Amerikas Blockade würgt Irans Ölexport abAmerikas Blockade würgt Irans Ölexport ab
Seit Tagen soll am wichtigsten iranischen Ölterminal kein Tanker mehr beladen worden sein. Was Teheran als Druckmittel gegen den Westen nutzen wollte, trifft nun die eigene wichtigste Einnahmequelle.

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Die amerikanische Seeblockade beginnt Iran dort zu treffen, wo das Regime besonders verwundbar ist: bei seinen Ölexporten. Am wichtigsten iranischen Rohölterminal auf der Insel Kharg soll seit dem 31. Juli kein Tanker mehr beladen worden sein. Schiffsbewegungen und Satellitendaten deuten darauf hin, dass der Export iranischen Rohöls über den Persischen Golf inzwischen nahezu zum Stillstand gekommen ist. Damit bekommt der Machtkampf um die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen eine neue Wendung. Teheran wollte die wichtigste Energieschlagader der Region als politisches Druckmittel einsetzen. Nun droht genau dieser Konflikt dem Regime selbst eine seiner wichtigsten Geldquellen abzuschneiden.
Kharg ist für Iran von herausragender Bedeutung. Nach Angaben der Financial Times werden ungefähr neun von zehn Barrel des iranischen Rohöls, das für den Export bestimmt ist, über die kleine Insel im nördlichen Persischen Golf verladen. Andere Küstenabschnitte eignen sich wegen ihrer Wassertiefe nur eingeschränkt für große Tanker. Wenn Kharg stillsteht, lässt sich dieser Ausfall deshalb nicht einfach auf einen anderen Hafen verlagern. Daten der Analyseunternehmen Kpler und Energy Aspects zeigen, dass die Verladungen dort seit dem 31. Juli unterbrochen sind. Das maritime Analyseunternehmen Windward stellte auf Satellitenbildern fest, dass alle drei Verladeplätze über einen längeren Zeitraum leer geblieben seien. Anfang der Woche lagen nur noch 16 Schiffe im Wartegebiet vor Kharg, der niedrigste Stand seit Anfang Juli.
Das ist ein erheblicher Unterschied zu den vergangenen Monaten. Selbst während des Krieges mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den Vereinigten Staaten gelang es Teheran immer wieder, Öl zu verladen und Tanker in Richtung Asien zu schicken. Noch Anfang Juli dokumentierte United Against Nuclear Iran nach dem damaligen amerikanisch-iranischen Abkommen zahlreiche neue iranische Öltransporte. Die Organisation verfolgte 39 Tanker, die mit iranischem Öl und petrochemischen Produkten den Golf von Oman verlassen hatten. Diese Transporte sollen zusammen rund 49 Millionen Barrel umfasst haben. UANI schätzte den daraus erzielten Wert auf mehr als vier Milliarden Dollar.
Mit der erneuten amerikanischen Blockade änderte sich das Bild. Bereits am 24. Juli meldete UANI, mindestens 43 mit iranischem Öl oder Ölprodukten beladene Tanker hätten sich entlang der iranischen Küste gestaut. Seit dem 12. Juli sei kein mit iranischem Rohöl beladenes Schiff beobachtet worden, das den Golf von Oman verlassen und den amerikanischen Maßnahmen entkommen sei. Drei Tage später registrierte UANI mindestens 45 beladene Tanker in iranischen Gewässern. Vor Kharg nahm die Zahl wartender Schiffe wieder zu.
Teherans wichtigste Einnahmequelle gerät unter Druck
Die Wirkung der Blockade besteht nicht allein darin, beladene Schiffe am Verlassen iranischer Gewässer zu hindern. Sie stört den gesamten Kreislauf des iranischen Ölhandels. Tanker, die ihre Ladung bereits in Asien gelöscht haben, können nicht ohne Weiteres nach Iran zurückkehren, um neues Rohöl aufzunehmen. Damit fehlen zunehmend auch leere Schiffe in Kharg.
Das ist für Teheran besonders problematisch, weil der iranische Ölhandel seit Jahren auf komplizierten Transportwegen beruht. Ein großer Teil des Öls gelangt nach Südostasien, wo Ladungen auf andere Schiffe übertragen werden und schließlich vor allem chinesische Abnehmer erreichen. Im Juli beobachtete UANI zahlreiche iranische Tanker im Umfeld Malaysias. Dort befinden sich wichtige Gebiete für sogenannte Schiff-zu-Schiff-Umladungen, mit denen die Herkunft des Rohöls verschleiert werden kann.
Noch fließt deshalb Geld nach Teheran. Tanker, die vor der erneuten Blockade den Persischen Golf verlassen konnten, erreichen erst jetzt ihre Abnehmer in Asien. Die Financial Times berichtet von 26 iranisch beflaggten Tankern, die Gewässer nahe Malaysia erreicht hätten. Diese Ladungen können dem Regime noch für eine begrenzte Zeit Einnahmen verschaffen. Doch dieser Vorrat ist endlich. Wenn keine neuen Tanker Kharg verlassen, trocknet der Nachschub zwangsläufig aus.
