Moskau half offenbar beim Zielen: Russische Satelliten sollen Irans Angriffe auf US-Basen präzisiert haben

Moskau half offenbar beim Zielen: Russische Satelliten sollen Irans Angriffe auf US-Basen präzisiert haben


Vierzehn russische Aufklärungssatelliten überflogen einen wichtigen US-Stützpunkt kurz vor einem schweren iranischen Angriff. US-Vertreter vermuten, dass Moskau Teheran Zielinformationen lieferte – und damit den Krieg im Nahen Osten auf eine neue Ebene hob.

Moskau half offenbar beim Zielen: Russische Satelliten sollen Irans Angriffe auf US-Basen präzisiert haben
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der iranische Angriff auf die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien am 27. März war auffallend präzise. Zwölf amerikanische Soldaten wurden verletzt, mehrere Flugzeuge getroffen und ein wertvolles E-3-Sentry-AWACS-System schwer beschädigt beziehungsweise zerstört. Nun verdichtet sich der Verdacht, dass diese Genauigkeit nicht allein auf iranischen Fähigkeiten beruhte.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten CNN-Recherche überflogen 14 russische Aufklärungssatelliten die amerikanisch-saudische Luftwaffenbasis kurz vor dem Angriff. Zwei US-Regierungsvertreter und internationale Geheimdienstquellen gehen laut dem Bericht davon aus, dass dabei gewonnene Informationen an Iran weitergegeben wurden. Die Satelliten hätten unterschiedliche Fähigkeiten kombiniert: hochauflösende optische Bilder, Infrarotaufklärung, Funk- und Radarsignalerfassung sowie Synthetic Aperture Radar, mit dem Ziele auch bei schlechten Sichtbedingungen lokalisiert werden können.

Damit würde sich ein Verdacht bestätigen, über den bereits seit Monaten berichtet wird: Russland könnte Iran nicht nur politisch und technisch unterstützen, sondern unmittelbar zur Zielerfassung amerikanischer Einrichtungen im Nahen Osten beitragen.

Eine ukrainische Geheimdienstanalyse, die Reuters bereits im April einsehen konnte, dokumentierte mindestens 24 russische Satellitenaufklärungen zwischen dem 21. und 31. März über 46 militärischen und infrastrukturellen Zielen in elf Staaten der Region. Darunter befanden sich amerikanische Basen, Flughäfen und Ölanlagen. Mehrere dieser Einrichtungen wurden anschließend von Iran mit Raketen oder Drohnen angegriffen.

Prince Sultan: Satelliten oben, iranische Raketen kurz darauf

Besonders deutlich zeigt sich das Muster bei der Prince Sultan Air Base südöstlich von Riad.

Der Stützpunkt beherbergt amerikanische und saudische Kräfte und war während des Krieges ein wichtiger Knotenpunkt für Luftverteidigung, Aufklärung und Operationen gegen Iran. Am 27. März griff Teheran die Basis mit Raketen und Drohnen an. Reuters bestätigte damals zwölf verletzte US-Soldaten, darunter zwei Schwerverletzte. Mehrere Tankflugzeuge wurden beschädigt.

Auch ein E-3 Sentry AWACS wurde getroffen. Dieses Flugzeug ist weit mehr als ein gewöhnlicher Aufklärer. Es dient als fliegende Radar- und Kommandozentrale, überwacht große Lufträume und koordiniert Luftoperationen. Air & Space Forces Magazine berichtete unmittelbar nach dem Angriff, die Schäden seien so schwer gewesen, dass das Flugzeug wahrscheinlich nicht mehr repariert werden könne.

CNN kommt nun zu dem Schluss, dass die russischen Überflüge zeitlich so dicht mit dem iranischen Angriff zusammenlagen, dass eine Weitergabe der Daten an Teheran eine plausible Erklärung für die hohe Zielgenauigkeit bietet. Eine endgültige öffentliche Beweiskette hat Washington bislang jedoch nicht vorgelegt. Moskau bestreitet, Iran auf diese Weise unterstützt zu haben.

Der Unterschied ist wichtig: Es gibt inzwischen erhebliche Indizien und mehrere Geheimdienstbewertungen, aber keine öffentlich zugängliche russische Einsatzakte, aus der sich die Datenübermittlung zweifelsfrei ablesen ließe.

Das Gesamtbild wird dadurch allerdings kaum beruhigender.

Bereits Ende März hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, russische Satelliten hätten Prince Sultan mehrfach unmittelbar vor dem Angriff fotografiert. Anfang April folgte die von Reuters geprüfte ukrainische Analyse mit weiteren mutmaßlichen Zielaufklärungen. Der neue CNN-Bericht stützt diese Hinweise nun zusätzlich mit amerikanischen Quellen und einer detaillierteren Auswertung der Satellitenbewegungen.

Russland könnte den Krieg geführt haben, ohne selbst zu schießen

Sollte sich die amerikanische Einschätzung bestätigen, wäre die strategische Bedeutung erheblich.

