Nach der Feuerpause schlagen USA und Iran wieder zuNach der Feuerpause schlagen USA und Iran wieder zu
Nach Wochen relativer Ruhe greifen die USA erneut iranische Stellungen an, Teheran antwortet mit Raketen. Gleichzeitig spricht Irans Präsident von Verhandlungen, während Washington den wirtschaftlichen Druck massiv erhöht.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Die mühsam erreichte Ruhe zwischen den Vereinigten Staaten und Iran bekommt tiefe Risse. Erstmals seit Ende Juli haben amerikanische Streitkräfte wieder Ziele auf iranischem Territorium angegriffen. Teheran antwortete mit ballistischen Raketen gegen amerikanische Stützpunkte in Jordanien und behauptete zudem einen Angriff auf einen US-Stützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Gleichzeitig erklärt Irans Präsident Masoud Pezeshkian, sein Land suche weiterhin eine Verhandlungslösung. Was wie ein Widerspruch klingt, beschreibt die Lage ziemlich genau: Iran versucht militärischen Druck aufrechtzuerhalten, ohne die Tür zu Gesprächen vollständig zuzuschlagen. Washington wiederum zeigt, dass es neue iranische Bedrohungen an der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen nicht hinnehmen will und zugleich versucht, das Regime wirtschaftlich immer stärker von seinen verbliebenen Geldquellen abzuschneiden.
Ausgangspunkt der neuen militärischen Auseinandersetzung war die kleine, strategisch wichtige Insel Larak in der Straße von Hormus. US-Streitkräfte griffen dort am Sonntag zwei iranische Abschussvorrichtungen an. Nach amerikanischen Angaben hatten Einheiten der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen Vorbereitungen getroffen, Raketen einzusetzen, mit denen Seeminen in die Meerenge gebracht werden sollten. Das US Central Command bezeichnete den Angriff als begrenzte und präzise Maßnahme gegen eine unmittelbar bevorstehende Gefahr für zivile Seeleute, Handelsschiffe und den internationalen Warenverkehr. Iranische Angaben sprechen von zwei Toten und weiteren Verletzten auf der Insel.
Damit bekommt Larak erneut jene Bedeutung, die bereits beim amerikanischen Angriff am Wochenende sichtbar geworden war. Die Insel liegt an einer der empfindlichsten Stellen des internationalen Energiesystems. Durch die Straße von Hormus wurden vor Beginn des Krieges etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls transportiert. Seit Beginn der Kämpfe ist dieser Verkehrsweg erheblich beeinträchtigt. Am vergangenen Wochenende sank die Zahl der sichtbar registrierten Frachtschiffe, die die Meerenge passierten, Berichten zufolge auf nur noch etwa fünf pro Tag. Für Iran ist die Wasserstraße deshalb nicht einfach ein geografischer Vorteil, sondern ein politisches und militärisches Druckmittel gegenüber den Vereinigten Staaten, den Golfstaaten und letztlich der Weltwirtschaft.
Iran schießt zurück und verbreitet widersprüchliche Erfolgsmeldungen
Teherans Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Iran feuerte ballistische Raketen in Richtung amerikanischer Einrichtungen in Jordanien. Die jordanischen Streitkräfte bestätigten offiziell, dass acht Raketen in den Luftraum des Königreichs eingedrungen seien. Die Luftverteidigung habe alle acht Geschosse zerstört, bevor sie Menschen oder Eigentum gefährden konnten. Die iranische Führung erklärte, die angegriffenen amerikanischen Einrichtungen seien zur Unterstützung des Angriffs auf Larak genutzt worden.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate gerieten in den Konflikt. Das iranische Militär behauptete, den Luftwaffenstützpunkt Al Minhad angegriffen zu haben. Abu Dhabi widersprach dieser Darstellung ausdrücklich. Bestätigt wurde dagegen, dass die emiratische Luftwaffe über den Hoheitsgewässern eine aus Iran kommende Drohne abfing. Damit zeigt sich erneut ein Muster, das die Auseinandersetzung seit Monaten begleitet: Iran richtet seine Reaktionen nicht allein direkt gegen die USA oder IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, sondern setzt auch jene Staaten unter Druck, auf deren Gebiet amerikanische Streitkräfte stationiert sind. Für die Golfstaaten bedeutet das, dass iranische Vergeltungsaktionen ihre eigene Sicherheit unmittelbar berühren.
