Washington setzt auf den inneren Bruch in Iran

Washington setzt auf den inneren Bruch in Iran


Die USA verschärfen den wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Teheran. Finanzminister Scott Bessent hält inzwischen offen für möglich, dass sich die Bevölkerung erhebt oder die Revolutionsgarden von innen zerfallen.

Washington setzt auf den inneren Bruch in Iran
Bildnachweis: Symbolbild / KI

In Washington wird inzwischen offen über ein Szenario gesprochen, das noch vor wenigen Monaten vor allem hinter verschlossenen Türen diskutiert wurde: Der kombinierte militärische und wirtschaftliche Druck auf Iran könnte das Regime nicht nur zu Zugeständnissen zwingen, sondern seine innere Stabilität erschüttern. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, ein Aufstand der Bevölkerung oder sogar ein Bruch innerhalb der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen sei möglich. Gleichzeitig erwägt Präsident Donald Trump nach amerikanischen Medienberichten, die militärische Kampagne offiziell für beendet zu erklären und den Schwerpunkt anschließend vollständig auf wirtschaftliche Isolation und gezielte Abschreckung zu legen.

Bessent formulierte den Gedanken ungewöhnlich offen. Das erklärte Ziel der amerikanischen Politik sei zwar nicht zwingend der Sturz der iranischen Führung. Er könne aber eine Folge des wachsenden Drucks sein. Die Bevölkerung könne sich erheben, innerhalb der Machtstrukturen könnten Konflikte entstehen, und selbst die Revolutionsgarden könnten beginnen, gegeneinander zu arbeiten. Die Trump-Regierung versucht damit erkennbar, Teheran nicht nur militärisch und wirtschaftlich zu treffen, sondern Zweifel an der eigenen Überlebensfähigkeit in die Führung des Regimes hineinzutragen.

Dabei ist allerdings eine Zahl aus Bessents jüngster Aussage mit Vorsicht zu behandeln. Er sprach von einer Inflation von 100 Prozent. Reuters berichtete für Juli von einer Inflationsrate von rund 66 Prozent. Gleichzeitig fiel der Rial zuletzt auf ein Rekordtief von mehr als zwei Millionen Rial je US-Dollar. Der wirtschaftliche Absturz ist damit real, auch wenn die von Bessent genannte Größenordnung öffentlich bislang nicht unabhängig bestätigt ist. Irans Zentralbankchef Abdolnaser Hemmati musste zuletzt selbst öffentlich versichern, das Land verfüge über ausreichende Devisenreserven und werde wirtschaftlich nicht zusammenbrechen. Solche Erklärungen zeigen zumindest, wie groß die Sorge um Vertrauen in die eigene Währung inzwischen geworden ist.

Trump ruft die Iraner offen zum Widerstand auf

Noch weiter ging Präsident Trump. Auf Truth Social fragte er öffentlich, wann die Iraner endlich „aufstehen und kämpfen“ würden. Wenig später wurde er im Weißen Haus gefragt, ob dies bedeute, dass die CIA iranische Gegner des Regimes bewaffnen könnte. Trump dementierte diese Möglichkeit nicht. Er erklärte lediglich, es wäre nicht angemessen, darüber öffentlich zu sprechen. Das ist keine Bestätigung eines laufenden Geheimdienstprogramms. Aber es zeigt, dass Washington die Frage eines inneren Aufstands nicht mehr nur als theoretische Möglichkeit behandelt.

Trump behauptete zugleich, Zehntausende Demonstranten seien in den vergangenen Monaten vom iranischen Regime getötet worden. Für die von ihm genannten Gesamtzahlen gibt es derzeit keine unabhängig bestätigte Grundlage. Dass die Führung in Teheran Proteste mit brutaler Gewalt unterdrückt, ist hingegen vielfach dokumentiert. Bereits in den vergangenen Monaten setzte das Regime verstärkt Polizei, Basij-Miliz und Revolutionsgarden ein, um mögliche Protestbewegungen frühzeitig zu ersticken.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob ein Aufstand unmittelbar bevorsteht. Dafür gibt es derzeit keinen sicheren Beleg. Entscheidend ist, dass die amerikanische Führung die innere Stabilität des Regimes inzwischen ausdrücklich als Teil ihrer Strategie betrachtet.

Washington hat dafür vor allem die wirtschaftliche Schraube weiter angezogen. Am 24. August startete das US-Finanzministerium die sogenannte „Operation Economic Outcast“. Ziel sei es, sämtliche finanziellen Lebensadern des iranischen Regimes zu kappen. Bessent sprach von einem wirtschaftlichen Angriff auf die weltweiten Finanzverbindungen Teherans. Banken, Schifffahrt, Luftverkehr, digitale Vermögenswerte und Unternehmen, die Iran beim Umgehen von Sanktionen unterstützen, geraten zunehmend ins Visier. Das US-Finanzministerium erklärte ausdrücklich, man wolle Iran wirtschaftlich isolieren, bis dem Regime kaum noch Einnahmequellen blieben.

