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Iran nennt den Preis für Hormus: Sechs Forderungen an die USA

Iran nennt den Preis für Hormus: Sechs Forderungen an die USA


Teheran erklärt die Wiederöffnung der Straße von Hormus plötzlich zur Verhandlungsmasse für den gesamten Krieg. Während mit Oman über die Schifffahrt gesprochen wird, fordert Iran Geld, Truppenabzug und ein Ende der Sanktionen.

Iran nennt den Preis für Hormus: Sechs Forderungen an die USA
Bildnachweis: MC2 Indra Beaufort / Quelle

Die Gespräche über die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen sollten eigentlich einen Weg zurück zur sicheren internationalen Schifffahrt eröffnen. Inzwischen wird jedoch immer deutlicher, dass die Islamische Republik daraus weit mehr machen will. Teheran verbindet die Wiederöffnung einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt mit sechs weitreichenden Forderungen an Washington, die vom Ende der Sanktionen bis zum Abzug amerikanischer Streitkräfte aus der Region reichen. Gleichzeitig werfen die Vereinigten Arabischen Emirate Iran vor, erneut einen Tanker in der Meerenge mit einer Rakete angegriffen zu haben.

Iran und Oman stehen nach Angaben beider Seiten zwar kurz vor einer Einigung über eine neue Regelung für den Schiffsverkehr. Außenminister Abbas Araghchi machte jedoch deutlich, dass eine Vereinbarung mit Muscat allein nicht ausreichen werde, um die faktisch blockierte Meerenge vollständig wieder zu öffnen. Die Vereinigten Staaten müssten zuvor weitere Bedingungen erfüllen.

Damit bekommt der Konflikt um Hormus eine neue Dimension. Teheran verhandelt nicht mehr lediglich über Fahrrinnen, maritime Sicherheit oder technische Regeln. Die iranische Führung versucht, die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von dieser schmalen Wasserstraße zu nutzen, um politische und wirtschaftliche Zugeständnisse in ganz anderen Bereichen durchzusetzen.

Sechs Forderungen, die weit über Hormus hinausgehen

Der iranische Nationale Sicherheitsrat veröffentlichte nun einen Forderungskatalog. Die Vereinigten Staaten sollen Iran künftig nicht mehr bedrohen. Sie sollen den Krieg gegen die Islamische Republik und ihre Verbündeten in der Region beenden. Die amerikanische Blockade iranischer Häfen soll aufgehoben werden. Washington soll seine Streitkräfte aus der Region abziehen, sämtliche Sanktionen gegen Iran beenden und eingefrorene iranische Vermögenswerte bedingungslos freigeben. Zusätzlich verlangt Teheran eine vollständige Entschädigung für die Kriegsschäden.

Diese Forderungen sind deshalb so bemerkenswert, weil sie ursprünglich im Zusammenhang mit einem umfassenden Abkommen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten standen, bei dem auch das iranische Atomprogramm eine Rolle spielte. Nun erhebt Teheran denselben Anspruch für etwas völlig anderes: die Wiederöffnung einer internationalen Schifffahrtsroute.

Das ist politisch entscheidend. Iran versucht damit, eine von ihm selbst maßgeblich herbeigeführte Blockade in einen Hebel zu verwandeln. Die Botschaft lautet im Kern: Erst wenn Washington in mehreren zentralen Konfliktfragen nachgibt, soll die Meerenge wieder vollständig geöffnet werden.

Auch die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen lassen daran keinen Zweifel. Sie erklärten ausdrücklich, die Öffnung der Straße von Hormus sei von den Gesprächen mit Oman getrennt zu betrachten. Entscheidend sei, ob die Vereinigten Staaten die iranischen Bedingungen akzeptierten. Die Verhandlungen mit Oman betreffen nach übereinstimmenden Berichten unter anderem neue Schifffahrtswege, Kontrollen und mögliche Einnahmen aus der Durchfahrt.

Reuters berichtet, dass ein diskutiertes Modell Iran sogar Kontrolle über Schiffe geben könnte, die durch Hormus in den Persischen Golf einfahren. Amerikanische Vertreter haben bislang wiederholt erklärt, eine iranische Kontrolle über den Zugang zu dieser für die weltweite Energieversorgung zentralen Passage sei für Washington nicht hinnehmbar.

Damit geht es inzwischen nicht mehr nur darum, wann Hormus wieder geöffnet wird. Es geht darum, welche Ordnung danach gelten soll.

Vor dem Krieg passierte ungefähr ein Fünftel der weltweiten Öl und Gaslieferungen die Meerenge. Auch für Flüssiggas und Düngemittel besitzt Hormus enorme Bedeutung. Seit der weitgehenden Blockade sind Energieversorgung und Welthandel erheblich unter Druck geraten.

Teheran kennt diesen wirtschaftlichen Wert genau.

Je länger Schiffe ausweichen müssen, Versicherungen steigen und Öltransporte behindert werden, desto größer wird der Druck auf Washington und andere Regierungen, irgendeine Vereinbarung zu akzeptieren. Iran versucht aus dieser Abhängigkeit politischen Gewinn zu ziehen.

Das ist der eigentliche Kern der neuen Forderungen.

