Trump will Irans letzte Schlupflöcher schließen – und nimmt China ins VisierTrump will Irans letzte Schlupflöcher schließen – und nimmt China ins Visier
Washington verspricht den bislang härtesten wirtschaftlichen Schlag gegen Teheran. Im Zentrum stehen Chinas Ölraffinerien und Banken, Irans Umgehungsnetzwerke und im Extremfall sogar die Landgrenzen des Landes. Am Montag will Finanzminister Scott Bessent Details nennen.

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Donald Trump hat Iran bereits mit Sanktionen, einer Seeblockade und Angriffen unter erheblichen Druck gesetzt. Jetzt soll die wirtschaftliche Schraube noch einmal angezogen werden.
US-Finanzminister Scott Bessent will am Montag um 20 Uhr deutscher Zeit Einzelheiten zu Maßnahmen vorstellen, die nach seinen Worten gegen Iran bislang „noch nie gesehen“ worden seien. Trump selbst hat angekündigt, nicht mehr nur Teheran treffen zu wollen. Auch Staaten, Unternehmen und Banken, die Iran eine wirtschaftliche Lebensader offenhalten, sollen mit Konsequenzen rechnen.
Damit rückt vor allem ein Land in den Mittelpunkt: China.
Mehr als 80 Prozent des auf dem SeewegStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen exportierten iranischen Öls gingen nach Daten des Analyseunternehmens Kpler im vergangenen Jahr nach China. Dort landet ein großer Teil bei unabhängigen Raffinerien, den sogenannten „Teapots“. Sie kaufen Öl, das für größere Unternehmen wegen amerikanischer Sanktionen zu riskant ist, häufig zu erheblichen Preisnachlässen.
Genau hier könnte Washington ansetzen.
Die USA haben bereits kleinere Unternehmen in China und Hongkong sanktioniert, denen vorgeworfen wird, iranische Ölgelder verarbeitet und damit unter anderem die Beschaffung von Waffen ermöglicht zu haben. Der wesentlich härtere Schritt wäre allerdings, größere chinesische Banken ins Visier zu nehmen.
Nach Reuters-Informationen hat das US-Finanzministerium bereits zwei nicht öffentlich benannte chinesische Banken gewarnt: Sollten über ihre Systeme iranische Gelder laufen, könnten auch sie mit Sekundärsanktionen belegt werden.
Das wäre eine andere Größenordnung.
Eine kleinere Scheinfirma lässt sich ersetzen. Eine große Bank, die Zugang zum Dollar und zum amerikanischen Finanzsystem benötigt, kann amerikanische Sanktionen nicht ebenso leicht ignorieren. Schon die Drohung könnte dazu führen, dass Finanzinstitute Geschäfte mit Iran vorsorglich ablehnen.
Genau darauf setzt Washington.
Nicht Iran allein soll entscheiden müssen
Die Strategie hinter den Sekundärsanktionen ist simpel: Trump will die Entscheidung über Geschäfte mit Iran aus Teheran heraus verlagern.
Eine chinesische Raffinerie, ein Händler am Golf oder eine Bank soll sich künftig fragen müssen: Ist das Geschäft mit Iran den möglichen Verlust des Zugangs zum amerikanischen Markt wert?
Das US-Finanzministerium hat diesen Kurs bereits deutlich verschärft. Allein seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit wurden nach Angaben von Reuters mehr als 1.000 Personen, Schiffe und Flugzeuge mit Iran-Bezug sanktioniert. Washington geht gegen Schattenbanken, Kryptowährungsplattformen, Reedereien, Versicherer und Firmen vor, die iranische Geschäfte verschleiern.
Anfang August erklärte Bessent bei neuen Sanktionen gegen iranische Schattenbank-Netzwerke unmissverständlich, jeder Helfer, der das Regime finanziell über Wasser halte, mache sich selbst zum Ziel amerikanischer Maßnahmen.
Das Problem: Iran kennt dieses Spiel.
Wird eine Scheinfirma geschlossen, entsteht die nächste. Wird ein Schiff sanktioniert, wechselt es Besitzer oder Flagge. Werden Bankkonten eingefroren, entstehen neue Zahlungswege.
Ein Sanktionsexperte bezeichnete dieses Vorgehen gegenüber Reuters deshalb als eine Art „Whack-a-Mole“: Man schlägt einen Vermittler aus dem System, kurz darauf taucht ein neuer auf.
Trump scheint deshalb nach Wegen zu suchen, nicht mehr nur einzelne Löcher zu stopfen, sondern das gesamte Netz enger zu ziehen.
