Vom „Aktivisten“ zum Kriegsfreiwilligen: Ken O’Keefe will mit Iran gegen Israel kämpfen

Vom „Aktivisten“ zum Kriegsfreiwilligen: Ken O’Keefe will mit Iran gegen Israel kämpfen


Kenneth O’Keefe verbreitet im iranischen Fernsehen antisemitische Verschwörungserzählungen und hofft offen auf Israels Vernichtung. Er würde sich nach eigenen Worten sogar an einem iranischen Angriff beteiligen.

Vom „Aktivisten“ zum Kriegsfreiwilligen: Ken O’Keefe will mit Iran gegen Israel kämpfen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der amerikanisch-irische Aktivist Kenneth O’Keefe hat aus seiner jahrzehntelangen Feindschaft gegenüber IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen keinen Hehl gemacht. Nun geht er noch einen entscheidenden Schritt weiter: In einem Interview mit dem iranischen Sender Ofogh TV erklärte der frühere US-Marine, er hoffe auf einen massiven iranischen Militärschlag, nach dem Israel nicht mehr existieren werde. Mehr noch: Er wolle sich selbst an einer Operation der sogenannten „Achse des WiderstandsAchse des Widerstands: Irans Terrornetzwerk gegen Israel„Achse des Widerstands“ ist die Eigenbezeichnung eines von Iran unterstützten Netzwerks aus Terrororganisationen und Milizen. Dazu zählen unter anderem Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und proiranische Milizen im Irak und in Syrien. Das Netzwerk bedroht Israel mit Raketen, Drohnen, Terroranschlägen und Stellvertreterkrieg.Mehr lesen“ gegen Israel beteiligen.

Die Aussagen wurden vom Middle East Media Research Institute, MEMRI, dokumentiert und aus dem Persischen beziehungsweise der iranischen Fernsehausstrahlung übersetzt. Ofogh gehört zum staatlichen iranischen Rundfunksystem IRIB. O’Keefe erhielt seine Bühne damit nicht bei irgendeinem privaten Internetkanal, sondern in einem Medium des Regimes, das seit Jahrzehnten die Vernichtung Israels propagiert.

O’Keefe erklärte demnach, er hoffe, den Tag zu erleben, an dem Iran seine militärischen Fähigkeiten vollständig einsetzt. Dann werde Israel nicht mehr existieren. Anschließend sagte er ausdrücklich, er wünsche sich einen Angriff Irans gemeinsam mit der vom Regime aufgebauten „Achse des Widerstands“ und würde gerne persönlich daran teilnehmen.

Das ist keine zugespitzte Kritik an einer israelischen Regierung und auch kein gewöhnlicher „pro-palästinensischer Aktivismus“. Hier erklärt ein westlicher Aktivist öffentlich seine Bereitschaft, sich an einem militärischen Angriff auf Israel zu beteiligen.

Antisemitische Verschwörung statt Nahostkritik

O’Keefes Auftritt beschränkte sich nicht auf die Forderung nach Israels Zerstörung. Er verbreitete zugleich eine klassische antisemitische VerschwörungserzählungProtokolle der Weisen von Zion: Die tödlichste Fälschung des modernen AntisemitismusDie „Protokolle der Weisen von Zion“ sind eine antisemitische Fälschung aus dem frühen 20. Jahrhundert. Sie behaupten wahrheitswidrig, Juden planten die Weltherrschaft, und wurden weltweit zur Rechtfertigung von Judenhass benutzt.Mehr lesen. Nach seiner Darstellung existiere ein angeblicher „talmudischer Plan“, wonach die Vereinigten Staaten zerstört und anschließend durch ein „jüdisches System“ ersetzt werden sollten.

Mit politischer Analyse hat diese Behauptung nichts zu tun. Sie folgt einem seit Jahrhunderten bekannten antisemitischen Muster: Juden werden als heimliche Macht dargestellt, die Staaten, Finanzsysteme und Regierungen kontrolliere und im Hintergrund an einer neuen Weltordnung arbeite.

Die Anti-Defamation League dokumentiert solche Äußerungen O’Keefes bereits seit Jahren. Schon 2016 bezeichnete sie ihn als antisemitischen Verschwörungsideologen. Bei Auftritten in den Vereinigten Staaten behauptete er unter anderem, jüdische Banker kontrollierten das internationale Finanzsystem, Juden beherrschten Medien und Hollywood und der Mossad sei an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beteiligt gewesen.

Seine aktuellen Aussagen sind deshalb keine plötzliche Radikalisierung. Neu ist vor allem die Offenheit, mit der aus antisemitischen Verschwörungserzählungen ein persönliches Bekenntnis zur militärischen Gewalt gegen Israel wird.

Auch seine Nähe zur iranischen Propagandawelt ist nicht neu. O’Keefe trat bereits früher bei Press TV auf, dem englischsprachigen Auslandsmedium des iranischen Regimes. Noch während des Krieges 2026 verbreitete Press TV Aufnahmen von ihm aus Iran und präsentierte ihn als ehemaligen US-Marine, der die amerikanisch-israelische Politik angreift.

