Irak mitbestimmen.

Bafel Talabani, Vorsitzender der Patriotischen Union Kurdistans, bezeichnete den iranischen Raketenangriff als „schwere und inakzeptable Verletzung“ der Sicherheit und Souveränität der Region. Eine aus Iran abgefeuerte ballistische Rakete habe das kurdische Heimatgebiet und dessen Sicherheitskräfte getroffen. Der Schutz der Bevölkerung sei eine Grenze, die nicht überschritten werden dürfe.

Diese Erklärung besitzt besonderes Gewicht. Talabanis Partei, die in Sulaimaniyya stark ist, unterhielt traditionell engere Beziehungen zu Teheran als die in Erbil dominierende Demokratische Partei Kurdistans. Wenn selbst die Patriotische Union Kurdistans den Angriff derart deutlich verurteilt, zeigt dies, wie weit Iran gegangen ist.

Auch Katar und Syrien verurteilten die iranischen Angriffe als Verletzung der irakischen Souveränität und des Völkerrechts. Kurdische Parteien im Nordosten Syriens schlossen sich der Kritik an. Teheran isoliert sich damit weiter in einer Region, in der es jahrzehntelang durch Milizen, Geld, Waffen und politische Abhängigkeiten Einfluss aufgebaut hat.

Iran behauptet, gegen feindliche Gruppen und ausländische Mächte vorzugehen. Tatsächlich greift das Regime immer mehr Nachbarstaaten an und erwartet zugleich, dass diese Angriffe als notwendige Verteidigung hingenommen werden. Die getöteten Amerikaner in Jordanien, die attackierten Einrichtungen in den GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen und die Beschüsse Kurdistans ergeben inzwischen ein eindeutiges Bild: Teheran versucht, die Kosten des Krieges auf möglichst viele Länder zu verteilen.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Entwicklung alles andere als überraschend. Die Islamische Republik hat ihre Kriege seit Jahrzehnten ausgelagert und andere Länder zum Aufmarschgebiet gemacht. Im Libanon geschah dies mit der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, in Jemen mit den HouthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terroristen, in Syrien mit iranischen Einheiten und verbündeten Milizen, im Irak mit schiitischen Kampfverbänden. Neu ist nicht das Prinzip, sondern die wachsende Offenheit, mit der Iran selbst Raketen auf fremde Staaten abfeuert.

Die Angriffe auf Kurdistan zeigen deshalb, worum es in diesem Krieg geht. Ein Regime, das seine Herrschaft im Inneren mit Gewalt sichert, behandelt auch seine Nachbarn nicht als gleichberechtigte Staaten. Wer sich Teherans Einfluss entzieht, amerikanische Investitionen sucht oder iranischen Oppositionellen Zuflucht gewährt, soll den Preis dafür bezahlen. In Kurdistan wird dieser Preis bereits an der Tankstelle, in der Küche und durch verlorene Arbeitsplätze sichtbar.




Autor: Redaktion
Sonntag, 19 Juli 2026

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