Irans Urananreicherung steht still, Israel rechnet trotzdem mit dem nächsten SchlagIrans Urananreicherung steht still, Israel rechnet trotzdem mit dem nächsten Schlag
Israel und die USA haben Irans Atomprogramm so schwer getroffen wie nie zuvor. Doch überlebende Zentrifugen, verschüttetes hochangereichertes Uran und der tief im Fels verborgene Komplex Pickaxe Mountain verhindern Entwarnung.

Bildnachweis: Nasa Firms /
QuelleIrans bekanntes Urananreicherungsprogramm ist nach Einschätzung israelischer Sicherheitskreise derzeit außer Betrieb. Keine Zentrifuge reichert gegenwärtig Uran an, der überwiegende Teil der früheren Anlagen wurde zerstört oder funktionsunfähig gemacht. Was nach einem historischen Erfolg klingt, ist für Israels Militärgeheimdienst Aman dennoch kein Grund, die iranische Atomakte zu schließen.
Im Gegenteil. Generalmajor Shlomi Binder, seit August 2024 Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, richtet einen erheblichen Teil seiner Arbeit darauf aus, einen Wiederaufbau des iranischen Atomwaffenpotenzials frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls erneut militärisch zu stoppen. Nach Informationen der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post sind zwar fast alle der einst rund 20.000 iranischen Zentrifugen zerstört oder unbrauchbar, eine nicht näher bezifferte Zahl moderner Anlagen soll jedoch tief unter der Erde überlebt haben.
Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem schwer geschlagenen und einem endgültig beseitigten Atomprogramm.
Schon wenige hundert funktionsfähige moderne IR-6-Zentrifugen könnten nach Einschätzung der von der Jerusalem Post zitierten Quellen langfristig ausreichen, um heimlich wieder genügend hochangereichertes Material für eine Atomwaffe herzustellen. Hinzu kommt das Uran, das vor den Angriffen bereits auf 20 beziehungsweise 60 Prozent angereichert worden war. Teile davon befinden sich offenbar unter Trümmern oder in schwer zugänglichen unterirdischen Bereichen.
Unabhängige Analysen bestätigen zumindest einen wesentlichen Teil dieses Bildes. Das Institute for Science and International Security kam im Juni zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise auf laufende Urananreicherung erkennbar seien und das iranische Zentrifugenprogramm weitgehend zerstört sei. Gleichzeitig warnte das Institut vor verbliebenem angereichertem Uran und unterirdischen Anlagen, die künftig für einen Wiederaufbau genutzt werden könnten.
Der gefährlichste Berg Irans
Im Mittelpunkt der israelischen Aufmerksamkeit steht inzwischen Pickaxe Mountain südlich von Natanz. Der gewaltige Tunnelkomplex liegt tief unter einem Granitmassiv und wurde bislang weder von IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen noch von den Vereinigten Staaten zerstört.
Erst am Mittwoch veröffentlichte das Center for Strategic and International Studies eine neue Auswertung von Satellitenbildern. Sie zeigt 2026 mehr Bautätigkeit an Pickaxe Mountain als in den sechs Jahren zuvor. Zufahrten wurden ausgebaut, Tunnelportale verstärkt und Arbeiten im Inneren des Komplexes offenbar intensiviert. Gleichzeitig betont CSIS ausdrücklich, dass die Bilder weder bestätigen noch widerlegen können, dass Iran bereits Zentrifugen in den Berg verlegt hat. Hinweise auf gegenwärtige Urananreicherung gibt es nicht.
haOlam berichtete bereits am Mittwoch über diesen auffälligen Ausbau. Die Anlage ist deshalb besonders problematisch, weil selbst die schwerste konventionelle amerikanische Bunkerbrecherbombe GBU-57 möglicherweise nicht ausreicht, um tief liegende Bereiche zuverlässig zu zerstören.
US-Präsident Donald Trump verschärfte den Druck am Donnerstag erneut. Er erklärte, Washington beobachte nun Aktivitäten an Pickaxe Mountain und drohte Iran mit einem Angriff, falls Teheran dort Schritte unternehme, die aus amerikanischer Sicht eine neue Gefahr darstellen.