Dazu gehören zusätzliche Maßnahmen gegen Ölkäufer, Reedereien, Wechselstuben und möglicherweise auch den Luftverkehr. Denn nachdem der amerikanische Druck auf den iranischen Seehandel massiv gestiegen ist, könnte Teheran versuchen, bestimmte hochwertige Waren verstärkt über andere Transportwege zu bewegen.
Noch sehr viel radikaler ist eine weitere Idee, die nach Reuters-Informationen von einzelnen amerikanischen und israelischen Vertretern ins Gespräch gebracht wurde: eine Blockade der iranischen Landgrenzen.
Iran grenzt an Irak, Türkei, Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan, Aserbaidschan und Armenien. Ohne deren Zusammenarbeit wäre eine solche Abschottung praktisch nicht durchsetzbar.
Washington besitzt allerdings durchaus Hebel.
Pakistan sucht amerikanische Unterstützung für eine Währungsvereinbarung im Umfang von zehn Milliarden Dollar. Die Türkei wiederum möchte zurück in das amerikanische F-35-Programm. Beides könnte theoretisch genutzt werden, um Druck auszuüben.
Doch eine Landblockade wäre ein drastischer Schritt und ist derzeit keine beschlossene amerikanische Politik. Experten bezweifeln zudem, dass sie praktisch vollständig durchsetzbar wäre. Manche Grenzen sind Tausende Kilometer lang, andere verlaufen durch schwer kontrollierbare Gebirge. Außerdem würden nicht nur das Regime und seine Streitkräfte getroffen, sondern auch normale Iraner, die auf Lebensmittel, Energie, Kleidung und andere Importe angewiesen sind.
Genau hier liegt die Grenze zwischen wirtschaftlichem Druck auf ein Regime und einer Maßnahme, deren Folgen vor allem die Bevölkerung spürt.
Auch deshalb ist wahrscheinlicher, dass Washington zunächst dort ansetzt, wo es den größten Hebel besitzt: beim Geld.
Der eigentliche Test heißt China
Trump hat noch eine weitere Möglichkeit: Strafzölle gegen Staaten, die weiterhin mit Iran Geschäfte machen.
Dafür gibt es allerdings ein rechtliches Problem. Der Supreme Court hat die bisher von Trump herangezogene Rechtsgrundlage für derartige Zölle verworfen.
Im Kongress könnte sich nun ein neuer Weg öffnen.
Der US-Senat verabschiedete am 7. August mit 86 zu 11 Stimmen ein umfangreiches Sanktionsgesetz, das ursprünglich vor allem gegen Russland gerichtet ist, aber auch neue Iran-Maßnahmen enthält. Das Gesetz würde Trump zusätzliche Möglichkeiten geben, Staaten beziehungsweise Geschäfte mit Zöllen zu belegen, wenn sie sanktionierte Handels- und Beschaffungsstrukturen unterstützen.
Noch ist das nicht geltendes Recht. Das Repräsentantenhaus muss zustimmen.
Damit bleibt China der entscheidende Test für Trumps große Ankündigung.
Kleinere Unternehmen zu sanktionieren ist vergleichsweise einfach. Große chinesische Banken oder Raffinerien zu treffen, kann dagegen eine wirtschaftliche Gegenreaktion Pekings auslösen. Die Trump-Regierung versucht gleichzeitig, die Beziehungen zu China vor einem erwarteten Treffen zwischen Trump und Xi Jinping nicht völlig eskalieren zu lassen.
Washington ist zudem selbst von chinesischen Rohstoffen abhängig. Besonders bei kritischen Mineralien besitzt Peking erheblichen Einfluss auf Lieferketten, die für Elektronik, Rüstung und Hochtechnologie entscheidend sind.
Trump muss deshalb eine schwierige Grenze finden.
Seine Drohung funktioniert nur, wenn andere Staaten glauben, dass er sie tatsächlich umsetzt. Setzt er sie vollständig gegen China um, riskiert er jedoch einen zweiten großen Wirtschaftskonflikt.
Iran setzt genau darauf.
Teheran hofft seit Jahren, dass amerikanische Sanktionen irgendwann an den wirtschaftlichen Interessen anderer Großmächte scheitern.
Trump will nun das Gegenteil beweisen.
Am Montag wird sich zeigen, ob hinter der Ankündigung der „härtesten Sanktionen der Geschichte“ vor allem neue Namen auf amerikanischen Sanktionslisten stehen.
Oder ob Washington tatsächlich bereit ist, diejenigen anzugreifen, ohne die Irans Wirtschaft kaum noch funktionieren könnte.
Dann wäre nicht Teheran allein das Ziel.
Sondern jeder, der dem Regime weiterhin Geld verschafft.
Autor: Redaktion
Montag, 24 August 2026