Ein weiteres Indiz zeigt, wie ernst die Lage werden könnte. Obwohl seit Tagen kaum Öl von Kharg abtransportiert wird, sollen sich die dortigen Lagertanks bislang nicht ungewöhnlich stark füllen. Energy Aspects hält es deshalb für möglich, dass Iran bereits begonnen hat, die Förderung auf seinen Ölfeldern zu reduzieren. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, hätte die Blockade nicht mehr nur den Export getroffen. Sie würde inzwischen auf die eigentliche Produktion zurückwirken.
Für das Regime ist das eine unangenehme Entwicklung. Öl ist nicht irgendeine Exportware. Die Einnahmen finanzieren den Staat, seine Sicherheitsorgane und einen beträchtlichen Teil seiner außenpolitischen Machtinstrumente. UANI verbindet die iranischen Öleinnahmen ausdrücklich mit der Finanzierung der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen sowie iranischer Raketen- und Drohnenprogramme. Die Blockade setzt deshalb nicht nur den Außenhandel unter Druck, sondern zielt mittelbar auf die finanziellen Möglichkeiten des Regimes.
Die Vereinigten Staaten haben bereits gezeigt, dass die Blockade nicht bloß auf Warnungen beruht. CENTCOM erklärte im Juni, mehrere Schiffe seien nach Missachtung amerikanischer Anweisungen gestoppt worden. Beim Tanker Lexie setzte das US-Militär eine Hellfire-Rakete gegen den Maschinenraum ein, nachdem das Schiff nach Angaben des amerikanischen Zentralkommandos trotz wiederholter Warnungen weiter in Richtung Kharg gefahren war. In einem weiteren Fall wurde der Tanker Marivex im Golf von Oman außer Fahrt gesetzt. CENTCOM meldete damals bereits sieben außer Gefecht gesetzte und 134 umgeleitete Schiffe seit Beginn der Blockademaßnahmen.
Hormus wird für Teheran zum gefährlichen Spiel
Damit bekommt auch der Streit über die Straße von Hormus eine andere wirtschaftliche Bedeutung. Iran versucht seit Monaten, seine geografische Lage auszunutzen und politischen Einfluss auf die internationale Schifffahrt zu gewinnen. Oman bemüht sich gleichzeitig um eine Regelung, die den freien Verkehr wiederherstellen soll. Bereits am 23. Juni erklärten Oman und Iran gemeinsam, sie wollten über die künftige Verwaltung der Schifffahrt, mögliche Dienstleistungen und damit verbundene Kosten beraten. Oman stellte anschließend allerdings ausdrücklich klar, dass es sich für die Wiederherstellung der freien Schifffahrt im Einklang mit dem internationalen Seerecht einsetzt.
Anfang August meldete Iran neue Fortschritte. Mit Oman seien geografische Koordinaten für einen möglichen neuen Schifffahrtsweg vereinbart worden. Eine endgültige Regelung lag jedoch weiterhin nicht vor. Nach Informationen der Financial Times könnte Washington seine Blockade beenden und eine Ausnahme von den Ölsanktionen wieder einsetzen, wenn eine für die beteiligten Seiten akzeptable Vereinbarung über Hormus zustande kommt.
Bis dahin arbeitet die Zeit gegen Iran.
Teheran besitzt mit seiner Lage an der Straße von Hormus zweifellos ein gefährliches Druckmittel. Das Regime kann die internationale Schifffahrt stören und damit Energiepreise und Lieferketten weltweit beeinflussen. Doch eine Meerenge ist keine Einbahnstraße. Wer andere daran hindert, frei zu fahren, muss auch damit rechnen, dass die eigene Schifffahrt zum Ziel von Gegenmaßnahmen wird.
Genau das geschieht jetzt.
Noch vor wenigen Wochen wollte Iran aus seiner Kontrolle über Hormus politisches und wirtschaftliches Kapital schlagen. Nun stehen die Verladeanlagen von Kharg leer, beladene Tanker sammeln sich vor der iranischen Küste und zurückkehrende Schiffe bleiben außerhalb des Persischen Golfs. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass sogar die iranische Ölproduktion reduziert werden muss.
Für Teheran bedeutet das nicht, dass der wirtschaftliche Zusammenbruch unmittelbar bevorsteht. Das Regime hat bewiesen, dass es bereit ist, enorme wirtschaftliche Belastungen auf die eigene Bevölkerung abzuwälzen, wenn es darin einen politischen Vorteil erkennt. Auch steigende Weltmarktpreise können den Verlust teilweise ausgleichen, solange noch ältere Ladungen verkauft werden. Brent-Rohöl schloss am Freitag bei 83,55 Dollar je Barrel.
Doch dieser Vorteil besitzt ein Verfallsdatum. Ein höherer Ölpreis nutzt wenig, wenn immer weniger iranisches Öl den Käufer erreicht.
Die amerikanische Blockade scheint deshalb gerade das zu erreichen, was wirtschaftlicher Druck erreichen soll: Sie zwingt Teheran nicht innerhalb weniger Tage zur Aufgabe, aber sie erhöht mit jedem ausbleibenden Tanker den Preis seiner bisherigen Strategie. Aus Irans Versuch, die Straße von Hormus gegen seine Gegner einzusetzen, wird zunehmend ein Kampf darum, die eigene wichtigste Exportverbindung überhaupt wieder freizubekommen.
Autor: Redaktion
Samstag, 08 August 2026