Dabei bleibt ein entscheidender Punkt ungeklärt. Israelische Geheimdienste gehen laut früheren Berichten davon aus, dass Iran Tausende Zentrifugen in die unterirdische Anlage gebracht haben könnte. Einen öffentlich überprüfbaren Beweis dafür gibt es bislang nicht. Auch CSIS konnte diese Einschätzung anhand der Satellitenaufnahmen nicht bestätigen.
Genau diese Unsicherheit ist für Israel das Problem.
Ein iranisches Atomprogramm muss nicht heute betriebsbereit sein, um morgen wieder gefährlich zu werden.
Israel will den Fehler einer falschen Entwarnung vermeiden
Binder und die israelische Militärführung konzentrieren sich deshalb nicht allein auf Urananreicherung. Nach Angaben der Jerusalem Post galten die israelischen Angriffe auch Anlagen, die für spätere Schritte zum Bau eines nuklearen Sprengkopfes benötigt würden. Dazu gehören Einrichtungen zur Herstellung von Uranmetall und zur Weiterverarbeitung des Materials für einen nuklearen Gefechtskopf. Israelische Geheimdienstkreise sehen bislang keine ernsthaften Fortschritte Teherans beim Wiederaufbau dieser Fähigkeiten.
Damit hat Israel einen erheblichen strategischen Erfolg erzielt. Jahrzehntelang wuchs das iranische Atomprogramm trotz Sabotage, Sanktionen und internationaler Verhandlungen immer weiter. Einzelne Anlagen konnten zeitweise außer Betrieb gesetzt werden, die gesamte Anreicherung jedoch nie dauerhaft gleichzeitig gestoppt werden. Nach den Angriffen von 2025 und 2026 ist genau das erstmals gelungen.
Entwarnung wäre dennoch gefährlich.
Die Internationale Atomenergiebehörde kann wesentliche Teile des iranischen Programms weiterhin nicht vollständig überprüfen. Nach den Angriffen verlor die IAEA die kontinuierliche Kontrolle über Bestände an Nuklearmaterial. Besonders problematisch bleibt der Verbleib von zuvor hochangereichertem Uran. Die Behörde erklärte, dass sie ohne vollständigen Zugang keine Gewissheit über den ausschließlich friedlichen Charakter des iranischen Nuklearprogramms geben könne.
Diese Woche erhöhte die IAEA den Druck erneut. Ihr Gouverneursrat beschloss, Iran wegen der Verletzung seiner Verpflichtungen zur nuklearen Nichtverbreitung an den UN-Sicherheitsrat zu melden. Hintergrund sind unter anderem fehlender Zugang zu bombardierten Anlagen und offene Fragen zum Verbleib des hochangereicherten Materials.
Für Binder folgt daraus eine nüchterne Konsequenz. Israels Aufgabe endet nicht mit der Zerstörung von Natanz oder Fordow. Entscheidend ist, ob Iran irgendwann wieder genügend Zentrifugen, Uran und technische Einrichtungen zusammenführen kann, um den Weg zur Bombe erneut aufzunehmen.
Nach den israelischen und amerikanischen Angriffen benötigt Teheran dafür heute erheblich mehr Zeit, mehr Geld und wesentlich größere Geheimhaltung als zuvor.
Aber unmöglich ist es nicht.
Deshalb gilt Pickaxe Mountain inzwischen als strategische Bedrohung, die nach israelischer Einschätzung möglicherweise irgendwann ausgeschaltet werden muss. Die Jerusalem Post berichtet, sowohl Aman als auch Mossad bevorzugten einen solchen Schritt, bevor der Komplex betriebsbereit wird und Iran entscheidende Teile seines Atomprogramms dort dauerhaft unterbringen kann.
Israel hat Irans Atomprogramm nicht einfach um einige Monate verzögert. Es hat einen Großteil der bekannten Infrastruktur zerstört und die Urananreicherung zum Stillstand gebracht.
Doch Teheran besitzt noch Wissen, Material, überlebende Technik und tief eingegrabene Anlagen.
Der Kampf gegen eine iranische Atombombe ist deshalb nicht beendet.
Er hat nur seine Form verändert.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 10 September 2026