Drei iranische Kampfpiloten seit Monaten in Katar festgehalten, Teheran fordert AufklärungDrei iranische Kampfpiloten seit Monaten in Katar festgehalten, Teheran fordert Aufklärung
Zwei iranische Su-24 wurden im März über Katar abgeschossen. Monatelang erklärte Teheran, das Schicksal von drei Besatzungsmitgliedern sei unbekannt. Nun behauptet Iran, die Piloten befänden sich seit sechs Monaten in katarischer Gefangenschaft und dürften weder ihre Familien noch iranische Vertreter kontaktieren.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Fast sechs Monate nach dem Abschuss zweier iranischer Kampfflugzeuge über Katar bekommt ein bislang ungeklärter Zwischenfall eine neue Wendung. Iran behauptet erstmals, drei damals vermisste Militärpiloten seien nicht ums Leben gekommen, sondern befänden sich seit Monaten in katarischer Gefangenschaft.
Nach einem Bericht von Iran International, den die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post am Samstag aufgriff, wandte sich Brigadegeneral Mohammad Bagherzadeh, Leiter des Such- und Bergungskomitees des iranischen Generalstabs, schriftlich an die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Mirjana Spoljaric.
Bagherzadeh fordert demnach Unterstützung bei der Freilassung der drei Männer. Sie sollen seit ihrer Gefangennahme weder Kontakt zu ihren Familien noch zu iranischen Regierungsvertretern erhalten haben.
Katar hat diese Darstellung bislang nicht öffentlich bestätigt.
Dass die beiden iranischen Flugzeuge abgeschossen wurden, ist dagegen zweifelsfrei dokumentiert. Das katarische Außenministerium teilte bereits am 3. März offiziell mit, die Luftwaffe des Emirats habe am Vortag zwei iranische Su-24-Kampfflugzeuge abgeschossen. Zusätzlich seien sieben ballistische Raketen und fünf Drohnen abgefangen worden. Doha bezeichnete die iranischen Angriffe auf sein Staatsgebiet als Verletzung seiner Souveränität.
Iran wusste monatelang angeblich nichts über die Piloten
Teherans heutige Darstellung ist deshalb besonders bemerkenswert.
Noch im Juni erklärte der stellvertretende iranische Armeechef Habibollah Sayyari öffentlich, man wisse nicht, was mit den Besatzungen der beiden Su-24 geschehen sei. Vier Piloten seien an der Operation gegen Katar beteiligt gewesen, über ihr Schicksal habe Iran keine Informationen.
Auch Anfang August erklärte ein Sprecher der iranischen Armee, Katar habe gegenüber Teheran angegeben, keine Informationen über die drei weiterhin vermissten Piloten zu besitzen. Iran forderte Doha damals bereits auf, bei der Aufklärung zu helfen.
Nun behauptet Bagherzadeh offenbar wesentlich konkreter, dass sich Javad Salehi, Abdolmajid Dashtian und Omran Behraveshian in katarischem Gewahrsam befinden.
Sollte sich diese Darstellung bestätigen, stellt sich zwangsläufig die Frage, seit wann Teheran davon weiß und weshalb Katar ihre Gefangennahme bislang nicht öffentlich gemacht hat.
Ebenso offen ist, welchen rechtlichen Status die drei Männer besitzen. Handelte es sich um Angehörige der iranischen Streitkräfte, die bei einem militärischen Angriff auf Katar abgeschossen und anschließend gefangen genommen wurden, würde ihr Umgang grundsätzlich unter das humanitäre Völkerrecht fallen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz äußerte sich zu dem konkreten Fall bislang nicht öffentlich. Interessant ist jedoch, dass Spoljaric Bagherzadeh bereits persönlich kennt. Während ihres Besuchs in Teheran Ende April traf die IKRK-Präsidentin unter anderem mit ihm zusammen. Das IKRK erklärte damals, während des sechswöchigen Krieges seien die Regeln des humanitären Völkerrechts auf den internationalen bewaffneten Konflikt anzuwenden.
Der vierte Pilot kam nicht lebend zurück
Ein Detail des Ausgangsberichts muss präzisiert werden.
Der vierte Besatzungsangehörige, Brigadegeneral Majid Kazemi, wurde nicht lebend nach Iran zurückgebracht. Nach Angaben der iranischen Armee wurde seine Leiche Monate nach dem Einsatz durch DNA-Tests identifiziert und Ende Juli nach Iran überführt. Gleichzeitig erklärte die Armee damals ausdrücklich, dass das Schicksal der drei übrigen Besatzungsmitglieder weiterhin ungeklärt sei.
Iran bestätigte bei dieser Gelegenheit auch, was zuvor teilweise unklar geblieben war: Die beiden Su-24 waren am 2. März zu einem Angriff auf den amerikanisch genutzten Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar gestartet. Nach iranischer Darstellung führten sie ihren Angriff durch und wurden anschließend auf dem Rückweg von der Luftabwehr getroffen.
Katar bestätigt zwar den Abschuss der beiden Flugzeuge, nicht jedoch die iranische Darstellung über deren vorherigen Angriffserfolg. Doha meldete damals insgesamt einen massiven iranischen Angriff mit Raketen, Drohnen und Kampfflugzeugen und erklärte, die beiden Su-24 erfolgreich abgefangen zu haben.
Der Fall ist damit auch ein bemerkenswertes Nachspiel des Krieges.
Iran schickte bemannte Kampfflugzeuge weit über die eigenen Grenzen, um ein Ziel in Katar anzugreifen. Zwei Maschinen gingen verloren. Ein Pilot wurde getötet. Drei weitere verschwanden.
Fast ein halbes Jahr später behauptet Teheran nun, sie seien die ganze Zeit am Leben gewesen und von Katar gefangen gehalten worden.
Besonders brisant ist das, weil Iran und Katar gleichzeitig wieder diplomatisch miteinander kommunizieren. Teheran nutzt Doha gemeinsam mit Pakistan als Vermittler bei seinen festgefahrenen Gesprächen mit Washington. Noch im Mai führte eine hochrangige iranische Delegation Verhandlungen in Katar über Milliardenbeträge eingefrorener iranischer Vermögenswerte.
Damit verhandeln zwei Staaten miteinander, während nach iranischer Darstellung drei iranische Militärangehörige seit Monaten ohne Kontakt zur Außenwelt in Katar festgehalten werden.
Ob diese Behauptung stimmt, muss nun geklärt werden.
Katar sollte deshalb offenlegen, ob sich die drei Männer tatsächlich in seinem Gewahrsam befinden. Iran wiederum muss erklären, worauf seine neue Gewissheit beruht, nachdem die eigene Armee noch vor wenigen Wochen erklärte, ihr Aufenthaltsort sei unbekannt.
Der Abschuss der Flugzeuge ist bestätigt.
Das Schicksal ihrer Besatzungen war es bislang nicht.
Sollten die drei Piloten tatsächlich lebend in Katar sein, wäre eines der großen ungelösten Rätsel des Iran-Krieges beantwortet. Gleichzeitig würde sofort die nächste Frage entstehen:
Warum wurde ihre Gefangenschaft sechs Monate lang nicht öffentlich gemacht?
Autor: Redaktion
Sonntag, 16 August 2026