Verhandlungen über Sicherheit, während ein Tanker beschossen wird

Besonders widersprüchlich wird die iranische Position durch einen Vorfall vom Samstag.

Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten, ein mit ihrem staatlichen Ölkonzern verbundenes Schiff sei während der Durchfahrt durch die Straße von Hormus von einer iranischen Rakete getroffen worden. Verletzte wurden nicht gemeldet. Die britische Schifffahrtsstelle UKMTO bestätigte, dass ein Schiff nach dem Treffer eines unbekannten Geschosses Feuer fing. Der Brand konnte gelöscht werden. Iran äußerte sich zunächst nicht zu der konkreten Beschuldigung.

Genau darin liegt die Absurdität der Situation.

Während Oman versucht, mit Iran eine Regelung für sichere Schifffahrt auszuhandeln, wird ein weiteres Handelsschiff getroffen. Während Teheran von einer bevorstehenden Vereinbarung spricht, erklären die Revolutionsgarden gleichzeitig, eine vollständige Öffnung werde es erst nach amerikanischen Zugeständnissen geben.

Oman reagierte ungewöhnlich deutlich. Das Außenministerium in Muscat verurteilte wiederholte Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus, ohne Iran ausdrücklich als Verantwortlichen zu nennen. Gleichzeitig warnte Oman vor Handlungen, die die erreichten Fortschritte bei den Gesprächen gefährden könnten.

Auch Washington steht dadurch vor einer schwierigen Entscheidung.

Ein amerikanischer Regierungsvertreter hatte noch am Freitag erklärt, die USA erwarteten bald eine Einigung zwischen Iran und Oman. Sobald der kommerzielle Schiffsverkehr wieder ungehindert möglich sei, wolle Washington die Blockade iranischer Häfen aufheben. Die amerikanischen Schritte sollten allerdings davon abhängen, ob Iran seine Verpflichtungen tatsächlich erfüllt.

Nur einen Tag später präsentiert Teheran einen Forderungskatalog, der weit über die Schifffahrt hinausgeht.

US Vizepräsident JD Vance erklärte inzwischen, Iran habe noch nicht sämtliche amerikanischen Bedingungen erfüllt, räumte aber Fortschritte bei den Gesprächen ein. Eine unmittelbare Antwort Washingtons auf die sechs iranischen Forderungen gab es zunächst nicht.

Hinzu kommt ein weiterer bemerkenswerter Vorgang. Präsident Donald Trump hatte in der vergangenen Woche eine nach seinen eigenen Angaben besonders schwere geplante Angriffswelle gegen Iran kurzfristig gestoppt. Die Operation sollte nach Darstellung der Tagesschau dazu beitragen, die Blockade von Hormus zu brechen. Nun stellt Teheran wenige Tage später Bedingungen, die faktisch eine umfassende politische Neuordnung zugunsten der Islamischen Republik verlangen.

Das birgt ein erhebliches Risiko.

Wenn Iran am Ende militärische Angriffe auf Schiffe, die Blockade einer internationalen Wasserstraße und wirtschaftlichen Druck in dauerhafte politische Zugeständnisse umwandeln kann, entsteht ein gefährlicher Präzedenzfall. Dann hätte sich gezeigt, dass die Behinderung des Welthandels nicht bestraft wird, sondern den Preis erhöht, den andere Staaten für ihre Beendigung zahlen müssen.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist die Entwicklung besonders aufmerksam zu verfolgen. Teheran verlangt ausdrücklich nicht nur ein Ende amerikanischer Maßnahmen gegen Iran selbst. Die Vereinigten Staaten sollen auch ihre Unterstützung für militärische Maßnahmen gegen iranische Verbündete in der Region beenden. Damit versucht die Islamische Republik, die Verhandlungen über eine Schifffahrtsroute mit ihrer gesamten regionalen Machtpolitik zu verbinden.

HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, die HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen und weitere iranisch unterstützte Gruppen werden damit indirekt Teil einer Debatte über die Straße von Hormus.

Das zeigt, wie weit Teherans Forderungen inzwischen reichen.

Eine Vereinbarung mit Oman kann sinnvoll sein, wenn sie freie und sichere Schifffahrt wiederherstellt. Sie wird jedoch problematisch, wenn Iran dadurch ein dauerhaftes Recht erhält, den Verkehr zu kontrollieren, Gebühren durchzusetzen oder Staaten nach politischen Kriterien von der Passage auszuschließen.

Hormus ist keine iranische Mautstraße.

Und freie Schifffahrt bedeutet nicht, dass Teheran entscheidet, wer fahren darf, nachdem Washington zuvor Sanktionen aufgehoben, Vermögen freigegeben, Milliarden für Kriegsschäden gezahlt und seine Streitkräfte aus der Region abgezogen hat.

Die kommenden Gespräche werden deshalb zeigen, ob es tatsächlich um eine Öffnung der Meerenge geht oder darum, den politischen Preis für diese Öffnung immer weiter zu erhöhen.

Der Raketenangriff auf den Tanker der Emirate macht die Antwort dringlicher.

Denn während über Frieden auf dem Wasser gesprochen wird, wird dort weiterhin geschossen.




Autor: Redaktion
Sonntag, 09 August 2026

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