Noch unübersichtlicher wurde die Lage durch iranische Meldungen über einen angeblich von zwei Seeminen getroffenen Supertanker in der südlichen Straße von Hormus. Die Revolutionsgarden behaupteten, das Schiff sei in Brand geraten und vollständig zum Stillstand gekommen. Das US Central Command widersprach am Montagnachmittag ausdrücklich: Kein Schiff habe in der Straße von Hormus eine Mine getroffen, die iranische Darstellung sei falsch. Iran hatte weder den Namen des angeblich betroffenen Tankers noch Angaben zur Besatzung veröffentlicht. Solange dafür keine unabhängigen Nachweise vorliegen, ist die iranische Behauptung deshalb nicht als bestätigte Tatsache zu behandeln.
Gerade dieser Vorgang zeigt, warum die militärische Auseinandersetzung um Hormus nicht nur mit Raketen und Drohnen geführt wird. Es geht ebenso um Informationen. Schon die Nachricht, ein großer Tanker sei auf eine Mine gelaufen, kann Versicherer, Reedereien und Energiekonzerne beeinflussen. In einer Wasserstraße, deren Nutzung ohnehin drastisch zurückgegangen ist, kann die Behauptung einer neuen Minengefahr wirtschaftliche Folgen haben, selbst wenn sie später widerlegt wird.
Auf amerikanischer Seite gab es allerdings ebenfalls einen Vorgang, der einer klaren journalistischen Einordnung bedarf. US-Präsident Donald Trump veröffentlichte in sozialen Medien ein Video, das angeblich die Zerstörung der iranischen Insel Kharg zeigte, und schrieb dazu, die Insel werde in Stücke gesprengt. Kharg war vor dem Krieg das Zentrum von rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte und wäre deshalb ein Ziel von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Doch für einen solchen Angriff gibt es derzeit keinen Beleg. Ein US-Regierungsvertreter erklärte Reuters, Kharg sei bei den nächtlichen Angriffen nicht getroffen worden. Reuters kam nach technischer Prüfung zudem zu dem Ergebnis, dass das von Trump verbreitete Video höchstwahrscheinlich künstlich erzeugt worden war. Iranische Stellen erklärten, der Betrieb auf Kharg laufe weiter.
Das gehört ausgesprochen, auch wenn Washington in der grundlegenden Auseinandersetzung mit dem iranischen Regime berechtigte Sicherheitsinteressen verfolgt. Wer iranische PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen als solche benennt, darf offensichtliche oder wahrscheinlich künstlich erzeugte Bilder auf amerikanischer Seite nicht ungeprüft übernehmen. Gerade in einem Krieg, in dem DesinformationDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen zur Waffe geworden ist, muss die Trennlinie zwischen bestätigtem Angriff und politischer Inszenierung erhalten bleiben.
Pezeshkian redet über Frieden, Washington dreht den Geldhahn zu
Bemerkenswert ist, dass Irans Präsident Pezeshkian ausgerechnet nach der neuen Runde gegenseitiger Angriffe erneut Verhandlungen ins Spiel brachte. Bei einem Treffen mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi erklärte er, die Fortsetzung des Krieges liege weder im Interesse Irans noch der Region oder der Menschheit. Dialog und Zusammenarbeit seien der Weg zur Lösung der bestehenden Probleme. Gleichzeitig warf Pezeshkian Washington vor, frühere Verpflichtungen nicht eingehalten zu haben.