Russland hätte keine eigene Rakete auf Saudi-Arabien abfeuern müssen. Es hätte lediglich jene Informationen bereitstellen müssen, die Iran benötigt, um seine Waffen effektiver einzusetzen: aktuelle Positionen von Flugzeugen, Radarstellungen, Kommunikationssignale oder Veränderungen innerhalb eines Stützpunkts.

Gerade bewegliche oder kurzfristig verlegte Ziele stellen hohe Anforderungen an die Aufklärung. Eine ballistische Rakete kann technisch noch so leistungsfähig sein – ohne aktuelle Zielinformationen trifft sie im Zweifel einen leeren Abstellplatz.

haOlam hatte erst vor wenigen Tagen über die auffällig zunehmende Präzision iranischer Angriffe auf amerikanische Kriegsschiffe berichtet. Schon damals stand der Verdacht im Raum, dass russische oder chinesische Aufklärungsmittel Teheran aktuelle Positionsdaten liefern könnten. Der neue Bericht betrifft nun keine theoretische Möglichkeit mehr, sondern einen konkreten Angriff auf eine US-Basis, bei dem amerikanische Soldaten verletzt und wertvolle Luftfahrzeuge getroffen wurden.

Die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Teheran wäre auch politisch wenig überraschend. Iran versorgte Russland während des Ukrainekriegs mit Shahed-Drohnen und der dazugehörigen Technologie. Russland wiederum verfügt über deutlich leistungsfähigere Satelliten- und Signalsysteme als Iran.

Was zunächst als Waffenpartnerschaft gegen die Ukraine begann, könnte sich damit zu einem gegenseitigen militärischen Unterstützungsmodell entwickelt haben.

Der saudische Sicherheitsexperte Nawaf Obaid bezeichnete die mögliche russische Unterstützung gegenüber CNN deshalb als „Russian payback with interest“ – russische Vergeltung mit Zinsen. Seine Interpretation: Washington liefert der Ukraine Aufklärung für Angriffe auf russische Ziele, Moskau unterstützt im Gegenzug Iran beim Angriff auf amerikanische Kräfte.

Diese Einschätzung ist eine politische Analyse, keine bewiesene russische Motivation. Doch sie beschreibt die gefährliche Logik, die hinter der Entwicklung stehen könnte.

Denn damit würde der Krieg zwischen Iran, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den Vereinigten Staaten zunehmend mit dem russisch-amerikanischen Konflikt um die Ukraine verschmelzen.

Für Israel wäre das eine besonders problematische Entwicklung.

Israel kämpft nicht mehr ausschließlich gegen die iranischen Raketen, Drohnen und Terrororganisationen. Sollte Moskau Teheran hochwertige Aufklärung liefern, steht Iran indirekt ein Teil jener technischen Fähigkeiten zur Verfügung, über die eine Großmacht verfügt.

Das verändert auch die Bewertung iranischer Fähigkeiten. Treffgenauigkeit ist dann nicht zwangsläufig ein Beweis dafür, dass Iran selbst einen technologischen Durchbruch erzielt hat. Sie kann ebenso das Ergebnis fremder Sensoren, Satelliten und Geheimdienstinformationen sein.

Der Bericht nennt außerdem einen weiteren mutmaßlichen Fall: Russische Informationen könnten Iran geholfen haben, eine mit der CIA verbundene Einrichtung in Riad ins Visier zu nehmen. Auch hierbei handelt es sich um eine Geheimdienstbewertung, die bislang nicht öffentlich vollständig belegt wurde.

Noch brisanter ist der Zusammenhang mit China. Erst wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass Iran vor einem tödlichen Angriff auf einen US-Stützpunkt in Jordanien hochauflösende Satellitenbilder aus chinesischen Quellen erhalten haben soll. Trump spielte die Bedeutung öffentlich herunter und verwies darauf, dass auch die Vereinigten Staaten andere Staaten ausspionierten.

Damit entsteht jedoch ein größeres strategisches Problem für Washington und Israel: Iran könnte seine eigenen Raketen- und Drohnenarsenale mit Aufklärung aus Russland und China verbinden.

Genau diese Kombination macht ein ohnehin großes Arsenal erheblich gefährlicher.

Teheran muss dann nicht selbst sämtliche Satelliten, Sensoren und Auswertungssysteme besitzen. Es genügt, Zugang zu den Informationen anderer Mächte zu erhalten.

Für Israel bestätigt das eine zentrale sicherheitspolitische Erfahrung der vergangenen Jahre: Der Konflikt mit Iran ist längst nicht mehr auf Iran begrenzt.

Moskau und Teheran haben ihre militärische Zusammenarbeit im Ukrainekrieg vertieft. Nun gibt es immer stärkere Hinweise darauf, dass die Unterstützung in die andere Richtung zurückfließt.

Iran lieferte Russland Drohnen.

Russland könnte Iran nun die Augen liefern, mit denen diese neue Kriegsführung ihre Ziele findet.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 17 September 2026

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