Die Verbindung ist für Teheran propagandistisch wertvoll. Ein westlicher ehemaliger Soldat, der Israel dämonisiert und gleichzeitig den Vereinigten Staaten vorwirft, von jüdischen Interessen kontrolliert zu werden, lässt sich hervorragend als vermeintlicher Beweis dafür präsentieren, dass die eigene Ideologie selbst im Westen Anhänger findet.

Dabei richtet sich O’Keefes Erzählung längst nicht mehr nur gegen den Staat Israel. Wer von einem geheimen „jüdischen System“ spricht, das die Vereinigten Staaten ersetzen solle, verschiebt den Angriff ausdrücklich vom ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen auf Juden als angeblich verborgene politische Macht.

Genau diese Verschiebung macht den Auftritt antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen.

Schon auf der Mavi Marmara war O’Keefe kein friedlicher Zuschauer

O’Keefe wurde international vor allem durch seine Teilnahme an der Gaza-Flottille 2010Mavi Marmara: Die Gaza-Flottille, die Israel international unter Druck setzteDie Mavi Marmara war ein türkisches Schiff der Gaza Freedom Flotilla von 2010. Die Flottille wollte die israelische Seeblockade des Gazastreifens brechen. Beim israelischen Zugriff kam es auf der Mavi Marmara zu Gewalt gegen israelische Soldaten und zu Toten unter den Aktivisten.Mehr lesen bekannt. Er befand sich auf der „Mavi MarmaraMavi Marmara: Die Gaza-Flottille, die Israel international unter Druck setzteDie Mavi Marmara war ein türkisches Schiff der Gaza Freedom Flotilla von 2010. Die Flottille wollte die israelische Seeblockade des Gazastreifens brechen. Beim israelischen Zugriff kam es auf der Mavi Marmara zu Gewalt gegen israelische Soldaten und zu Toten unter den Aktivisten.Mehr lesen“, als israelische Spezialkräfte das Schiff stoppten, nachdem die Organisatoren angekündigt hatten, die Seeblockade des von der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen beherrschten Gazastreifens zu durchbrechen.

O’Keefe stellte sich später gern als Friedensaktivist dar. Seine eigene Darstellung der Ereignisse passt allerdings kaum dazu. Er räumte selbst ein, israelische Soldaten gewaltsam entwaffnet zu haben.

Auch der von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eingesetzte Palmer-Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass israelische Soldaten beim Betreten der „Mavi Marmara“ auf „erheblichen, organisierten und gewaltsamen Widerstand“ einer Gruppe von Passagieren trafen. Passagiere waren unter anderem mit Eisenstangen, Ketten und Schleudern bewaffnet. Drei israelische Soldaten wurden überwältigt und unter Deck gebracht, weitere wurden verletzt. Gleichzeitig kritisierte der Bericht Teile des israelischen Vorgehens und die hohe Zahl der Todesopfer.


O’Keefe gehörte zu jenen Aktivisten, die israelische Soldaten entwaffneten. Damit ist auch sein heutiger Wunsch, sich persönlich einer Operation gegen Israel anzuschließen, nicht vollkommen losgelöst von seiner Vergangenheit.

Bereits 2012 erklärte er bei einer Veranstaltung an der Middlesex University, Israel müsse zerstört werden. Gleichzeitig behauptete er dort, Israel und der Mossad seien direkt für den 11. September verantwortlich. Britische jüdische Organisationen dokumentierten seine Aussagen, eine geplante spätere Veranstaltung an der Universität Kent wurde nach der Kontroverse abgesagt.

Nun spricht er im iranischen Fernsehen nicht mehr nur über die gewünschte Zerstörung Israels. Er erklärt, bei einem Angriff selbst dabei sein zu wollen.

Der Auftritt passt zugleich in ein Muster, über das haOlam erst vor wenigen Wochen berichtet hat. Im Umfeld des iranischen Regimes werden Vernichtungsfantasien gegen Israel regelmäßig mit antisemitischen Geschichtsbildern und Verschwörungstheorien verbunden. Ein in Iran lebender schiitischer Prediger behauptete im August beispielsweise, „Zionisten“ hätten Hitler gegen die Juden aufgebracht und sagte anschließend die Zerstörung Israels durch Persien voraus.

O’Keefe liefert nun eine westliche Variante derselben Ideologie: Juden beziehungsweise ein angeblich „jüdisches System“ kontrollierten die Weltordnung, Amerika müsse fallen, Israel müsse verschwinden.

Dass solche Aussagen in einem iranischen Staatsmedium verbreitet werden, ist deshalb kein Zufall. Das Regime bietet einem Mann eine Bühne, dessen Botschaft fast deckungsgleich mit seiner eigenen Vernichtungspropaganda ist.

O’Keefe nennt sich Aktivist.

Wer öffentlich erklärt, an einem iranischen Angriff auf Israel teilnehmen zu wollen und für das Ende des jüdischen Staates betet, hat diese Beschreibung jedoch selbst entwertet.

Er wirbt nicht mehr nur gegen Israel.

Er wirbt für den Krieg gegen Israel.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 16 September 2026

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