Man sollte diese Worte nicht mit einer grundsätzlichen politischen Kehrtwende Teherans verwechseln. Während der Präsident von Gesprächen spricht, setzen die Revolutionsgarden ihre militärischen Drohungen fort, Raketen werden gegen amerikanische Einrichtungen abgefeuert und die Straße von Hormus bleibt das zentrale Druckmittel des Regimes. Diplomatische Sprache und militärischer Zwang stehen für Teheran nicht zwangsläufig im Gegensatz zueinander. Beides kann gleichzeitig Teil derselben Strategie sein.
Washington versucht deshalb inzwischen verstärkt, Iran dort zu treffen, wo militärische Angriffe allein keine dauerhafte Lösung schaffen: bei seinen Finanzströmen. Das US-Finanzministerium startete am 24. August die sogenannte „Operation Economic Outcast“. Ziel ist nach eigenen Angaben, die verbliebenen internationalen Finanzverbindungen des iranischen Regimes abzuschneiden. Finanzminister Scott Bessent kündigte inzwischen an, wahrscheinlich wöchentlich neue Sekundärsanktionen vorzulegen. Zunächst sollen Banken ins Visier geraten, später weitere Unternehmen und Finanzkanäle, über die Iran Öl verkauft, Sanktionen umgeht oder seine militärischen Strukturen finanziert.
Dass dies mehr als eine Ankündigung ist, zeigte Washington bereits am Freitag. Das US-Finanzministerium ging gegen die Niederlassungen der ägyptischen Banque Misr in den Vereinigten Arabischen Emiraten vor. Nach amerikanischen Angaben wurden dort innerhalb von zweieinhalb Jahren verdächtige Transaktionen im Milliardenbereich für iranische Stellen abgewickelt. Zudem wurden weitere Personen und Unternehmen sanktioniert, denen Unterstützung iranischer Finanznetze vorgeworfen wird.
Für Israel ist die Entwicklung von unmittelbarer Bedeutung. Der Konflikt mit dem iranischen Regime hat sich nie auf die Entfernung zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Teheran beschränkt. Irans Raketenarsenal, seine Unterstützung terroristischer Organisationen, seine nuklearen Ambitionen und die Fähigkeit, den internationalen Schiffsverkehr zu bedrohen, waren über Jahre Teile derselben Strategie. Wenn die Vereinigten Staaten nun verhindern, dass die Revolutionsgarden erneut Minen in die Straße von Hormus bringen, schützt dies nicht nur einen Handelsweg. Es begrenzt ein Instrument, mit dem Teheran seine Nachbarn und die Weltwirtschaft unter Druck setzen kann.
Gleichzeitig zeigt die Nacht zum Montag, wie zerbrechlich jede Verständigung bleibt. Ein iranischer Versuch, neue Minen auszubringen, kann einen amerikanischen Angriff auslösen. Darauf folgen iranische Raketen auf amerikanische Einrichtungen. Eine Drohne dringt in den Luftraum eines Golfstaates ein. Ölpreise reagieren binnen Stunden. Parallel spricht Pezeshkian von Frieden und Bessent kündigt die nächste Runde wirtschaftlichen Drucks an.
Die Frage ist deshalb nicht, ob beide Seiten derzeit über Verhandlungen reden. Entscheidend ist, ob Teheran bereit ist, seine militärischen Drohmittel tatsächlich aufzugeben. Solange die Revolutionsgarden versuchen, die Straße von Hormus als Waffe einzusetzen, reichen Friedensbeteuerungen aus Teheran nicht. Nach sechs Monaten Krieg braucht die Region keine weiteren Versprechen. Sie braucht überprüfbare Schritte, die verhindern, dass Iran erneut Raketen, Minen und Drohnen zur Durchsetzung seiner politischen Ziele einsetzt.
Autor: Redaktion
Dienstag, 01 September 2026