Die ersten Maßnahmen laufen bereits. Ende August leitete Washington Schritte ein, um die Niederlassungen der ägyptischen Banque Misr in den Vereinigten Arabischen Emiraten vom amerikanischen Finanzsystem abzuschneiden. Nach Angaben des Finanzministeriums wurden dort verdächtige Transaktionen im Milliardenbereich für iranische Stellen abgewickelt. Weitere Banken und Unternehmen sollen folgen.

Bessent machte inzwischen deutlich, dass auch Fluggesellschaften, Leasingfirmen, Schifffahrtsunternehmen und digitale Finanzkanäle ins Visier geraten könnten. Staaten und Unternehmen, die Teheran weiterhin unterstützen, müssten mit amerikanischen Konsequenzen rechnen. Damit versucht Washington, aus der militärischen Schwächung Irans eine dauerhafte wirtschaftliche Isolation zu machen.

Krieg beenden – Druck aufrechterhalten

Gleichzeitig deutet sich in Washington eine mögliche Veränderung der militärischen Strategie an. Nach Informationen des Wall Street Journal hat Trump mit Beratern darüber gesprochen, den Krieg gegen Iran offiziell für beendet zu erklären. Nach Darstellung amerikanischer Regierungsvertreter hält er diesen Schritt grundsätzlich für möglich. Die Idee dahinter: Die intensive militärische Phase könnte enden, während Sanktionen, Blockade und militärische Abschreckung bestehen bleiben.

Das wäre kein Rückzug. Das Pentagon verlängert gleichzeitig die Stationierung großer Verbände im Nahen Osten bis ins Jahr 2027. Rund 50.000 amerikanische Soldaten und zahlreiche Kriegsschiffe bleiben damit in Reichweite Irans. Washington könnte also die regelmäßigen Angriffe reduzieren, ohne Teheran militärisch freie Hand zu lassen.

Auch Reuters berichtet, dass Teile der Trump-Regierung derzeit eine ruhigere militärische Phase bevorzugen. Der wirtschaftliche Druck soll dafür deutlich erhöht werden. Gleichzeitig bleiben weitere Angriffe möglich, falls Iran amerikanische Truppen, die internationale Schifffahrt oder Verbündete erneut attackiert.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Strategie von unmittelbarer Bedeutung. Ein innerer Zerfall des iranischen Regimes wäre zwar möglicherweise die nachhaltigste Veränderung der Sicherheitslage im Nahen Osten, doch er lässt sich von außen nicht erzwingen wie die Zerstörung eines Raketenwerfers oder einer Radaranlage. Iran besitzt weiterhin Sicherheitskräfte, Geheimdienste, Revolutionsgarden und die Basij-Miliz, die seit Jahrzehnten darauf ausgerichtet sind, die eigene Bevölkerung zu kontrollieren.

Deshalb wäre es gefährlich, aus wirtschaftlichem Zusammenbruch automatisch politischen Zusammenbruch abzuleiten.

Die iranische Führung hat schon frühere Protestwellen mit massiver Gewalt überstanden. Die Revolutionsgarden sind nicht nur eine militärische Organisation, sondern tief in Wirtschaft, Politik und Sicherheitsapparat eingebettet. Ein tatsächlicher Bruch innerhalb dieses Systems wäre von enormer Bedeutung. Bislang gibt es jedoch keine belastbaren Hinweise darauf, dass ein solcher Zerfall unmittelbar bevorsteht.

Genau deshalb bleibt Bessents Formulierung wichtig: Er spricht von einer Möglichkeit, nicht von einer Gewissheit.

Washington scheint inzwischen auf zwei Ergebnisse gleichzeitig hinzuarbeiten. Im günstigsten Fall akzeptiert Teheran weitreichende amerikanische Forderungen zum Nuklearprogramm und seiner militärischen Politik. Falls das Regime dazu nicht bereit ist, soll der wirtschaftliche und militärische Druck so groß werden, dass die Führung von innen heraus unter Stress gerät.

Trump hat diese Linie noch schärfer formuliert. Er interessiert sich nach eigenen Worten inzwischen weniger für ein Abkommen als für die Frage, wie lange das Regime unter dem jetzigen Druck bestehen kann. Die iranische Wirtschaft kollabiert nach seiner Darstellung, die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen ist Teherans Kontrolle weitgehend entzogen und die Führung werde täglich schwächer.

Ob daraus tatsächlich ein Aufstand entsteht, entscheidet jedoch nicht Washington.

Das entscheiden am Ende die Iraner selbst.

Die USA versuchen derzeit lediglich, die Bedingungen zu schaffen, unter denen das Regime entweder nachgibt oder möglicherweise an seinen eigenen inneren Widersprüchen zerbricht.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 03 September 2026

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